Hausverlosung: Münchener des 18.294fachen Betruges angeklagt

16. März 2010 | von

Die Idee war simpel und erfolgversprechend: Weil ein Vorort-Münchener sein Haus nicht für den avisierten Preis verkaufen konnte, wollte er es im Intenet verlosen. Die Behörden verboten die als Wissensquiz deklarierte Aktion. Nun steht der 53-jährige Volker Stiny wegen 18.294fachen Betruges vor Gericht.

Es hätte so schön laufen können. 48.000 Menschen kaufen für den überschaubaren Einsatz von je 19 Euro die Teilnahme an einem Quiz und am Ende hätte es praktisch nur Gewinner gegeben: Derjenige, der für 19 Euro ein Haus gewinnt, 99 weitere, die Sachpreise gewinnen und natürlich der Hausherr, der für seine zuvor erfolglos angebotene Immobilie in Baldham bei München statt des geschätzten Wertes von 570.000 Euro sogar 912.000 Euro einnimmt – abzüglich der Kosten für die Sachpreise.

Doch die mittelfränksichen Behörden machten ihm einen Strich durch die Rechnung: Sie verwiesen auf das staatliche Glückspielmonopol und untersagten Stiny das „Geschicklichkeitsspiel“.

Stinys Argumentation zufolge handele es sich um einen nicht genehmigungspflichtigen Wissenstest und nicht um ein Glücksspiel. Tatsächlich sollte das Haus nicht direkt verlost werden. Zuerst mussten die Teilnehmer ein aus 15 Fragen bestehendes Quiz überstehen, bevor unter den übriggebliebenen 100 Personen die Preise verteilt werden. Es sei ein „Turnierspiel“ mit einer sich anschließenden, „ geschlossenen Tombola“ – für die man sich aber gar nicht anmelden konnte, wie der Angeklagte vor Gericht zu Protokoll gab. Dort sitzt er nun, weil ihm die Staatsanwaltschaft 18.294fachen Betrug vorwirft – wegen der Versicherung des Angeklagten, dass sein Wissensquiz legal sei, obwohl die Behörden längst Bedenken bezüglich der Rechtmäßigkeit angemeldet hatten. Der Angeklagte widerspricht: Er hätte die zuständigen Behörden kontaktiert, aber keine verbindliche Antwort erhalten – und so setzte er die Aktion fort.

Bis zum Verbot der Aktion vor knapp einem Jahr verkaufte der Geschäftsmann 18.294 Lose an insgesamt rund 16.000 Interessenten und generierte damit 405.004 Euro Einnahmen. Bisher wurden aber weder die versprochenen Gewinne verteilt noch die Einsätze zurückgezahlt – was sich allerdings auch schwierig gestalte, denn das Konto sei gesperrt.


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5 Kommentare zu Hausverlosung: Münchener des 18.294fachen Betruges angeklagt

  1. Larissa sagt:

    RESPEKT! WIR HALTEN ZU IHM UND HOFFEN, DAS DIE STASI ANWALTSCHAFT EINEN RÜFFEL BEKOMMT, ABER LEIDER IM DEUTSCHEN REICH NICHT ZU ERWARTEN! Gesehen auch Immobiliengewinnspiel24.com

  2. Baldham-Teilnehmer sagt:

    Zum Thema Betrüger kann sich jeder sein eigenes Bild machen:
    So eine Veranstaltung setzt voraus, daß sich insbesondere der Veranstalter fair verhält.
    Und das tut Hr. Stiny definitiv nicht!
    Beweis:
    Seine angepassten Teilnahmebedingungen vom Juni 2009 besagen, daß 90 Tage Teilnehmer angenommen werden. Wird in der Zeit die Zahl von 48000 nicht erreicht, dann besteht EINE Verlängerungsoption von 60 Tagen. Dann sind in jedem Fall binnen 1 Monats die Finalteilnehmer zu ermitteln. So seine Teilnahmebedingungen. Auch wenn die Zahl von 48000 Teilnahmen immer noch nicht erreicht ist. Er hat dann die Ausspielung der Finalteilnehmer durchzuführen. Seine Chance bei seiner Vermarktungsmethode ist, mehr zu erzielen, als der Markt hergibt. Sein Risiko ist, weniger zu erzielen, wenn die Teilnahmezahlen in der Zeit nicht erreicht werden.
    Aber das Risiko umgeht er. Durch extreme Unfairness.
    Wie die aussieht?
    Indem er am 17. Februar 2010 die Teilnahmebedingungen geändert hat. Die Verlängerungsoption wurde gelöscht. Durch eine Klausel, die ihm jederzeit einräumt zu verlängern, wie er will.
    Nachträgliche Risikominimierung. Freundlich ausgedrückt. Auf die ganz linke Tour. Nicht mehr ganz so freundlich ausgedrückt.
    Wie man es nennt und wie man jemanden nennt, der so handelt?
    Entscheiden Sie selbst.

    Pfui, Herr Stiny. Sie haben Ihre Vermarktungsmethode selbst verraten und in den Dreck gezogen!

