Wenn der Vermieter nicht zahlt, hat der Mieter keinen Strom

5. September 2009 | von

Wer brav seine Rechnung für Strom und Gas begleicht und die Vorauszahlungen leistet, der darf auch verlangen, dass ihm immer genug Strom und Gas zur Verfügung steht – irgendwie. Irgendwie aber auch wieder nicht. Wenn der Mieter nämlich an den Vermieter zahlt, der wiederum aber nicht an den Versorger, hat der Mieter das Nachsehen, wie das Landgericht Saarbrücken entschied.

In dem aktuellen Fall wollte ein Mieter eine einstweilige Verfügung durchsetzen: Das Energieunternehmen, das die Versorgung eingestellt hatte, sollte verpflichtet werden, die Wohnung des Mieters weiterhin mit Energie zu beliefern – immerhin hatte er dafür bezahlt. Der Energieversorger hingegen weigerte sich, denn bei ihm waren die Zahlungen nie angekommen.

Wo ist es denn nun, das liebe Geld? Irgendwie muss es auf halbem Weg zwischen Mieter und Energieversorger steckengeblieben sein – und zwar beim Vermieter. Dieser hatte nämlich den Vertrag mit dem Energieunternehmen und stellte seinem Mieter die Kosten in Rechnung. Das Geld bekam er zwar, behielt es aber – worauf dem Mieter schließlich der Strom abgestellt wurde. Die Reaktion ist von beiden Seiten nachvollziehbar: Einer besteht auf der Leistung, für die er gezahlt hat, einer will keine Leistung erbringen, ohne Geld dafür zu bekommen.

Keine endgültige Lösung für diese vertrackte Situation, aber eine Entscheidung bezüglich des Antrags auf einstweilige Verfügung gab es jetzt vom Landgericht Saarbrücken: Da der Mieter und der Energieversorger in keinem Vertragsverhältnis stehen, hat der Mieter auch keinen Anspruch auf Leistungen. Somit gebe es für eine einstweilige Verfügung keine rechtliche Grundlage. Die vielleicht einzige Möglichkeit: Der Mieter muss mit dem Unternehmen selbst einen Vertrag abschließen, was wohl von Anfang an die beste Idee gewesen wäre.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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2 Kommentare zu Wenn der Vermieter nicht zahlt, hat der Mieter keinen Strom

  1. Immo Spanien sagt:

    Kann man mal wieder sehen – wie weltfremd Gerichte urteilen.
    Der einzelne Bürger muss für alles den Arsch hinhalten – die grossen stellen einfach ab.

  2. U.Krause sagt:

    Bei solchen Nachrichten kann ich wiederum nur sagen:

    Wohl dem, der sich bei solchen Hausherren beizeiten die Sparsamkeit hat angedeihen lassen, auf dass er in den eigenen vier Wänden wohnen darf. Ich selbst habe vor Jahresfrist gebaut und – der Tatsache eingedenk, um wievieles entspannter sich mein Leben nun gestaltet – denke ich lediglich: Hätte ich es bloß schon früher getan.

    Beste Grüße
    U. Krause

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