Quo Vadis, Berliner Stadtschloss?

3. Juni 2010 | von

Der Neubau des Berliner Stadtschlosses könnte dem Rotstift der Regierungskoalition zum Opfer fallen. Zwar steht das Bauvorhaben im Koalitionsvertrag, doch angesichts der aktuellen Probleme finden sich nur schwerlich Argumente für das über 500 Millionen Euro teure Projekt. Auch das Bedauern der Bevölkerung würde sich in Grenzen halten.

Mit Bangen schauen die Bundesbürger auf die am Sonntag beginnende Klausurtagung der Regierungskoalition und die möglichen Einsparungen, die wegen der klammen Kassen dort beschlossen werden könnten. Doch eine Sparmaßname würde sicher wenig Protest ernten: Ein vorläufiger Verzicht auf den Neuaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Die Zustimmung zu diesem über 500 Millionen Euro teuren Prestigeprojekt hält sich zudem seit jeher in engen Grenzen. Laut einer von der „Berliner Zeitung“ in Auftrag gegebenen repräsentativen Forsa-Umfrage findet eine solide Mehrheit von 80 Prozent der befragten Berliner einen Verzicht auf den Wiederaufbau des Stadtschlosses angesichts der derzeitigen Haushaltssituation für durchaus richtig. Lediglich 18 Prozent finden, dass man auch in Krisenzeiten an dem Projekt festhalten sollte.

Ähnliche Überlegungen scheint es jetzt auch in der schwarz-gelben Regierungskoalition zu geben. Maßgeblich sei dabei neben den fehlenden Geldern auch die geringe Zustimmung in der Bevölkerung, die angesichts einschneidender Sparmaßnahmen und drohender Steuererhöhungen wohl nur wenig Verständnis für die 500-Millionen Euro-Investition aufbringen würde.

Allerdings ernten die Gedankenspiele der Koalition auch Widerspruch. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ warnte der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, Uwe Lehmann-Brauns, vor einer Verschiebung des Projektes, für das 20 Jahre lang gestritten wurde. Haushaltsausschuss-Mitglied Stefanie Vogelsang (CDU) verwies in diesem Zusammenhang auf die möglichen Position Effekte eines Stadtschloss-Wiederaufbaus für Tourismus und Baubranche.

Nachdem lange um den Neubau und dessen Architektur gestritten wurde, sollten die Bauarbeiten am „Humboldt-Forum“ eigentlich im kommenden Jahr beginnen und 2017 beendet sein. Die Baukosten, die zum Teil durch Spenden aufgebracht werden, sollen sich auf maximal 552 Millionen Euro belaufen. Das alte Stadtschloss wurde im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1950 auf Anweisung von Walter Ulbricht gesprengt. An gleicher Stelle entstand der inzwischen wieder abgerissene „Palast der Republik“.


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