Gemischte Reaktionen auf neue Honorarordnung für Architekten und Ingenieure

17. Juni 2009 | von

Der Kunde spart am Bauprojekt, der Architekt verdient mehr: Auf den ersten Blick scheint die neue Honorarordnung für Architekten und Ingenieure alle am Bau Beteiligten glücklich zu machen. Doch einer hat wie immer das Nachsehen: In diesem Fall sind es die Bauingenieure.

Nach fast 14 Jahren ist sie da, die lange geforderte Änderung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Am Freitag ist die neue Fassung vom Bundesrat verabschiedet worden. Für Architekten hält sie zunächst eine gute Neuerung bereit: für sie wird eine 10 Prozent höhere Entlohnung festgesetzt. Das klingt zunächst nach einer nicht unwesentlichen Mehrbelastung für den Kunden, vor allem, wenn man die Zahlen betrachtet: nach Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums würden demnach für öffentliche Bauprojekte jährlich rund 290 Millionen Euro mehr anfallen als bisher.

Und damit nicht genug: Architekten dürfen sich nicht nur über die Honorarsteigerung freuen, sie können pro Bauprojekt sogar nochmals bis zu 20 Prozent mehr verdienen. Das wiederum ist gleichzeitig von Vorteil für den Bauherren: Denn eine Bonuszahlung für den Planer kann dann gezahlt werden, wenn die tatsächlichen Baukosten deutlich geringer ausfallen als ursprünglich berechnet. Architekt und Kunde können also gleichermaßen von der neuen Regelung profitieren.

Bisher war die Entlohnung an die Baukosten gekoppelt. Dementsprechend sah die alte Verordnung ein höheres Architektenhonorar bei höheren Baukosten vor. Dank des sogenannten Baukostenberechnungsmodells ist dieser Zusammenhang jetzt umgekehrt. Das bedeutet auch, dass das Architektenhonorar bis zu 5 Prozent niedriger ausfallen kann als vorgesehen, nämlich dann, wenn die Baukosten höher sind als ursprünglich berechnet.

Während die Änderungen für Architekten und Bauherren einige Vorteile bringen, verärgert eine weitere Neuerung die Bauingenieure. Anders als bisher beziehen sich die Honorarvorgaben jetzt nur noch auf die Planung, nicht aber auf Beratungsleistungen. Hier ist die Entlohnung frei vereinbar, was für Ingenieure deutliche Einkommenseinbußen bedeuten könnte. Der Geschäftsführer des Verbands Beratender Ingenieure (VBI), Klaus Rollenhagen, sprach von einer „Mogelpackung“, die es intensiv zu prüfen gelte.

Auch der Bundesrat verlangt von der Regierung nach einem Jahr einen Bericht über die Entwicklung im Bereich des Bauingenieurswesens. Gegebenenfalls sollen Veränderungen an der Honorarverordnung für Ingenieure vorgenommen werden, wenn die Einkommenseinbußen zu groß sind. Es soll nicht riskiert werden, dass der Beruf an Attraktivität verliert.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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