Studenten: Vermieters Liebling

16. Juni 2009 | von

Nach einer Studie der Deutschen Bank Research haben neben den üblichen, für gehobene Mietpreise bekannte Metropolen wie Hamburg und München vor allem kleinere Universitätsstädte attraktive Wohnungsmärkte – was nicht an den Villen der C4-Professoren liegt, sondern an den mit schmalem Budget ausgestatteten Studierenden.

Das hätte sich die Studentenschaft sicher nicht träumen lassen: Statt als dauerfeiernde, laute und nicht sehr zahlungskräftige Mieterschaft gilt sie plötzlich als Vermieters Liebling – zumindest wenn es nach der Deutschen Bank Research geht. Diese fand in einer Studie heraus, daß der Wertzuwachs für Eigentumswohnungen in idyllischen Universitätsstädten wie Marburg, Münster oder Trier – also Städte, die nicht im Verdacht stehen, „Boomstädte“ zu sein – in den vergangenen zehn Jahren um etwa 0,75 Prozent über dem von Städten mit einem geringen Anteil oder gänzlich ohne Studenten lag. Gerade der hohe Studierendenanteil an der Gesamtbevölkerung von mindestens 15 Prozent wirkt sich hier positiv auf die Preise aus.

Statt Vermieters Albtraum nun der Liebling?

Bisher standen Studierende nicht gerade in dem Verdacht, besonders umworbene Mieter zu sein, schließlich gelten sie als nicht besonders zahlungskräftig, dafür als umso feierfreudiger. Aber gerade das schmale Budget lässt die angehenden Akademiker zur attraktiven Mieterschaft mutieren. Sie suchen ihre Bleibe nicht nach Größe, Südlage oder ähnlichen Aspekten aus, sondern nach ihrer Budgetgrenze. So nimmt der Student dann auch mal eine einfache, 25 Quadratmeter große Wohnung für 260 Euro, weil er sie eben bezahlen kann. Für den Vermieter bedeutet dies, daß er viele kleine Wohnungen für viel Geld vermieten kann. Auch größere Wohnungen sind, zumindest wenn sie WG-tauglich sind, beliebt und begehrt. Und selbst nach dem Abschluss bleibt der dann ehemlige Student ein begehrter Mieter, wenn aus dem Bettelstudent ein gutbezahlter Akademiker geworden ist – schließlich bleiben sie ihrer Universitätsstadt in vielen Fällen treu.

Aber nicht nur die Anwesenheit der Studenten macht die Universitätsstadt attraktiv, sondern auch die Universität selber. Sie bietet im Gegensatz zu Städten mit einem hohen Anteil an Beschäftigten im produzierenden Gewerbe eine gewisse konjunkturunabhängige Stabilität für Arbeitsplätze – eine Verlagerung der Universität ins Ausland in Krisenzeiten oder aus Kostengründen ist wohl nicht zu erwarten. Dafür könnte Investoren der demographische Wandel einen Strich durch die Rechnung machen. Weniger Geburten bedeuten auch weniger Studenten. Es könnte also sein, daß in Zukunft aus einer Universitätsstadt eine ehemalige Universitätsstadt wird.


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