  3. MoritzWE sagt:

    Ja – wir halten zu ihm – hoffentlich bekommen Behörden und Staatsanwaltschaft mal so richtig eins vor den Bug.
    Die machen was sie wollen – legen aus wie sie wollen und der “kleine Mann”, der sich nicht wehren kann, zieht immer den Kürzeren.
    Vielleicht sorgt jetzt ein Richter mal für Recht!!
    Herr Stiny ist ganz deutlich auf der rechtlich korrekten Seite – man muss sich nur mal alle Info`s ( FAZ v. 29.01.09, Merkur v. 15.02 u. 24.02.09, Die Welt 20.03.09, Der Michel v. 23.02.09, den GlüStv, Blog RA Arendts, Blog winyourhome, NJW aktuell- Dr. Hambach, 123recht usw, uws) ansehen
    Übrigens:
    Er konnte bislang nicht ausspielen, weil ihm die Behörden und die Staatsanwaltschaft diese Schwierigkeiten bereitet haben -also kann man ihm nicht vorwerfen, dass das Spiel so lange dauert.
    Hätten die Behörden und die Staatsanwaltschaft die Bevölkerung nicht so verunsichert, wäre die Gesamtzahl der Teilnehmer bestimmt schon zusammen gekommen.
    Was die da veranstaltet haben nenne ich schon Rufschädigung.
    Aber ich bin überzeugt: Herr Stiny schafft das und dann wird er ausspielen.

  4. MoritzWE sagt:

    Neuigkeiten aus dem Gerichtsaal:
    Der ganze Humbug um das Spiel war nur politisch gesteuert. Herr Stiny hat sich völlig korrekt verhalten – nun ist es klar. Im Prozess konnte es jeder deutlich hören:
    Der damalige Behördenmitarbeiter Voigt hat bestätigt, daß das Spiel nie geprüft worden ist, sondern einfach nur aus politischen Gründen aus dem Internet verschwinden sollte. Er hat auch bestätigt, wie intensiv und gut sich Herr Stiny mit dem Thema auseinander gesetzt hat, damit alles korrekt läuft und wie sehr er sich bemüht hatte, die Behörden hinzuzuziehen. Auch ein Herr Fischer von der Behörde hat zu Protokoll gegeben, dass das Spiel nie geprüft wurde und nur aus politischen Gründen verschwinden sollte. Die Staatsanwältin kam auch nicht mit ihrem Versuch durch, aus dem Spiel ein gewerbliches Spiel zu machen. Die Rechtsanwälte haben bestätigt, das es niemals ein Spiel nach GlüStV und RStV
    Jetzt frage ich mich: Wo sind die Medienberichte?
    Also Leute: Erzählt es jedem weiter – ich war dabei – seht zu, dass es jeder erfährt – so können wir uns von den Behörden nicht behandeln lassen – wenn das einem passiert – dann passiert es auch andern: Grundlos vor Gericht gezogen – politische Gründe, um einen rechtmäßigen Bürger in den Ruin zu treiben….
    Macht es bekannt: V.Stiny ist völlig korrekt und ehrlich – sein Hausgewinnspiel ist rechtmäßig !!!
    Einer für uns – alle für einen !!!!!

  5. Herr Peter sagt:

    Wo soll der Betrug sein, den Herr Stiny verursacht haben soll ? Dass er etwas versucht, was so vor ihm noch keiner mutig versucht hat. Leider leben wir unter Menschen, die lieber mit dem strafrechtlichen Finger auf Jemanden zeigen, anstatt sich echte Gedanken zu einer Sache zu machen. Wer die letzten Prozesstage in München aufmerksam verfolgt ( und verstanden hat ) wird deutlich die Ausagen der Behördenzeugen vernommen haben.
    Diese haben vor dem Gericht bekundet, dass sie gar nicht den Spielablauf von Herrn Stiny geprüft hatten. Es gab eine Order von oben – das Spiel muss am besten mit Internetseite weg von der Internetoberfläche. Beide Zeugen haben damit bekundet, dass es Ihnen gar nicht an einer fairen Sachverhaltsprüfung durch die Behörde gelegen war. Ob bereits da die lange Hand der Justiz vertreten durch die Staatsanwaltschaft ihre Finger mit drin hatte, konnte das Gericht nicht klären – wollen. Bei dem Prozess geht es nicht nur um 19 Euro – mal zufriedene Teilnehmer – abzüglich Unzufriedene. Es geht um den Versuch in einer erfrorenen Immobilienstimmung durch die Wirtschaftskrise kreative Möglichkeiten gangbar zu machen, sodass Immobilieneigentümer nicht gezwungen werden, Häuser und Wohnungen unter Wert verkaufen zu müssen. Herr Stiny hat mit einer Immobilie angefangen. Andere sind diesem Weg mutig gefolgt. Zwischen Immobilienkauf und Verkauf steht die Zunft der Makler. Die können aber auch nicht zaubern und Finanzierungen für Kaufinteressierte aus dem Hut ziehen. Aber sie sollen auch nicht die Verkäufer unter Druck setzen und Werte vernichten. Für viele sind die Werte der eigenen Immobilie das Spiegelbild eines arbeitsreichen Lebens. Nämlich des eigenen. Schrottimmobilien haben auch bei Hausgewinnspielen keine Chance. Wer aber über Stiny meckert, muss mit sich selbst ins Gericht gehen. Ärgert man sich über die eigenen falschen Antworten, kann man / frau nochmal mitmachen.
    Wo ist das Problem ? Wäre es eine einfache Verlosung – und man / frau wäre nicht unter den Gewinnern, wäre es offenbar erträglicher, da das Losglück entschieden hätte – und nicht die eigenen kognitiven Fähigkeiten…
    Herr Stiny ist von der Behörde reingelegt worden – die haben ihre Prüfungsaufgaben durch Druck von oben nicht erfüllt. Trotz aller Anträge von Herr Stiny.
    Hoffen wir – die Teilnehmer , dass er von der örtlichen Justiz nicht weiter reingelegt wird. Ich rege an, ein weitere Teilnahme am Gewinnspiel zu erwerben. Ich habe es schon gemacht – damit stärken wir Herr Stiny den Rücken – sprechen ihm unser Vertrauen aus. Und meine Familie und Bekannten haben es auch schon getan. Jeder macht weiter ohne sich zu ärgern.

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