Börsengang der GSW steht nichts mehr im Wege

20. April 2010 | von

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat entschieden: Die ehemals landeseigene Wohnungsbaugesellschaft GSW darf sich aufs Börsenparkett wagen. Der durchaus umstrittene Börsengang kommt durch eine ungewöhnliche Allianz der rot-roten Landesregierung mit der FDP zustande, während sich die CDU zum Mieterschützer aufschwingt.

Einige bange Momente musste die Berliner Landesregierung überstehen, dann war es geschafft. Mit den Stimmen von SPD, die Linke und der Privatisierungen traditionell wohlgesonnen gegenüberstehenden FPD hat auch das Abgeordnetenhaus den Börsengang der Wohnungsbaugesellschaft GSW durchgewunken. Zuvor hatte bereits der Berliner Senat grünes Licht für den Gang an die Börse gegeben.

Dabei waren die Vorzeichen alles andere als gut. In einer Probeabstimmung scherten etliche Mitglieder der SPD-Fraktion aus der offziellen Senats-Linie aus und verweigerten die Ja-Stimme. Berichten zufolge ließen sich die Abweichler offenbar mit einer Zusage, Teile der 30-Millionen-Euro „Zustimmungsprämie“ für soziale Projekte und Quartiermanagement zu nutzen, wieder auf Kurs bringen. Gegen die Börsenpläne stimmte bemerkenswerterweise neben den Grünen auch die CDU, die eine massive Verschlechterung der Bedingungen für die Mieter befürchtet. In einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ erklärte der CDU-Bauexperte Manuel Heide, dass für die Mieter nicht mal einfache Schutzrechte erreicht wurden. Die Beteuerungen, die Mieterrechte zu wahren, seien lediglich Absichtserklärungen und seien vor Gericht nicht einklagbar.

Finanzsenator Nußbaum erklärte indes die Vorteile des Börsenganges. So würde sich für die Mieter nichts ändern, da die Mieterschutzrechte weiter gelten würden, zudem würde der Firmensitz weiter in Berlin bleiben und auch zusätzliches, frisches Kapital würde in die GSW fließen. Zudem sei man die beiden Investoren los, denen der parteilose Nußbaum laut einem Bericht der „Welt“ keine Träne nachweinen würde.

Die GSW verwaltet einen Immobilienbestand von circa 70.000 Wohnungen mit ingesamt 130.000 Mietern. Das Unternehmen wurde bereits im Jahre 2004 an die US-Investoren Cerberus und Goldman Sachs für insgesamt 405 Millionen Euro verkauft. Beide Unternehmen übernahmen zudem rund 1,7 Milliarden Euro Schulden.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.