Berlin: Der 100-Millionen-Bikini

3. August 2010 | von

In Berlins „City West“ geht es Schlag auf Schlag: Nachdem das neue „Zoofenster“ schon fast steht, sollen auch beim benachbarten „Bikini Berlin“ demnächst die Bagger anrollen. Um das lange vernachlässigte Areal rund um den Bahnhof Zoo wieder zu beleben, wird kräftig investiert.

Lange war Berlins „City-West“ auf dem absteigenden Ast – und daran war nicht nur der schlechte Ruf des Bahnhof Zoo schuld. Vielmehr dämmerte das Gelände seit Jahrzenten vor sich hin und auch die Architektur der Gebäude rund um den Kurfürstendamm hatte seine Glanzzeiten schon längst hinter sich. Doch inzwischen tut sich unübersehbar etwas, nachdem das altehrwürdige Schimmelpfenghaus einen auf den Namen „Zoofenster“ getauften Büro-, Hotel und Wohnungskomplex mit Einzelhandelsflächen weichen musste.

Ach einige Meter weiter östlich am Zoobogen soll nun endlich der angestaubte Charme der 50er und 60er Jahre weichen, um den Standort aufzuwerten und wiederzubeleben. Geplant ist ein umfassender Umbau der denkmalgeschützten Gebäude, der mit Kosten von ingesamt 100 Millionen Euro veranschlagt ist. Den entsprechenden Bauantrag will die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe noch in diesem Monat stellen.

Geplant ist eine deutliche Abkehr vom derzeitigen Bild der traditionellen Einkaufsmeile hin zu einem flippigen Shoppingzentrum mit Einzelhandel und Restaurants, Hotels und Büros, aber auch Erholung und Freizeit sollen hier künftig nicht zu kurz kommen. Dafür soll vor allem der traditionsreiche Saal 1 des Zoo-Palastes dienen, der nach langen Diskussionen jetzt doch in seiner originalen Form erhalten bleibt und lediglich renoviert wird. Fünf umliegende, kleinere Säle sollen jedoch der Abrissbirne zum Opfer fallen. Damit aber kein Kino-Engpass entsteht, werden gleichzeitig drei neue Säle gebaut.

Highlight des renovierten Gebäudeensembles soll ganz klar eine 7.000 m² große Terrasse auf Höhe des zweiten Geschosses werden, die für jeden zugänglich sein wird – eine Oase direkt am Zoo. Im darunter liegenden Raum sollen 20.000 m² Verkaufsfläche entstehen. Dort einziehen sollen allerdings nicht nur die üblichen Filialisten, die inzwischen jede Einkaufsmeile zu einem Déja-vu werden lassen. Stattdessen sollen junge Berliner Marken die Chance erhalten, sich hier zu präsentieren.

Entsprechend euphorisch zeigte sich auch Berlins regierender Bürgermeister Wowereit (SPD), der auf der Präsentation der Pläne von etwas Einmaligen träumte, „das es in der Republik noch nicht gibt“ und das sich „sicherlich auch weltweit sehen lassen kann“.


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