Europacity soll den Berliner Hauptbahnhof beleben

8. Juli 2009 | von

Trotz moderner Architektur und pompöser Eröffnungsfeier hat sich der neue Berliner Hauptbahnhof noch nicht zum Imageträger der Bahn entwickelt. Streitereien mit dem Architekten wegen des zu kurzen Daches und der fahlen Decke auf den unteren Bahnsteigen sowie der Fast-Supergau durch einen herabfallenden Träger sorgten bisher eher für negative Schlagzeilen. Auch bei den Berlinern ist der riesige Glaskasten noch nicht wirklich angekommen, schließlich steht er doch irgendwie recht isoliert im Brachland – doch das soll sich jetzt ändern. Mit der „Europa-City“ soll nun Leben rund um den Bahnhof einziehen – der erste Abschnitt wird gerade in Angriff genommen.

Den Startschuss für das neue Stadtquartier gibt ein Mineralölunternehmen, daß für seinen neuen Deutschlandhauptsitz knapp 14.000 m² Bürofläche mietet – den Mietvertrag dafür wurde kürzlich vom Mieter und dem Quartiersentwickler Vivico unterzeichnet. Dafür soll bis 2012 ein 17-stöckiges Hochhaus nördlich des Bahnhofsvorplatzes entstehen, dessen Architektur derzeit in einem Workshopverfahren erarbeitet wird. Falls sich die Beteiligten bis Ende des Jahres auf einen Entwurf einigen können, soll der Baustart im zweiten Quartal 2010 erfolgen.

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Insgesamt soll das Quartier an der Heidestraße knapp 40.000 m² umfassen. Neben Büro- und Gewerbeflächen sollen abseits der Hauptstraße am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal auch hochwertige Wohnungen entstehen – damit niemand mehr sagen kann, daß hier niemand wohnt, der in die Züge einsteigen könnte. Für dieses Vorhaben wurde bereits im Januar 2008 ein städtebaulicher Wettbewerb durch Vivico Real Estate, Deutsche Bahn und das Land Berlin ausgerufen. Der Siegerentwurf der Arbeitsgemeinschaft von KCAP/ASTOC und Studio Urban Catalyst soll Grundlage eines Masterplanverfahrens sein und schließlich als Bebauungsplan realisiert werden.

Derzeit versprüht das Gelände mit dem ehemaligen Güterbahnhof und etlichen Lagerhallen noch einen eher industriellen Charme – positiv ausgedrückt.


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3 Kommentare zu Europacity soll den Berliner Hauptbahnhof beleben

  1. „Trotz moderner Architektur“? Der Autor ist wohl kein Berliner 🙂 Sonst wüsste er, dass moderne Architektur (sprich, Stahl und Glas) bei den meisten Berlinern grundsätzlich eher auf Ablehnung stößt.

    Und bitte, nennen Sie doch den Hauptbahnhof nicht „Glaskasten“ – das klingt so unangemessen und plump wie die geplante Bebauung um ihn herum, und lässt außerdem vermuten, dass Sie in der Vorschule bei einfacher Formenlehre gefehlt haben (ich meine, wo sehen Sie denn da einen Kasten?).

    Ja, die Europacity könnte was Tolles werden (Potsdamer Platz Nr. 2 – was wollen wir mehr?). Ganz im Ernst, das Brachland da drüben gehört schon bebaut, auch wenn es nicht unbedingt Hochhäuser sein müssen.
    Mehr Sorgen bereitet mir das Lehrter Stadtquartier (auch auf dem Mist von Vivico gewachsen).
    Es mag sich vielleicht nicht jedem erschließen, aber in seiner Rolle als Solitär liegt doch eigentlich gerade der (architektonische) Reiz des Hauptbahnhofs. Er wurde so aufwändig gebaut, auch um optisch zu wirken.
    Das wird er nach Fertigstellung des Lehrter Quartiers aber nicht mehr können – denn statt den Platz, den die vielzitierte „Wüste“ bietet, auszunutzen, quetscht man die Hotels (nichts anderes entsteht da) so dicht an den Bahnhof, dass man gleich einen direkten Übergang zu den Bahnsteigen mit einplanen könnte…
    Insofern gewinnt der Bahnhof nicht an Bedeutung, sondern büßt ein. Bis auf das Meininger Hostel (das bereits einen erschreckenden Eindruck davon bietet, was in Zukunft dort passieren wird), ist noch nichts gebaut, aber ich befürchte, dass gerade hier der sonst so verlässliche Protest der Berliner ausbleiben wird und die Chancen, das Bahnhofsumfeld ansprechend und dem HBF würdig zu gestalten, endgültig vertan werden.
    Vor diesem Hintergrund wird der Streit um das Glasdach noch lächerlicher, als er ohnehin schon war.
    Ich nehme an, Herr von Gerkan weiß um die Bebauungspläne?
    Umso erstaunlicher ist es, dass er dazu nichts sagt. Wird doch sein Kunstwerk viel erheblicher verunstaltet, als es ein kürzeres Dach und eine flache Decke je vermochten! Der Bahnhof wird regelrecht eingemauert, man wird nicht mehr viel von ihm sehen. Die Humboldthafenbebauung wird ihr Übriges dazu tun. Neben Hotels entsteht am Hauptbahnhof im Übrigen vorrangig eins, nämlich das, was wir am dringendsten brauchen in Berlin: mehr Shopping, mehr Gastronomie, mehr Bürofläche.

