Verstaatlichte Hypo Real Estate: Herausgedrängte Aktionäre wollen klagen

7. Oktober 2009 | von

Vor knapp einem Jahr kannte kaum jemand den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Wenn überhaupt, dann galt er als Geheimtipp an der Börse. Seit Beginn der Finanzkrise vergeht dagegen kaum ein Tag ohne neue Nachrichten der krisengeplagten Bank. Am Montag hat der Bund die HRE komplett verstaatlicht, wogegen die letzten verbliebenen Aktionäre nun klagen wollen.

Die Schlingerfahrt der als systemrelevant eingestuften Hypo Real Estate von Fast-Kollaps über Milliardenhilfen bis zu eigens erschaffenen Gesetzen hat auf der anberaumten und turbulent verlaufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montag ein vorläufiges Ende gefunden. Mit seiner Stimmenmehrheit hat der Bund den Antrag zur Verstaatlichung und den Squeeze-Out der noch verbliebenen Aktionäre angenommen. 94% der Anwesenden stimmten für die Verstaatlichung, es kam zu Protesten der Kleinanleger.

Die aus dem Unternehmen gedrängten Aktionäre wollen nun dagegen vor Gericht ziehen. Ihr Unmut bezieht sich vor allem auf die 1,30 Euro je Aktie, die als Entschädigung gezahlt werden sollen. Für viele der Spekulanten ist dieser Preis ein herber Verlust. Zu Hochzeiten notierte das HRE-Wertpapier bei über 35 Euro, ehe es im Zuge der Finanzkrise und der Unternehmensschieflage auf weniger als einen Euro abrutschte.

Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin begründet die 100%ige Übernahme der HRE mit rechtlichen Unwägbarkeiten. So hätten die restlichen Aktionäre Anfechtungs- und Nichtigkeitsklagen gegen Sanierungsschritte einleiten können, was eine kurzfristige Sanierung des Unternehmens erschweren würde. Genau diese wird aber angestrebt. Ziel sei nach Aussage des SoFFin „eine reibungslose und zügige Restrukturierung der HRE“. Erste Schritte sind nun die Eintragung der Übernahme im Handelsregister sowie die Herausnahme der Bank aus dem Börsenhandel.


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2 Kommentare zu Verstaatlichte Hypo Real Estate: Herausgedrängte Aktionäre wollen klagen

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  2. ulrich melcher sagt:

    Die Aktionäre sollten mal darüber nachdenken, daß bei einem ” Nichteingreifen ” des Bundes alles weg gewesen wäre.
    Und sie sollten froh sein, daß sie als Aktionäre nicht am Verlust teilnehmen müssen.

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