Erderhebung: Staufen bekommt Hilfe von der Landesregierung

10. August 2009 | von

Türen und Fenster gehen nicht richtig auf oder nicht richtig zu, der Boden ist schief, ständig entstehen neue Risse, die Gebäude drohen einzustürzen – in Staufen richtet eine Erderhebung seit 2007 Schäden an, die die Stadt im Breisgau allein nicht stemmen kann. Jetzt wurde ihr Unterstützung von der Landesregierung zugesagt – doch damit sind noch lange nicht alle Probleme gelöst.

Dramatische Szenen gehören zu Staufens Geschichte: Hier schaltete und waltete Doktor Faust, bevor Mephisto höchstpersönlich seinen Aufenthalt in der baden-württembergischen Stadt beendete. Auch die Geschichte, die sich zurzeit abspielt, könnte den einen oder anderen Schreiberling inspirieren, die Bewohner allerdings hätten wohl nur zu gern darauf verzichtet. Alles begann mit einem durchaus lobenswerten Vorhaben: Man wollte Wärme aus der Erde gewinnen, umweltfreundlich, zukunftsfähig. Doch durch die Bohrungen drang Wasser ins Erdreich ein, das eine Schicht aufquellen ließ. Seitdem nimmt die Katastrophe ihren Lauf: Die Erde hebt sich und richtet Schäden in Millionenhöhe an. Bisher sind schon über 200 Gebäude betroffen.

Auf gut 90.000 Quadratmetern hat sich die Erde seit 2007 um fast 20 Zentimeter angehoben, und ein Ende ist nicht abzusehen: jeden Monat wächst die Erhebung um rund einen Zentimeter. Dass die Katastrophe den Tourismus anzukurbeln scheint, ist für die Betroffenen wohl ein schwacher Trost, denn ihre Gebäude sind praktisch wertlos geworden, die dringend notwendigen, aber nicht minder teuren Renovierungen können sich die meisten nicht leisten. Es müssen Erkundungsbohrungen durchgeführt werden, bei vielen Gebäuden wird sich ein Abriss nicht vermeiden lassen – im Grunde steht die Sanierung einer kompletten Stadt an.

Am Sonntag hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) den Ort des Geschehens besichtigt und will dem knapp 8000 Einwohner-Städtchen jetzt mit mehreren Millionen Euro unter die Arme greifen. Das ist sicher eine Erleichterung für die Staufener, doch zurzeit ist die finanzielle Hilfe nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Die erste und wichtigste Aufgabe besteht darin, die Erderhebung zu stoppen, vorher wären alle Renovierungen sinnlos. Wann und wie das geschehen soll, ist noch völlig unklar. Bis die Ursache eindeutig geklärt ist, kann man sich leider nur auf eins verlassen: Die Erde hebt sich weiter.

Staufener Impressionen.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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