Undurchsichtiger LEG-Deal sorgt für Irritationen

25. Juni 2009 | von

Vor knapp einem Jahr ging einer der größten Immobiliendeals Deutschlands über die Bühne. Das Land Nordrhein-Westfalen verkaufte 93.000 Wohnungen der landeseigenen LEG für 787 Millionen Euro an die „Whitehall Real Estate Funds“, einer Investmenttochter der US-Bank Goldman Sachs. Zumindest glaubte man das bis jetzt. Berichten zufolge stehen gleich vier Minifirmen mit wenig vertrauenserweckenden Namen hinter dem Kauf.

So firmierte eine der vier Gesellschaften bis zu ihrer Umbenennung in „Lancaster“ unter dem Namen „Vendetta“, dem italienischen Begriff für „Blutrache“. Dass der Geschäftsführer dieser Firma, die knapp 80 Prozent der LEG-Anteile besitzt, laut Angaben der Creditreform gerade mal knapp zwei Jahre alt ist, lässt den Deal auch nicht in einem besseren Licht erscheinen. Ebenso die gerade mal 25.000 Euro, mit denen Lancaster nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ haftet, erweckt nicht gerade zusätzliches Vertrauen. Eine andere, ebenfalls mit 25.000 Euro Stammkapital versorgte Firma, nennt sich „Rote Rosen“.

Was ist mit den Mieterrechten?

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen (CDU) hält die Investoren dagegen weiterhin für seriös. Der zur US-Bank Goldman Sachs gehörende Whitehall-Fonds habe ein Volumen von über 31 Milliarden Dollar, der Kaufpreis sei aus Eigenkapital bezahlt worden. Auch um den Schutz der Mieter macht sich Linssen keine Sorgen. Die dafür vereinbarte Sozialcharta sei durch das Fondsvermögen sowie pfändbare LEG-Anteile im Wert von 300 Millionen Euro gesichert.

Die Opposition hält den Schutz der Mieterrechte angesichts der Briefkastenkonstruktion dagegen für zweifelhaft. Im Falle einer Insolvenz dieser Firmen sei der Schutz vor Kündigung und Mieterhöhung nicht mehr gegeben, so der SPD Abgeordnete Norbert Römer. Linssen ficht auch dies nicht weiter an: „Wir glauben nach wie vor, alles richtig gemacht zu haben“, die Briefkastenfirmen dienen – die leeren Stadtkassen wird es freuen – dem Einsparen der Grunderwerbssteuer und ausserdem hat Berlin schon vor Jahren erfolgreich an die Whitehall verkauft.


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