Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom – das Siegel entscheidet

17. Mai 2010 | von

Das gute Gewissen muss nicht teu(er)er sein: Ökostromtarife sind in den meisten Fällen immerhin preiswerter als die Standardangebote der Grundversorger. Wer jedoch ganz korrekt sein möchte und auf Gütesiegel wert legt, kommt in der Regel nicht ganz so günstig weg – schließlich ist Ökostrom nicht gleich Ökostrom, wie eine Untersuchung des Verbraucherportals Verivox ergeben hat.

Der Ökostrom-Markt boomt. Angesichts immer neuer Pannen in Atomkraftwerken und dem politischen Geschachere um längere Laufzeiten sorgen immer mehr Bürger für ihren ganz persönlichen Atomausstieg und entscheiden sich für Strom aus regenerativen Quellen. Das hat natürlich mit gewachsenem Umweltbewusstsein zu tun, neuerdings aber auch mit deutlich günstigeren Preisen. Ökostrom gilt nicht länger als teuer, in etlichen Fällen ist er sogar günstiger als der angebotene Tarif des örtlichen Grundversorgers, der sich durchschnittlich auf circa 950 Euro bei einem Verbrauch von 4000 kWh jährlich beläuft.

Dementsprechend groß ist inzwischen auch das Angebot an Ökostromtarifen. Neben den klassischen Naturstromanbietern wie Lichtblick oder Greenpeace energy haben praktisch alle anderen Energieanbieter inzwischen einen Ökotarif im Portfolio, selbst die vier großen Unternehmen RWE, E.ON EnBW und Vattenfall möchten da nicht nachstehen. Doch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom – wer besonders korrekt sein möchte, muss zu einem Tarif mit Gütesiegel greifen. Nur mit diesem ist dem Kunden garantiert, daß sein Strom aus regenerativen Quellen stammt – und zudem den weiteren Ausbau regenerativer Energien fördert.

Gütesiegel muss nicht teuerer sein

Wie Verivox in einer Untersuchung herausfand, kommt der Großteil der Tarife tatsächlich ohne Siegel oder Zertifikate aus. Immerhin kann hier der Kunde sicher gehen, dass sein Strommix aus 100 Prozent erneuerbaren Energien besteht. Allerdings kann er hier nicht sicher sein, dass er mit diesem Tarif den Ausbau alternativer Energien unterstützt, zudem erhält er keine Informationen über die Herkunft des Stromes. Für Letzteres sorgt immerhin das RECS (Renewable Energy Certificate System)-Zertifikat, den Ausbau der Ökostromkapazitäten wird damit allerdings auch nicht gefördert. Mit 947 Euro (bei einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh) ist er immerhin günstiger als der billigste Tarif ohne Zertifikat, der mit 984 Euro jährlich zu buche schlägt.

Nicht jedes Siegel garantiert den Ausbau alternativer Energien

Besser und zum Teil sogar günstiger sind Tarife mit TÜV-Siegel – allerdings liegt der Teufel hier im Detail. TÜV-Nord und TÜV-Süd haben durchaus unterschiedliche Kriterien, nach denen sie die Tarife zertifizieren. Der TÜV Nord kommt dabei mit einem einheitlichen Siegel aus, während der TÜV-Süd in vier Kategorien unterscheidet, von denen zwei erlauben, dass die Hälfte des Ökostromes aus der Abwärme von Kraftwerken genutzt wird. Bei den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) kann es sich allerdings auch um Anlagen handeln, die fossile Energieträger verbrennen. Vielleicht auch deswegen ist der günstigste Tarif mit TÜV-Siegel bei einem Jahresverbrauch von 4000 kWh mit 945 Euro vergleichsweise günstig. Auch beim „OK power Label“ können KWK-Anlagen zum Einsatz kommen, allerdings sind der zusätzliche Umweltnutzen und auch das Alter der Anlagen genau festgelegt.

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte auf das Gütesiegel Grüner Strom Label achten. In der „Gold“-Variante dürfen ausschließlich erneuerbare Energiequellen oder KWK-Anlagen ohne fossile Brennstoffe genutzt werden. Auch der Handel mit Energievorteilen ist untersagt. Diese Garantie schlägt sich allerdings auch im Preis nieder, denn der liegt bei einem jährlichen Verbrauch von 4000 kWh bei mindestens 1047 Euro, wie Verivox ermittelte.

Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox.de, empfiehlt daher, dass Verbraucher wegen mangelnder Kriterien beim Begriff Ökostrom neben dem Preis auch auf entsprechend strenges Gütesiegel achten sollten, um auch wirklich einen entsprechenden Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.


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