    (By the way: Es ist ja nicht so, dass keine Leute im Umfeld wohnen – Invalidenstraße, Heidestraße, Lehrter Straße…bis jetzt auch überwiegend Normal- und Geringverdiener, aber ich frage mich, welche Auswirkungen diese Luxusquartiere wohl auf das Mietlevel der Umgebung haben werden….
    Der HBF ist zudem vor allem als Umsteigebahnhof gedacht, und nicht als Haltestelle im Wohngebiet ;-))

    Wenn diese dichte kommerzielle Bebauung von Anfang an so gewollt war (weil ja ein Shoppingcenter mit Gleisanschluss nicht auszureichen scheint und viele Leute immer noch irgendwas vermissen, wenn sie meinen, hier tatsächlich im „Niemandsland“ auszusteigen), dann frage ich mich, wieso man erst solch ein aufwändig konstruiertes Glanzstück da hinsetzt!? Einen Bau, der praktisch zum Solitär „geboren“ ist.
    Nein, dann hätte man auch gleich die mehdorn’sche Wunschvariante, nämlich tatsächlich einen Kasten, einen langweiligen Betonklotz als neuen Hauptbahnhof dort hinbauen können!

    Europacity – ja, meinetwegen gerne.
    Aber Lehrter Quartier – nein, danke!

    Freundliche Grüße von den Bahnhofsbloggern 🙂

  2. RonAron sagt:

    @bahnhofsblogger

    europacity bzw. quartier heidestrasse haben die chance inne, im umfeld laengst vergessene wohngegenden neu zu aktivieren. im kiez der scharnhorststrasse gleich nebenan wird bereits sarniert und neu gebaut. momentan liegen da die mieten zwischen 3 und 7 euro netto kalt pro quadratmeter. der anteil auslaendischer neuberliner geschaetzt liegt bei 20 bis 30 prozent. die „urbanisierung“ der heidestrasse weckt das interesse fuer die townhausbauten im hafenquartier mitte und am panke park in der scharnhorststrasse 4. 12 euro und mehr miete pro quadratmeter sind dann sicherlich bei diesen houses in town angesagt. die beiden townouse-projekte in umittelbarer naehe bringen neue anwohner aus der mittelschicht und den oberen einkommensklassen. architekten, designer und interantionale staedteplaner planen und entwickeln, um sich darueber als namhafte innerstaedtische experten anzubieten. diese kombination mit alteinwohnern wuerde sich wohl jeder staedteplaner wuenschen. aehnlich die entwicklung in der seydlitzstrasse. dort entstehen gerade auch viele townhaueser zwischen straffvollzug und berliner stadtmission gleich neben den sportplaetzen und westberliner plattenbauten aus den 70-igern. die mischung ist dann mit der europacity einzigartig. das zentrum einer der gefragtesten hauptstaedte der welt entwickelt sich nicht ueber die theorie der gentifikation bzw. ueber gentifizierung; sondern ueber das neubeleben eines fast vergessenen gebietes, dass nach ausbombung aus der berliner geschichte verschwinden sollte.

    die infrastruktur ist perfekt. zentrum, wasser, regierungsbezirk und gruenderbauten im umfeld – und doch derzeit wiese. spannend, was wir dann 2015 nach fertigstellen aller projekte dort vorfinden werden.

  3. RonAron sagt:

    sorry – bitte bei website aendern. ich twittere ueber http://twitter.com/stadthaeuser

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