Immer weniger neue Wohnungen: Bauverbände starten Initiative

4. September 2009 | von

Seit seinem Höhepunkt im Jahr 1995 mit knapp 540.000 fertiggestellten Wohnungen befindet sich der Wohnungsneubau auf einem stetig absteigenden Ast. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lediglich noch 152.000 neue Wohnungen errichtet – ein dramatischer Minusrekord. Auch die bereits vorliegenden Zahlen für 2009 lassen keine Trendwende erkennen – im Gegenteil. Mit einer gemeinsamen Presseerklärung fordern mehrere Bauverbände ein Umdenken in der Wohnungsbaupolitik und warnen vor einer Wohnungsnot.

Nach flammenden Appellen des Mieterbundes und Initiativen einzelner Städte für mehr Wohnungsbau fordern nun auch mehrere Bauverbände eine Richtungsänderung bei der Wohnungsbauförderung, schließlich klagen Städte wie München, Hamburg und Düsseldorf schön länger über knappen Wohnraum und hohe Mieten. Die gemeinsam vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Zentralverband des Baugewerbes (ZDB) und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gestartete „Initiative Wohnungsbau in Deutschland“ soll nun den Startschuss für eine Trendwende beim Wohnungsbau geben.

Um weitere Wohnungsengpässe insbesondere in Ballungszentren zu vermeiden, ist nach Ansicht des HDB-Präsidenten Herbert Bodner „in der nächsten Legislaturperiode eine Neuausrichtung der Wohnungsbauförderung“ notwendig. „Neben die erfolgreiche Förderung der Wohnungsmodernisierung muss künftig auch die Förderung des Abrisses und Neubaus von Ersatzwohnungen treten“, so Bodner weiter.
Gründe für den nachlassenden Wohnungsneubau sehen die Bauverbände vor allem im Rückzug des Staates aus der steuerlichen Förderung des Mietwohnungsbaus. So hat das Streichen der Eigenheimzulage und die Erhöhung der Umsatzsteuer die Talfahrt beschleunigt, wie ZDB-Präsident Hans-Hartwig Loewenstein betonte.

In die Kerbe der mangelnden finanziellen Attraktivität schlägt auch IG BAU-Vorsitzender Klaus Wiesehügel: „Im Mietwohnungsbau sind angesichts schwacher Renditen höhere Abschreibungssätze erforderlich. Mit dem Neubau von Mehrfamilienhäusern ist eine mit anderen Anlageformen vergleichbare Rendite nicht zu realisieren“. Er fordert deshalb eine Verdopplung des Abschreibungssatzes „in den ersten Jahren von derzeit 2 auf 4 Prozent“. Auch weitere KfW-Förderprogramme für Sanierung, Neubau und altersgerechte Wohnungen könnten für eine Trendwende sorgen.


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