Kein Auszug bei Mord

13. Oktober 2009 | von

In einer Wohnung zu leben, die einmal der Tatort eines brutalen Verbrechens war, ist sicher nicht jedermans Vorstellung vom trauten Heim: Wenn schon Mord, dann doch bitte im TV und nicht im eigenen Bad. Dennoch rechtfertigt ein früherer Mord in der Wohnung nicht die Kündigung des Mietvertrages, wie das Amtsgericht München entschied.

In der Vorgeschichte der Entscheidung unterzeichneten die später Beklagten im August 2003 einen auf drei Jahre befristeten Mietvertrag mit der Klägerin für die Hälfte eines Doppelhauses in München-Pullach zum Preis von 1.750 € monatlich. Nicht inbegriffen war da wohl auch die Information, dass sich zwei Jahre vorher an gleicher Stelle ein Verbrechen ereignete, welches als „Pullacher Hammermord“ durch die Gazetten ging – der damalige Mieter hatte dem Leben seiner Frau mit dem Schlaginstrument ein jähes Ende bereitet.

Die neuen Mieter waren über das blutige Geschehen im Mietshaus dagegen nicht im Bilde – bis zum Tag nach ihrem Einzug. Einen weiteren Tag später, inzwischen über die Vergangenheit des Hauses informiert, wurde der Mietvertag von den Mietern angefochten und fristlos gekündigt, da sie weder im Vorfeld der Vertragsunterschrift über den Mord informiert wurden noch ihnen zuzumuten sei, am Ort des Verbrechens zu wohnen.

Da die Mieter nun konsequenterweise nicht in das Haus einzogen und den Schlüssel an die Vermieterin zurückgaben, forderte diese ihrerseits die Miete für drei Monate sowie einen Schadensersatz von 280 Euro für Januar 2004, da sie zu diesem Zeitpunkt das Haus weitervermietet hatte – nur eben für 280 Euro weniger Miete.

In der Folge schaukelte sich der Fall hoch. Die Mieter zahlten nicht, der Fall landete in der Folge vor dem Amtsgericht München. Dort wollte die Vermieterin zudem auch den zukünftig entstehenden Schaden durch den nicht durchgeführten Mietvertrag einklagen. Dies wiederum animierte die Kläger dazu, eine Widerklage über 15.000 Euro einzureichen. Als Begründung führten die Mieter Maklercourtage, Umzugs- und Möbeleinlagerungskosten, Handwerkerkosten sowie Kosten für eine Ersatzunterkunft ins Feld.

Die Richter gaben allerdings der Vermieterin recht und wiesen die Widerklage ab. Ein Mordfall sei kein Grund für eine fristlose Kündigung, zudem müsse auch die Vorgeschichte der Wohnung nicht zur Sprache kommen, da „persönliche Befindlichkeiten“ wie der Bewertung einer Bluttat der rechtlichen Bewertung nicht zugänglich seien – schließlich lässt sich nicht jeder von einem Mord beeinträchtigen. Das Urteil ist seit 2004 rechtskräftig.

Aktenzeichen: 452 C 33861/03


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Rechtliches abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Kein Auszug bei Mord

  1. Pingback: Tweets die Immobilien-News und Info - immobilo.de » Blog Archive » Kein Auszug bei Mord erwähnt -- Topsy.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.