Schäuble schockt Immobilienfonds mit Gesetzentwurf

5. Mai 2010 | von

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plant, alle Immobilienbestände offener Immobilienfonds per Gesetz um 10 Prozent abzuwerten. Zudem solle der Handel mit Anteilen eingeschränkt werden. Für die Fonds bedeutet das wenig Gutes: wenn die Anleger in Scharen fliehen, droht einigen sogar das Aus.

Die Anleger offener Immobilienfonds sind Kummer gewohnt. Bereits im Jahr 2008 mussten etliche Fonds wegen drohender Liquiditäts-Engpässe geschlossen werden, nachdem Anleger im Zuge der Finanzkrise massiv Kapital abgezogen hatten. Es kam aber noch schlimmer: Da einige der Fonds bis zum heutigen Tag geschlossen sind und der Zugriff auf die Einlagen nicht möglich ist, mussten die Kunden zusehen, wie es mit dem Wert ihrer Investments weiter bergab ging. Innerhalb kürzester Zeit mussten selbst Fonds renomierter Unternehmen ihre Immobilienbestände zum Teil drastisch abwerten.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) könnte der Branche nun einen weiteren schweren Schlag versetzen. In einem am Montag präsentierten Gesetzentwurf sind weitreichende Regulierungen der Immobilienfonds geplant.

So könnte zum einen Einsatz und Rückfluss des Kapitals stark eingedämmt werden. Anleger sollen gekaufte Fondsanteile erst nach dem Ablauf von zwei Jahren wieder zurückgeben können und das erst nach vorheriger Anmeldung, zudem sollen Fonds die Anteile auch nur noch zweimal pro Jahr zurücknehmen. Hinzu kommt eine von der Fondsgesellschaft vorgegebene Kündigungsfrist von 6 bis 24 Monaten. Eine tägliche Verfügbarkeit über das eingesetzte Kapital wäre somit nicht mehr gegeben.

Um drohenden Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken, sollen Immobilienfonds abhängig von den Kündigungsfristen eine Mindestliquidität nachweisen. Je kürzer die Kündigungsfrist, desto mehr Kapital muss vorhanden sein. Derzeit beträgt die Mindestliquiditätsquote fünf Prozent.

Besonders brisant ist aber ein anderer Vorschlag des Finanzministeriums. So sollen die Bestände offener Immobilienfonds einheitlich um 10 Prozent abgewertet werden, da sämtliche Fonds zuletzt keine Verkäufe zum avisierten Buchwert tätigen konnten und die Verkehrswerte nach Meinung des Finanzministeriums lediglich „Schätzpreise“ seien.

Für die Fonds bedeuteten derlei Pläne nichts Gutes. Experten befürchten, dass die Anleger den Fonds bis zum Inkrafttreten der Neuerungen im Jahr 2011 in Scharen den Rücken kehren könnten. Das könnte neuerliche Liquiditätsengpässe und erneute Fondsschließungen zur Folge haben, da auf neue Anleger wohl vergeblich gewartet würde: Wer will schon investieren, wenn bereits am Anfang ein Verlust von 10 Prozent droht?


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