In Großstädten droht Armut

1. Juli 2010 | von

Großstädte bieten ihren Einwohnern nicht nur kurze Wege, urbanes Leben und Amüsement, sie bergen auch ein erhöhtes Armutsrisiko. Das geht aus einem Städtevergleich des Statistischen Bundesamtes hervor. In einer Stadt im Osten sind besonders viele Einwohner von Armut bedroht.

Leipzig hat sich in den letzten Jahren zu einem wirtschaftlichen Leuchtturm im Osten entwickelt. Klangvolle Namen wie Siemens, Porsche oder BMW haben sich in der Stadt an der Weißen Elster angesiedelt, der Flughafen expandiert und die Mieten der größtenteils sanierten Altbauten sind auf einem erstaunlich niedrigen Niveau. Dennoch sind die Leipziger mehr von Armut bedroht als jeder andere Großstädter in Deutschland.

Nach einem Bericht des Statistischen Bundesamtes war 2008 fast jeder vierte Leipziger (27%) armutsgefährdet. Damit hat sich die Situation im Vergleich zum letzten Mikrozensus sogar noch verschlechtert, 2005 lag der Wert in Leipzig mit 24 Prozent noch drei Prozentpunkte unter dem jetzigen. Aber auch den ostsächsischen Nachbarn in Dresden erging es nicht viel besser. Der Anteil der von Armut Bedrohten ist in der sächsischen Landeshauptstadt genauso wie in Hannover und Bremen mit 22% nicht wesentlich niedriger.

Damit zeigt sich auch, dass die Armutsgefährung in Großstädten kein rein ostdeutsches Problem ist, auch wenn das Risiko hier mit durchschnittlich 19,5 Prozent deutlich höher ist als im westdeutschen Durchschnitt, der bei 13,1 liegt. Im gesamtdeutschen Durchschnitt sind immerhin noch 14% aller Bürger armutsgefährdet – und diese besonders in Großstädten. Laut Mikrozensus, der 15 deutsche Großstädte mit einer Einwohnerzahl über 500.000 untersuchte, ist in den meisten Großstädten die Gefahr zu verarmen höher als im Bundesschnitt. Lediglich in die süddeutschen Metropolen München (9,8 %) und Stuttgart sowie Frankfurt am Main, Hamburg und Düsseldorf ist die Armutgefahr geringer.

Nach Definition der Europäischen Union gelten diejenigen als armutsgefährdet, die für den Lebensunterhalt weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung haben. In Deutschland liegt die Grenze derzeit bei 787 Euro für einen Ein-Personen-Haushalt und bei 1652 Euro für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren.


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