Weniger Bausparer 2009: Branche hofft auf die Politik

8. Februar 2010 | von

Für die privaten Bausparkassen war 2009 kein besonders gutes Jahr. Die Zahl der neu abgeschlossenen Bausparverträge sank im Vergleich zu Rekordjahr 2008 um über 10 Prozent. Bürokratische Hürden und Zukunftsängste sind nach Ansicht der Kassen für Zurückhaltung verantwortlich. Die Branche fordert nun die Politik auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

„Schaffe, schaffe, Häusle baue und net nach schöne Mädle schaue“ – nicht mal mehr in Schwaben scheint dieses Motto zu gelten, wie die Zahlen der Bausparkasse Schwäbisch Hall deutlich machen. Der Marktführer musste 2009 bei neu abgeschlossenen Verträgen ein Minus von 21,2 Prozent hinnehmen. Während 2008 noch Bausparverträge im Volumen von 32 Milliarden Euro verkauft wurden, waren es ein Jahr später 801.000 Bausparverträge mit einem Volumen von 25,2 Milliarden Euro. Relativiert wird das Minus allerdings von der Tatsache, dass 2008 ein wahres Rekordjahr für den Branchenprimus darstellte. „Getrieben war der starke Zuwachs seinerzeit vor allem durch Vorzieheffekte, die durch eine strengere Zweckbindung der Wohnungsbauprämie ausgelöst wurden“, erläuterte der Schwäbisch Hall-Vorstandsvorsitzende Dr. Matthias Metz. Zahlreiche Kunden hätten daher ihren Vertragsabschluss vorgezogen, um sich bis zum Stichtag 1.1.2009 die alte volle Flexibilität zu sichern. Zudem sei eine Delle nach einem solchen Rekordjahr nichts ungewöhnliches, versuchte Metz der Situation etwas Positives abzugewinnen.

Die gleichen Effekte machten der gesamten Branche zu schaffen, wenn auch nicht ganz so stark wie bei Schwäbisch-Hall. So betrug der Rückgang im Neugeschäft im vergangenen Jahr 15,6 Prozent in der Stückzahl und 10,9 Prozent bei der Bausparsumme. Insgesamt wurden noch 2 Millionen Bausparverträge mit einer Bausparsumme von 56 Milliarden Euro abgeschlossen – nach 2,4 Millionen Verträgen mit 62,8 Milliarden Volumen im Vorjahr. Verglichen mit den letzten 10 Jahren können die Bausparkassen immerhin noch von einem durchschnittlichen Ergebnis sprechen.

Auch der Spargeldeingang stimmt die Kassen optimistisch. Hier wurde mit rund 16,3 Milliarden Euro 5,2 Prozent mehr eingezahlt als im vergangenen Jahr. Hier profitiert der Bausparvertrag von seinem guten Ruf als äußerst solide Art der Immobilienfinanzierung.

Jobangst verhindert Hausbau

Wenig überraschend spielt nach Ansicht des Verbandes der Privaten Bausparkassen auch die Finanz- und Wirtschaftskrise eine entscheidende Rolle bei der Bauzurückhaltung. „Wer Angst um seinen Arbeitsplatz oder sein Einkommen hat, wartet lieber erst mal ab, bevor er langfristig Geld spart oder investiert“ erklärte dazu der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder, die Zurückhaltung bei den Kunden. Darunter würden auch die Baugeldauszahlungen leiden, die von fast 31 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf rund 25 Milliarden Euro sanken.

Politik gefordert

Hoffnungen auf eine künftige positivere Entwicklung setzt die Bausparzunft auf die Sanierung bestehender Wohnungen und die Wohn-Riester-Regelungen. Zwar wurden im vergangenen Jahr rund 160.000 Wohn-Riester-Verträge unterzeichnet, die Bausparkassen sehen aber noch Optimierungsbedarf. „Die Eigenheimrente läuft; sie könnte in Zukunft aber noch besser laufen, wenn die Politik der Koalitionsvereinbarung Taten folgen lässt und bürokratische Fesseln entfallen“ so Zehnder zu den Problemen bei der neuen Hausbauförderung. So gehe es bei der Eigenheimrente um Altersvorsorge, der altersgerechte Umbau von Wohnraum sei jedoch aus der Förderung ausgeschlossen.

Auch bei der energetischen Sanierung von Bestandsimmobilien sieht die Branche angesichts von 20 Millionen Wohnungen, die älter als 30 Jahre sind, ein großes Zukunftspotential.


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2 Kommentare zu Weniger Bausparer 2009: Branche hofft auf die Politik

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