Arcandor verhandelt mit Metro, Karstadt schreibt schwarze Zahlen

12. Juni 2009 | von

Für Arcandor ist es die erste gute Nachricht seit Langem: nach gescheiterten Anträgen auf Staatshilfen und der daraufhin angemeldeten Insolvenz berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) jetzt, dass Karstadt im vergangenen Geschäftsjahr Gewinn gemacht hat. Dieser positive Trend bedeutet für Arcandor eine verbesserte Ausgangsposition für Verhandlungen mit möglichen Investoren. Gespräche werden jetzt nicht mehr nur mit Metro geführt.

Arcandor selbst will die Zahlen erst am 18. Juni publik machen, doch schon jetzt ist bekannt, dass Karstadt in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres, also von Anfang April bis Ende September 2008, einen Gewinn von 7 Millionen Euro verbuchen konnte. Ein Grund zum Feiern ist dieses Plus allerdings noch nicht – im gleichen Zeitraum machte der Versandhandel Primondo, zu dem auch Quelle gehört, Verluste in Höhe von 57 Millionen Euro. Trotzdem verbessert die Nachricht Arcandors Situation am Verhandlungstisch.

Insolvenzexperten erarbeiten zurzeit ein Sanierungskonzept für den Handelskonzern, das innerhalb der nächsten drei Monate dem Insolvenzgericht vorgelegt werden muss. Das Unternehmen soll demnach in jedem Fall weitergeführt werden. Die erfreulichen Zahlen der Kaufhauskette Karstadt erhöhen die Chancen, eine Zerschlagung des Konzerns zu verhindern. Während der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg an einem Plan arbeitet, wie das Unternehmen als Ganzes weitergeführt werden soll, will Vorstandsvorsitzernder Karl-Gerhard Eick erneut mit Metro verhandeln, um dieses Ziel erreichen zu können. Die Metro-Gruppe sei aber nicht der einzige Gesprächspartner, es gebe noch weitere potentielle Partner für eine Warenhaus AG.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schließt derweil einen erneuten Antrag auf Staatshilfen während des Insolvenzverfahrens nicht aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Arcandor zwar Unterstützung während des Insolvenzprozesses versprochen, von Staatshilfen war aber nach wie vor keine Rede. Arcandor hatte am Dienstag einen Insolvanzantrag gestellt, nachdem die Bundesregierung einen Bürgschaftsantrag erneut abgelehnt hatte. Deutschlandweit sind 43.000 Mitarbeiter von der Insolvenz des Handelskonzerns betroffen. Ihre Gehaltszahlungen werden in der Zeit bis August von der Agentur für Arbeit übernommen.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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