Twitter – Mehrwert für Makler?

2. Juli 2009 | von

Die Statusmeldungen der aktuellen Situation im Iran und massenhafte Beleidsbekundungen für Michael Jackson – der Micro-Blogging Dienst Twitter (engl. Für „Zwitschern“) war in den letzten Tagen vor allem wegen seiner Möglichkeiten der Berichterstattung in aller Munde. Bereits vor einigen Monaten erregte Twitter erstmals größeres Aufsehen – als die ersten Tweets der Notlandung eines Flugzeuges im Hudson-River schneller waren als die herkömmlichen Newsdienste.

Das simple Prinzip mit kurzen Nachrichten von maximal 140 Zeichen und der einfachen Handhabung machen den Dienst für viele Menschen attraktiv. Twitter ist dabei längst kein Werkzeug nur für Internetfreaks. Der amerikanische Präsident nutzte den Dienst für seinen erfolgreichen Wahlkampf und punktete so bei der jungen, internetbegeisterten Wählerschaft. Auch deutsche Politiker twittern mittlerweile und sind damit manchmal schneller, als eigentlich erlaubt.

Der Dienst wächst zudem rasend schnell. Laut Nielsen/Net Ratings legte das soziale Netzwerk bei den Nutzerzahlen alleine zwischen Februar 2008 und Februar 2009 um unglaubliche 1392 Prozent zu.

Doch nicht nur Privatpersonen nutzen Twitter, um persönliche Statusmeldungen an die Welt zu senden. Auch die Wirtschaft hat das soziale Netzwerk inzwischen für sich entdeckt. Firmen nutzen Twitter als weiteren – und vor allem kostenlosen – Marketingkanal und erhöhen die Kundenbindung an das Unternehmen. Bei cleverer Nutzung springt sogar ein echter, zählbarer Mehrwert heraus. Erst kürzlich gab der Computer-Händler Dell bekannt, dass er durch per Twitter verbreitete Angebote einen Umsatz von drei Millionen US-Dollar erwirtschaftet hat.

Selber verdient Twitter übrigens noch kein Geld – was sich aber bald ändern könnte. Für Firmen soll das twittern in Zukunft eventuell kostenpflichtig sein. Konkret ist allerdings noch nichts und so können Firmen wohl noch eine Weile kostenlos twittern.

Auch für die Maklerbranche kann es deshalb sinnvoll sein, Twitter zu nutzen. Doch welche Möglichkeiten und Vorteile bringt das „twittern“ dem Makler im Einzelnen?

Kunden gewinnen, pflegen und binden:

Ein enger Kontakt zum Kunden gehört wohl zu den wichtigsten Dingen im Maklerberuf. Zwar kann und soll eine Twitter-Nachricht nicht das Einschätzen einer Immobilie, das Erstellen eines aussagekrätigen Exposees oder den persönlichen Kundenkontakt mitsamt der kompetenten Beratung vor Ort ersetzen, er bietet aber die Möglichkeit, den Kontakt zu Kunden oder Interessenten über einen weiteren Kanal aufzubauen und zu halten – und das ohne großen Aufwand.

Wie kann das im Einzelnen aussehen? Der Makler benötigt zuallererst ein Konto bei Twitter. Hier sind möglichst aussagekräftige und sinnvolle Angaben, insbesondere beim Namen, ratsam – schließlich ist die persönliche Twitter-Seite analog zur eigenen Homepage eine Art Visitenkarte im Internet. Genauso wichtig ist daher auch die Optik der Seite, die sich mit hochladbaren Hintergrund- und Symbolbildern und Farbeinstellungen individuell gestalten lässt.

Das Twitter Konto muss natürlich bekannt gemacht werden, denn eine große Anzahl an Abonnenten/Lesern (diese werden „Follower“ genannt) sieht immer gut aus – es müssen ja nicht gleich 2,5 Millionen wie beim amerikanischen Schauspieler Ashton Kutcher sein.

Die Twitter-Nutzer abonnieren die Nachrichten anderer Twitterer, indem sie ihn „folgen“ (englisch: to follow – folgen) und bekommen so deren Twitter-Einträge auf ihrer eigenen Twitter-Seite angezeigt. Im Sinne der Kontaktpflege und Bindung empfiehlt es sich, seinen „Followern“ ebenfalls zu folgen. Sogenannte „direct-messages“ (direkt an jemand gerichtete Nachrichten) erlauben eine persönliche Ansprache und direkte Kommunikation mit den Kunden, damit die Informationswege keine Einbahnstraße bleiben.

Follower kann man auf verschiedenen Wegen generieren. In einem ersten Schritt lässt sich mit der Twitter-Suche nach Wohnungsinteressenten suchen. Diesen sollte man dann am besten folgen, damit sie auf das Angebot aufmerksam werden. Natürlich sollte das eigene Twitter-Konto zu diesem Zeitpunkt schon einige interessante Updates bereithalten. So kann man leicht die ersten Follower generieren und mit etwas Glück und guten Angeboten spricht sich das auch schnell rum.

