Ungültige Baugenehmigung: Baustopp für E.ON-Kraftwerk

7. September 2009 | von

Immer lauter werden die Stimmen, die mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt fordern, immer mehr Menschen kehren den großen Versorgern den Rücken und wechseln. Davon ist auch e.on betroffen, doch der Konzern hat im Moment noch ein ganz anderes Problem: In Nordrhein-Westfalen könnte ein bereits im Bau befindliches Kohlekraftwerk demnächst wieder abgerissen werden – denn die Baugenehmigung fehlt.

Im nordrhein-westfälischen Datteln baut e.on ein riesiges Kraftwerk für 1,2 Milliarden Euro, weit über 1000 Menschen arbeiten jeden Tag an dem Mammutprojekt, das im Jahr 2011 in Betrieb genommen werden soll – so weit der Plan des Energiekonzerns. Doch jetzt droht die Katastrophe: Ein Baustopp steht an, möglicherweise muss sogar alles wieder abgerissen werden.

Wie das Oberverwaltungsgericht Münster in der vergangenen Woche festgestellt hatte, seien Kühlturm und Kessel zu nah an einer Wohnsiedlung errichtet worden. Das Projekt verstoße gegen die nordrhein-westfälische Landesplanung, und es läge keine gültige Baugenehmigung vor. Heute will der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) den sofortigen Baustopp beantragen. Wenn es ganz hart für e.on kommt, muss der Konzern die bereits fertigen Rohbauten abreißen und das Grundstück renaturieren. Doch selbst wenn es nicht zum Abriss kommt, so wird sich zumindest die Inbetriebnahme deutlich verzögern – sollte e.on vor Gericht gehen und dort Erfolg haben, wird es dennoch Monate oder gar Jahre dauern, bis die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden können.

Vielleicht ist e.on nicht der einzige Leidtragende in der Geschichte – auch die Stadt Datteln könnte Ärger bekommen, denn sie ist nicht ganz unschuldig an der ungültigen Baugenehmigung. Ein Standort für das Kraftwerk war nämlich genehmigt, doch der Platz schien nicht zu reichen. Also genehmigte die Stadt eben einmal die Entfernung einiger störender Bäume und die Errichtung des Kohlekessels an dieser Stelle. Wenn e.on zu dem Schluss kommen sollte, dass eigentlich die Stadt an der ganzen Misere schuld ist und für den Schaden haften soll, könnte es für das 36.000 Einwohner-Örtchen unangenehm werden.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Bauen, News abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.