Wenn das Stromnetz intelligent wird

1. Januar 2010 | von

Deutschlands Strommarkt ist gekennzeichnet von Intransparenz und oligopolen Märkten. Zudem ist er scheinbar einer der wenigen Märkte, in denen die Konkurrenz nicht das Geschäft belebt – noch nicht. Helfen sollen sogenannte Smart Grids – intelligente Stromnetze.

Wie viel verbraucht die Waschmaschine wirklich? Was kostet es, Elektrogeräte auf Standby zu lassen? Alle Anbieter von elektronischen Geräten haben den Strombedarf in der Bedienungsanleitung aufgelistet – Vertrauen ist gut, Kontrolle dennoch besser. So wird es in Zukunft möglich sein, den eigenen Stromverbrauch genau zu analysieren. Ein Einbau digitaler Stromzähler ist bei Neubauten und Modernisierungen nämlich ab kommendem Jahr Pflicht. Diese „smart meter“ machen es möglich, den Stromverbrauch sekundengenau zu bestimmen und auf die einzelnen Geräte zu verteilen. Das dadurch aufkommende Kostenbewusstsein kann beim Verbraucher die Sparmotivation stark beeinflussen – so könnten Schätzungen zu Folge 10 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs eingespart werden. Die neugewonnene Transparenz wird jedoch von Datenschützern kritisiert, da die Energieversorger Nutzungsprofile ihrer Kunden erstellen können.

Was für uns Deutsche noch wie ein Blick in die Zukunft aussieht, ist für die Italiener bereits Realität. Zurückzuführen ist die Vorreiterrolle des sonst nicht für technische Innovationen und Pedanz bekannten Landes jedoch nicht auf eine plötzlich von Temperament auf Sparsamkeit umgestellte Bevölkerung, sondern hat vielmehr damit zu tun, dem Stromklau ein Ende zu setzen und Zahlungsverweigerern so den Hahn abdrehen zu können. Auch die USA hat vor, mehr als 3 Milliarden Dollar des Konjunkturpakets in die inländische Erneuerung der Stromnetze zu stecken.

Doch zurück zu Deutschland. Die Voraussetzungen für die smart grids müssen hier erst noch geschaffen werden. Erst mit einer kompletten Modernisierung der Strominfrastruktur ist man für die kommenden Herausforderungen gewappnet. Trotz der nötigen Investitionen sehen die Versorger in diesem Bereich großes Potenzial und rechnen sich natürlich auch beträchtliche Gewinne aus. Siemens, seines Zeichens Marktführer in diesem Bereich dank reichhaltigem Angebot an Stromzähler, Datenmanagement und Informationstechnik, erhofft sich einen Umsatz von über 6 Milliarden Euro in den nächsten 5 Jahren.

Die neue Transparenz der Strommärkte schafft Unabhängigkeit in Städten und Gemeinden. So rücken auch die Ziele der Klimaschutzdebatte näher und veranlassen die intensive Nutzung von regenerativen Energien. Bis 2020 sollen in Deutschland 30 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen und so den Kohlenstoffdioxidausstoß um 20 Prozent vermindern.


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3 Kommentare zu Wenn das Stromnetz intelligent wird

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  2. Michael sagt:

    Sehr interessant,

    einer meiner Vorsätze dieses Jahr war, mehr Strom zu sparen.
    Den ersten Schritt hatte ich bereits gemacht und zu Teldafax gewechsel (soll keine Werbung sein).
    Er war damals der günstigste, hat jetzt aber auch die Preise erhöht.

    Jedes Jahr wechseln will ich aber auch nicht.

    Also ist die oben genannte Alternative perfekt!

    Danke für den Beitrag!

    M.

  3. wvs sagt:

    Bedauerlicherweise unterschlägt dieser Beitrag zwei wesentliche Faktoren, die zusammen mit der (nur vermeintlichen) Spar-Technologie kommen:
    Es werden über bisher nicht erhobene Daten Archive angefertigt, es muß ein ständiger Kontakt zwischen Zähler und Kontrollstelle vorhanden sein;
    die Zähler werden nicht von den Strom-Gesellschaften bezahlt – sondern von den Kunden: Zwangsweise!

    Was außerdem völlig außer Acht gelassen wird:
    Durch die Hin- und Rückmeldung der Daten lassen sich Rückschlüsse über die Bewohner und ihre Aktivitäten herstellen, Aktionsmuster und „Standard“-Muster lassen sich vergleichen, der Aufenthaltsort der Bewohner innerhalb eines Hauses kann – nach einer Test-Phase – metergenau (!) bestimmt werden ….

    Was also wie „Ersparnis“ aussieht ist lediglich eine Methode der Gesellschaften ihre Stromerzeugung zu optimieren und die Verbraucher dazu zu bewegen in ‚lastarme‘ Zeiten auszuweichen – und das auf Kosten der Verbraucher, die dafür in der Regel auch noch höhere Strompreise in 2010 zahlen dürfen.

    Es wird ja auch kein Strom „gespart“ – der Verbrauch nimmt durch diese Zähler ja nicht plötzlich ab – es ist wie bei anderen Einkäufen: Sparen Sie jetzt € 100,- (aber nur, wenn sie dafür € 200,- für ein Produkt ausgben).

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