Auch das Folgen von Twitter-Profilen aus dem Immobilienbereich ist ratsam, schließlich tummeln sich auf diesen Profilen logischerweise meist Leute aus dem Immobilienbereich, aber auch Immobilieninteressenten. Eine Liste mit den 10 wichtigsten Twitterprofilen aus dem Immobilienbereich finden Sie unten.

Twitter ermöglicht zudem das Erschließen vollkommen neuer Kundenkreise:

Kundenkreis erweitern:

Bereits heute sind die Immobilienportale im Internet zum wichtigsten Marketing- und Vertriebskanal der Makler geworden und haben Zeitungsannoncen und Aushänge überholt.

Die Internet-affine Kundschaft nutzt neben diesen gebräuchlichen Methoden aber gerne auch andere und neuartige Wege wie Immobilien-Suchmaschinen oder eben auch Dienste wie Twitter oder Facebook. Diese Zielgruppe kann direkt mit dem Bereitstellen von Angeboten im Rahmen dieser Dienste angesprochen werden. Nicht umsonst folgen bereits Hunderte von Nutzern den Immobilo-Stadtprofilen bei Twitter und werden auf diesem Wege mit den neuesten und interessantesten Immobilien-Angeboten der jeweiligen Stadt versorgt.

Schnelle Kommunikation:

Wenn der Makler ein neues und interessantes Objekt im Angebot hat oder es eine wichtige Neuigkeit gibt, eröffnet Twitter die Möglichkeit, dies schnell und einfach zu kommunizieren – mit einem „Tweet“, also einem Beitrag, werden die „Follower“ sofort und automatisch über das Update informiert. Die Internetadresse „m.twitter.com“ ermöglicht das Einspielen der Updates mit einem internetfähigen Mobiltelefon auch von unterwegs. Man braucht also nicht erst in das Büro zurückkehren, um die Neuigkeiten zu verbreiten.

Bei allen Möglichkeiten, die Twitter zur schnellen Verbreitung von Neuigkeiten bietet, macht auch hier die Dosis den Unterschied zwischen Medizin und Gift. Das Twitter-Konto pausenlos mit neuen Nachrichten zu füllen bringt nichts – im Gegenteil, wahrscheinlich springen die Follower nach einiger Zeit genervt ab. Bis zu 15 Nachrichten am Tag gelten als optimal, zudem macht ein gepflegtes und regelmäßig aktualisiertes Twitter-Konto einen guten Eindruck.

Dabei bedarf es etwas Übung, die Informationen in die gerade mal 140 Zeichen zu packen – das sind sogar noch 20 Zeichen weniger als in einer SMS. Damit nicht unnötig viele Zeichen für eine lange URL verwendet werden müssen, bieten Dienste wie http://bit.ly, http://tinyurl.com, http://arm.in oder http://wong.to das verkürzen von Internetadressen und Links.

Schnelle Kommunikationswege haben natürlich auch den Nachteil, daß nichts älter ist als die Nachricht (oder in diesem Falle der Tweet) von gestern. Eine Untersuchung von bit.ly, einem der eben genannten Dienste zum Verkürzen von Internetadressen, hat ergeben, dass ein Twitter-Link eine Halbwertszeit von gerade mal fünf Minuten hat. Oft sehen deshalb auch nur Follower, die gerade im Internet sind, die Updates. Gerade die Schnelllebigkeit macht es daher notwendig, sich auf die nötigsten und wichtigsten Informationen zu beschränken – sonst verpassen die Follower vielleicht das Interessanteste. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt die persönliche Ansprache per „direct message“ noch mehr an Bedeutung.

Kostenloser Marketingkanal:

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, nutzen immer mehr Unternehmen Twitter als weiteren Marketing- und Vertriebskanal. Auch wenn die drei Millionen Dollar Umsatz des Dell-Twitterkontos bei einem Gesamtumsatz von 12,3 Milliarden Dollar nur marginal erscheint – jede zusätzliche Einnahme ist willkommen, vor allem, weil die Nutzung von Twitter vollkommen kostenlos ist.

Auch einige Zeitungen haben die Möglickeiten von Immobilienannoncen in Zeitungen erkannt und twittern fleißig mit – als Beispiele seien hier Bellevue und Donaukurier genannt.

Das Bewerben von Angeboten auf Twitter bietet Maklern einen zusätzlichen Marketingkanal zum Vorstellen von Objekten, der zwar die Portale, Annoncen und Aushänge nicht ersetzen wird, aber sinnvoll ergänzen kann. Zusatzdienste wie Tweetdeck oder hootsuite.com ermöglichen das einfache Verwalten des Twitter–Kontos und Angebote wie twitterfeed.com oder feednest.com erlauben zum Beispiel das automatische Einspielen von Immobilien Angeboten per RSS-Feed.

Denkbar ist sogar eine Monetarisierung des Hintergrundbildes – es gibt nichts, was es nicht gibt.

Auftreten als Experte:

Kunden sind dankbar für Tipps, Tricks und interessante Hinweise. Gerade Wohnungssuche, Umzugsvorbereitungen und Umzug sind für viele keine alltägliche Sache – und gerade deshalb sind sie dankbar für jede Unterstützung.

