Krise im Wohnungsbau: 2008 mit Negativrekord

7. Juli 2009 | von

Anfang der Woche hat das Statistische Bundesamt die Zahlen der im vergangenen Jahr gebauten Wohnungen veröffentlicht. Das wenig erfreuliche Ergebnis: Seit der Wiedervereinigung wurden in keinem Jahr so wenige Wohnungen fertiggestellt wie 2008. Die Gründe für den Tiefstand sind vielfältig, ebenso die Prognosen für den Wohnungsbau in diesem Jahr.

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2008 knappp 176.000 Wohnungen fertiggestellt, davon 152.000 Neubauwohnungen in Wohngebäuden. Insgesamt ist das ein Rückgang von fast 17 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007. Seit dem Rekordjahr 1995 mit 603.000 Wohneinheiten ist die Zahl sogar über 70 Prozent gesunken. Bereits im März hatte das Statistische Bundesamt einen drastischen Rückgang der Baugenehmigungen mitgeteilt.

Walter Rasch, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), sieht einen Grund für den starken Rückgang in der neuen Energiesparverordnung. Die erhöhten Anforderungen bringen auch höhere Kosten mit sich. Investitionsanreize, die dies ausgleichen könnten, seien bisher nicht ausreichend vorhanden. Auch 2009 sei keine deutliche Besserung zu erwarten, so Rasch, der auch offene Kritik an den Banken übte: Diese vergäben zu wenige und zu eingeschränkt Kredite, obwohl sie ihrerseits Finanzierungshilfen in Anspruch nähmen. Die Kreditvergabe sei allerdings das wichtigste Instrument, wenn es um Investitionen in den Wohnungsbau geht.

Der Präsident der Eigentümer-Vereinigung Haus & Grund, Rolf Kornemann, sieht die Ursache für die schlechten Zahlen besonders im Wegfall der Eigenheimzulage sowie in der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Stefan Jokl, Direktor des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (ifs), hält auch die verbreitete Verunsicherung aufgrund der Finanzkrise als ausschlaggebend für den Tiefstand. Er gibt sich außerdem optimistischer als Rasch: Da die Bedingungen zurzeit gut seien, rechne er für 2009 mit einer positiven Entwicklung des Wohnungsbaus.

Am wenigsten vom Rückgang betroffen sind Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern: Hier wurden 2008 nur neun Prozent weniger fertiggestellt als im Jahr zuvor. Deutlich geschrumpft ist die Zahl dafür bei Ein- und Zweifamilienhäusern, bei denen der Rückgang 22 bzw. 23,6 Prozent betrug.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, News abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.