Der Run auf die Glühbirne – Absatz in Deutschland steigt

24. August 2009 | von

Das bekannte Prinzip von Angebot und Nachfrage, gepaart mit etwas Nostalgie – und schon hat man ihn, den Ansturm auf einen der Energiefresser in deutschen Haushalten: die Glühbirne. Sie verbraucht mehr Strom als eine Energiesparlampe, geht schneller kaputt – und trotzdem scheint sie zumindest hierzulande plötzlich jeder haben zu wollen. Damit ist Deutschland das einzige Land der EU, in dem Glühbirnen momentan reißenden Absatz finden.

Wer immer noch nicht mitbekommen hat, wie sehr man den heimischen Stromverbrauch durch den Verzicht auf Glühbirnen senken kann, der lebt wahrscheinlich abgeschieden im Wald oder in den Bergen und interessiert sich für dieses Thema ohnehin nicht – doch trotz allgegenwärtiger Predigen über die Nachteile des Klassikers wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2009 fast zehn Millionen mehr der Energiefresser verkauft als im Vorjahreszeitraum.

Während die übrigen EU-Mitgliedsstaaten scheinbar keinen Abschiedsschmerz verspüren – überall sinkt der Absatz an Glühbirnen deutlich – stürzen sich die Deutschen auf die Birnen, als wären sie lebensnotwendig. Aus welchem Grund auch immer die Glühbirne ausgerechnet hierzulande in ihren letzten Tagen noch einmal so hoch in der Gunst der Verbraucher steht, es liegt für den Handel nahe, sich den Birnen-Boom zunutze zu machen. Deshalb horten nicht nur die Endkunden, sondern auch viele Händler, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bemängelt. Ab September allerdings ist der Verkauf von Birnen mit mehr als 75 Watt verboten. Wer dennoch von der hohen Nachfrage profitert, muss mit Strafen rechnen.

Die Abschaffung von 100-Watt-Glübirnen sowie allen matten Birnen zum 1. September 2009 ist die erste Stufe auf dem dreijährigen Weg zu einem glühbirnenfreien Europa. Im Herbst 2010 müssen die 75-Watt-Birnen das Zeitliche segnen, 2011 ist Schluss für 60-Watt-Leistung, und ab 2012 muss dann auch der größte Glühbirnen-Fan auf Energiesparlampen umsteigen. Bis dahin hätte er allerdings schon gut und gerne einen dreistelligen Betrag sparen können – manchmal ist eine frühere Trennung eben besser.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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9 Kommentare zu Der Run auf die Glühbirne – Absatz in Deutschland steigt

  1. Renate sagt:

    Ich bin ein bisschen pessimistisch, aber mal sehen wir am 1.September!

  2. 10.000 Euro an Stromkosten wurden beim Einsatz von 474 Energiesparlampen bei 19 verschiedenen Projekten im ersten Jahr der Anwendung bereits eingespart.
    Der Bericht dazu ist ersichtlich auf meinem Weblog der Kleinen Zeitung unter:

    http://meinekleine.kleinezeitung.at/999999/stories/350845/

  3. Herzlich willkommen zur weltweit ersten, öffentlich einsehbaren Stromverbrauchsstatistik eines Privathaushaltes.

    Da es immer wieder Diskussionen und Meinungen über den Stromverbrauch bzw. über die Stromkosten eines Privat-Haushaltes gibt, habe ich mich entschlossen, meine aktuellen Daten jeweils zu Monatsanfang auf meinem Weblog der Kleinen Zeitung zu veröffentlichen.

    http://meinekleine.kleinezeitung.at/999999/stories/369485/

    ps. Der einfachste Weg, seine Stromkosten niedrig zu halten, ist ein effizienter (sparsamer) Umgang mit der elektrischen Energie.
    Der Einsatz von Energiesaprlampen sollte darin enthalten sein.

  4. Primera sagt:

    Es ist eben eine Frage der Lebenskultur. Ich habe keine Lust, den Abend im Schein flimmeriger Energiesparlampen zu verbringen. Genauso wenig sinnvoll ist es, in meinem Haus die vielen durch Bewegungsmelder gesteuerten Lampen (Bad, Flur, Garage, Garten) mit Energiesparlampen zu bestücken. Die sind im Einschaltmoment nämlich richtige Stromfresser, bis sie volles Licht haben, bin ich aus dem Raum schon wieder raus und die vielen Einschaltvorgänge lassen die Lampe herstellerfreundlich früh ableben.

    Schaut man sich die Energiebilanz unseres Landes einmal an, so stellt man fest, dass Glühlampen nur ein Bruchteil des Verbrauches ausmachen. Hier haben die Schwachmaten aus Brüssel wieder mal puren Aktionismus gezeigt. Wem der liebe Gott ein Amt gibt, dem nimmt er das Hirn…

  5. Knut Jäke sagt:

    Was ist eigentlich mit den Lampen für Kühlschrank und Ofen? Für diese Geräte kann man ja schlecht Energiesparlampen nutzen.

  6. Pingback: » Lichterreigen, Energieerzeugung und Klimawandel » Diätlexikon.com Diät-Blog

  7. Gor sagt:

    „2012 muss dann auch der größte Glühbirnen-Fan auf Energiesparlampen umsteigen. Bis dahin hätte er allerdings schon gut und gerne einen dreistelligen Betrag sparen können – manchmal ist eine frühere Trennung eben besser.“

    2012 wird mein Glühlampenvorrat noch nicht einmal angeknabbert sein.

    Bis zum Jahr 2012 gebe ich einen vierstelligen Betrag für Urlaubsreisen aus, vielleicht einen fünfstelligen Betrag für ein neues Auto samt Betriebskosten…. warum also sollte ich einen dreistelligen Betrag scheuen – für die gemütliche Ausleuchtung meines Hauses, in das bereits ein sechsstelliger Betrag geflossen ist???

    Die EU spinnt.

  8. Primera sagt:

    „Bis dahin hätte er allerdings schon gut und gerne einen dreistelligen Betrag sparen können – manchmal ist eine frühere Trennung eben besser.”

    Na dann mal viel Spaß dabei, die Freundin über Bord zu kippen. Wie ? Ihr liebt sie und schaut da nicht so auf das Geld ? Weil ihr euch da wohlfühlt und keine geldsparende aber hässliche Alternative wollt ?

    Seht ihr, genauso gehts mir mit der guten alten Glühlampe…

  9. Friederich sagt:

    »factum« berichtet, daß jetzt wegen des EU-Glühlampenverbots in China alte Quecksilberminen reactiviert werden — mit verheerenden Folgen für die Beteiligten:

    http://www.factum-magazin.ch/wFactum_de/aktuell/2009_09_04_Chinas_Arbeiter.php

    Überhaupt sollte man extrem aufpassen, daß so eine Sparlampe nicht zu Bruch geht. Im Gegensatz zum (verbotenen) Fieberthermometer, wo das Quecksilber perlt, diffundiert das in der Sparlampe enthaltene Quecksilber in die Umgebungsluft und kann also aufgenommen werden. Aber nirgends gibt es Verhaltensmaßregeln, was denn nun zu tun sei, wenn eine Sparlampe zerbricht.

    Für diejenigen, die diese ganze Angelegenheit trotzdem mit Humor nehmen oder einfach ihren Frust ablassen wollen:

    http://www.kerngesund.eu/index.php/cat/c180_Gluehbirnenverbot.html

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