Denkbar ist auch das „tweeten“ von interessanten Neuigkeiten aus der Immobilienwelt oder dem Mietrecht – um nur zwei Beispiele zu nennen. Merken die „Follower“, daß ein Twitterprofil aktuell und informativ ist, spricht sich das schnell herum und neue Follower sind praktisch sicher. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt unter dem Aspekt der Imagepflege.

Neben der Aktualität muss ein Profil natürlich gepflegt werden. Alle nötigen Informationen wie Name, Standort und Webadresse sollten möglichst auf den aktuellsten Stand sein, zusätzliche Informationen sind natürlich willkommen. Mit Grafiken und Bildern lässt sich dem Profil zudem eine individuelle Note geben.
Die bei Twitter erlaubten 140 Zeichen bieten zwar nicht viel Spielraum für große Erklärungen, aber ein kurzer Hinweis und ein Link auf eine interessante und informative Seite reichen oft schon aus.

Informieren und informiert werden:

Informationen bei Twitter sind keine Einbahnstraße. Man kann nicht nur schneller informieren, sondern auch schneller informiert werden – egal, ob dies nun Trends, Ideen oder Nachrichten sind.

Vernetzung:

Das bei Twitter benutzte System von Follow (selber folgen), Followern (gefolgt werden), Direct Message (direkte Nachrichten) und Re-Tweet (weiterverbreiten) ermöglicht den Aufbau eines ganzen Netzwerkes. Gerade durch Re-Tweets verbreiten sich Nachrichten oft sehr schnell weiter, auch über den eigentlichen Kreis der „Follower hinaus“. Ein Beispiel: Wenn man ein besonders attraktives, sensationelles oder spektakuläres Angebot hat, wissen unter Umständen in kürzester Zeit Tausende darüber bescheid. Womit man wieder bei der Kundengewinnung ist.

Fazit:

Die Maklerbranche befindet sich im Umbruch, das ist nicht zu übersehen. Ob nun kontrovers diskutierte Urteile über ganz und gar nicht traditionell verhaftete Maklerformen oder eben neuartige Kommunikationswege wie Twitter. Makler, die auf der Höhe der Zeit sein möchten und zukünftige Zielgruppen ansprechen wollen, kommen um derartige Informationskanäle nicht mehr herum. Das Wichtigste ist, die richtige Mischung zu finden. Ach ja, und Twitter ist nachwievor vor allem eins: kostenlos.

Die 10 wichtigsten twitterenden Firmen und Einzelpersonen der Online-Immobilienwirtschaft in Deutschland:

Ron Aron Hillmann, Iven & Hillmann (Immobilienscout24)
Haufe Immobilien
Kurt Färber – Mietrecht4U
Artmann Immobilien
Hannes Mehr – www.immobilienportale.com
Immofux Makler
meineimmobilie.de
Neubau Kompass AG
Paulig Immobilien
Norman Nielsen – Immonet


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8 Kommentare zu Twitter – Mehrwert für Makler?

  1. Pingback: Twitter für Immobilienmakler

  2. Ein guter und übersichtlicher Artikel.

    Allerdings ist aus meiner Sicht Twitter für die Veröffentlichung von Immobilienangeboten nicht geeignet. Es gibt einige Anbieter, die das mit wachsender Begeisterung machen und aus allen Rohren schießen. Leider hat das bei vielen Follower die Folge, dass der Anbieter gelöscht und womöglich noch als Spammer markiert oder gar gemeldet wird. Also eher kontraproduktiv.

    Welche Gesichtspunkte der Verfasser bei der Auswahl der 10 wichtigsten Firmen angesetzt hat, bleibt mir derzeit noch ein Rätsel. Möglicherweise gib´s da ja eine Erklärung.

    Jasmine del Olmo
    http://www.immopro24.eu

  3. Peter B. sagt:

    Wer ist Norman Nielsen? Hat sein Wort Gewicht? Wer ist Artmann Immobilien? Wo ist Immowelt? Ihr solltet mal die Personen ausfindig machen, die wirklich was zusagen haben.

  4. F. Huber sagt:

    Vgl. hierzu auch den Artikel „Top 10 der Immo-Twitterer“ bei neubau-muenchen.com :
    http://neubau-muenchen.com/2009/05/19/immobilien-gezwitscher-top-10-der-immobilien-twitterer/

    Viele Grüße,
    F. Huber

  5. Pingback: Twittern für Makler PRO und CONTRA | Hausverwaltung Blog

  6. Hier ist eine gute Auflistung zum Thema Immobilien:

    http://www.twellow.com/search?q=immobilien&search_cat=

    MfG

    B.Gauger

  7. Ehrlich gesagt weiss ich nicht so recht warum im Immobilienbereich überhaupt die Notwendigkeit zum Twittern besteht. Das dutzend guter Blogs lässt sich auch mit einem Feedreader übersichtlich überschauen.

    ich werde mir aber den ein oder anderen Twitter Account mal ansehen, vielleicht finde ich ja doch noch etwas neues.

  8. Norman sagt:

    Wer ist eigentlich dieser Peter B. und warum kennt den keiner? 🙂
    Gestern auf der Twittnite Hamburg kannte den auch keiner…

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