Kein Wettbewerb bei Strom und Gas: Verbraucher zahlen zu viel

5. August 2009 | von

Wenn man die Krise Krise sein lassen und sich auf seinen Kundenstamm und seine Umsätze stets verlassen kann – dann ist man wahrscheinlich ein Energieversorger. Die unabhängige Monopolkommission der Bundesregierung hat am Dienstag in Berlin das zweite Sondergutachten zum Energiemarkt vorgelegt. Das Ergebnis: Strom- und Gaspreise sind zu hoch, Wettbewerb quasi nicht vorhanden. Erneut werden jetzt Forderungen zur Anpassung der Energiepolitik laut.

Ein funktionierender Wettbewerb sorgt für bessere Qualität und bessere Preise für die Verbraucher – so lautet eine der Grundprinzipien der Marktwirtschaft. Um jenen Wettbewerb auch im Bereich Energie zu gewährleisten, sind Strom- und Gasmarkt seit über einem Jahrzehnt liberalisiert – doch davon merkt man bis heute nicht viel. Die Konkurrenz auf dem Markt fehlt, vielmehr wird dieser aufgeteilt unter zu wenigen Konzernen mit zu viel Macht. Dass diese mehr oder weniger tun und lassen können, was sie wollen, merkt man nicht zuletzt daran, dass die Strompreise kontinuierlich steigen – obwohl sie das gar nicht müssten. Gaskunden haben immerhin noch das Glück, dass es die Öl-Gaspreis-Kopplung gibt und die Gaspreise deshalb auch sinken können – weil sie müssen. Im Fall der Aufhebung der Kopplung könnte auch der Gaspreis, wie der Strompreis, in einer ewigen Aufwärtsspirale enden.

Ein Monopol ist es nicht, ein Oligopol schon: Die vier großen Energieversorger E.on, RWE, EnBW und Vattenfall produzieren 85 Prozent des Stroms in Deutschland. Bei so viel Übersichtlichkeit braucht es keine großen Absprachen, um die Preise oben zu halten. In dieser Situation ist ein funktionsfähiger Wettbewerb nicht möglich. Deshalb schlägt die Monopolkommission vor, einen einheitlichen europäischen Strommarkt anzustreben. Der Gasmarkt solle deutschlandweit vereinheitlicht werden, da er hierzulande sehr zersplittert ist, was wiederum zu Alleinstellungen einzelner Anbieter auf den jeweiligen Gebieten führe. Außerdem sollen Gaslieferverträge auf maximal zwei Jahre beschränkt werden.

Während die Opposition das Gutachten begrüßt und es als Bestätigung einer verfehlten Energiepolitik sieht, schätzen die großen Versorgerunternehmen selbst alles etwas anders ein: Sie sind der Meinung, es gebe bereits ausreichend Wettbewerb auf dem Markt, ein Stromvergleich würde helfen. Es ist wohl alles eine Frage der Perspektive.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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