Kampf gegen Mietnomaden: Vermieter wollen strengere Gesetze

12. Januar 2010 | von

Mieter, die gar nicht erst vorhaben, die fällige Miete für eine Wohnung zu zahlen, sind für Vermieter nicht nur ein echtes Ärgernis, sondern zum Teil ein existenzbedrohendes Problem. Bisher gab es zwar durchaus Handhaben gegen die sogenannten Mietnomaden, doch bis der Mietpreller tatsächlich die Wohnung räumte, konnten Jahre vergehen. Die Ankündigung der Bundesregierung, den Kampf gegen Mietnomaden in Zukunft vereinfachen zu wollen, hat der Hauseigentümerverband „Haus & Grund“ zum Anlass genommen, einige Forderungen aufzustellen. Kernpunkt: Strengere Gesetze.

25.000 Euro – auf diesen Betrag beziffert „Haus & Grund“ den durchschnittlich verursachten Schaden eines Mietnomaden. Zusammen mit den anfallenden Kosten für Gerichtsprozesse, Räumung und der durch eine oft völlig verdreckte Wohnung notwendigen Sanierung belaufen sich die Kosten im Schnitt sogar auf 30.000 Euro. Kosten, die sich eine Wohnungsgenossenschaft vielleicht noch leisten kann, für viele Privatvermieter aber oft den finanziellen Ruin bedeutet. Bei von „Haus & Grund geschätzten 15.000 Mietnomaden in Deutschland – einer Zahl, die vom Deutschen Mieterbund (DMB) und Deutschen Mietgerichtstag massiv angezweifelt und auf rund 1.000 geschätzt wird – summiert sich der jähliche Gesamtschaden auf 400 Millionen Euro.

Um dem Problem Herr zu werden, fordert der Hauseigentümerverband nun strengere Gesetze und schneller Räumung. „Diese Mietnomaden drehen Rechtsstaat und Vermietern eine lange Nase. Die Koalition muss ihnen das Handwerk legen“, umreisst Haus & Grund-Generalsekretär Andreas Stücke sein Ansinnen. Eine Gesetzesänderung soll dazu führen, dass säumige Mieter bereits nach zwei Monaten die fällige Miete bei einem Gericht hinterlegen müssen und nach weiteren zwei Monaten per Einstweiliger Verfügung aus der Wohnung geklagt werden können. Haus & Grund verspricht sich dadurch verkürzte Räumungsfristen. Statt bisher durchschnittlich 21 Monate soll es zukünftig nur noch 9 Monate dauern, bis der Mietnomade die Wohnung verlassen muss.

Nach Ansicht des Deutschen Mieterbundes (DMB) ist der offensive Kampf der Vermieterlobby gegen Mietnomaden der Versuch, das soziale Mietrecht zu ändern, da diese bei insgesamt circa 20 Millionen Mietverhältnissen in Deutschland einen Anteil von 0,05 Promille ausmachen – und somit Einzelfälle sind. Für betroffene Vermieter ist das allerdings kein wirkliches Trostpflaster. Bis tatsächlich neue Gesetze einen besseren Schutz bieten, hilft nur das genaue Überprüfen der Mieter. Dabei sollten sich Vermieter aber nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen, denn Mietnomanden lassen sich ihr Knausertum nicht ansehen. Stattdessen tragen sie gute Kleidung, fahren große Autos und interessieren sich für chice Wohnungen. Relativ sicher können Vermieter nur sein, wenn eine Mietschuldenfreiheitsbestätigung des Vorvermieters vorliegt, die Schufa-Selbstauskunft möglichst keine Einträge enthält und der Mieter eine Kaution hinterlegt.


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