Bessere Abschreibungsmöglichkeiten: Staatsfinanzen werden durch Wohnungsbau gefestigt

7. Juni 2010 | von

Die verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau erhöhen die öffentlichen Einnahmen, was dazu führt, dass die Staatsfinanzen gefestigt werden. Schon bei einer Erhöhung der Wohnungsneubauprojekte um 4.600 Wohneinheiten ist der positive Effekt zu bemerken. Das ergab jetzt eine Studie des Eduard Pestel Instituts. Der Deutsche Mieterbund fordert vom Bund weiterhin bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau.

Während die Klagen, Deutschland baue in Relation zur demographischen Entwicklung zu wenig Wohnungen, nicht versiegen und vor einer drohenden Wohnraumknappheit gewarnt wird, hat der Wohnungsbau, wie er derzeit durchgeführt wird, doch einen durchaus positiven Effekt. So ergab eine neue Studie des Eduard Pestel Instituts, dass die verbesserten Abschreibungsbedingungen im Wohnungsbau ein Plus an Steuern und Abgaben bringen und die Staatsfinanzen auf diese Weise festigen. Eine Erhöhung der Abschreibungssätze (AfA) im Mietwohnungsbau bewirkt staatliche Mehreinnahmen, die im Ergebnis die durch die AfA verursachten Steuermindereinnahmen deutlich übersteigen. Besonders rentabel ist dabei, dass sich der positive Effekt schon ab der geringen Erhöhung des Neubauvolumens um 4.600 Wohneinheiten einstellt.

Aufgezeigt wird das Ergebnis in der Studie „Wohnungsbauinvestitionen und Staatliche Haushalte“ anhand des exemplarischen Baus eines Mehrfamilienhauses. Bereits im Jahr der Erstellung des rund 1,9 Millionen Euro teuren Neubaus erhält der Staatshaushalt rund 394.000 Euro in Form von Steuern – etwa 20 Prozent der Investitionskosten. Weitere 518.000 Euro, also 26 Prozent, fallen außerdem als Sozialabgaben an. Anschließend läuft das Prozedere ein wenig schleppender ab, denn die Steuerminderungen durch Abschreibungen werden erst mit deutlicher Verzögerung wirksam und erreichen selbst bei großzügiger Auslegung nicht das Niveau der staatlichen Mehreinnahmen. Die Experten kalkulieren hierbei sehr konservativ und beziehen zusätzlich anfallende Steuern und Abgaben im Verkehrsbereich, wie beispielsweise Mautgebühren, sowie Verbrauchssteuern nicht mit in die Berechnungen ein.

Der positive Effekt für die öffentlichen Haushalte lässt sich gesamtgesellschaftlich in Abhängigkeit vom Steuersatz der Investoren darstellen. So rechnen die Wissenschaftler des Pestel Instituts vor, dass bei niedrigen Steuersätzen ein Anstieg des Mietwohnungsbaus um 4.600 Einheiten gegenüber dem aktuellen Bauniveau bereits ausreicht, um ein Plus an öffentlichen Einnahmen zu generieren. Bei Einkommensteuerspitzensätzen der Investoren (45 Prozent) hingegen müssten zu diesem Zweck rund 7.300 Wohnungen zusätzlich erstellt werden. Trotzdem ist auch diese zweite Möglichkeit bei der Wiedereinführung einer „degressiven“ AfA plausibel. Auf diese Weise gäbe es nämlich attraktivere steuerliche Anreize für Investoren – was sich wiederum positiv auf die Neubautätigkeit auswirken würde, denn diese entspricht seit 2007 weder dem Bedarf noch der Nachfrage deutscher Haushalte.

Der Direktor des Deutschen Mieterbundes Lukas Siebenkotten machte deutlich auf die Verantwortung des Bundes für bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau aufmerksam. Er forderte eine höhere Neubautätigkeit insbesondere in Ballungsgebieten, wo schon heute tausende Mietwohnungen fehlen würden. Der Bund solle zum Beispiel mit verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten die notwendigen Anreize schaffen.


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