Energiekonzept: Hausbesitzer befürchten hohe Sanierungskosten

8. September 2010 | von

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht eine Verschärfung der Sanierungsvorschriften für Gebäude vor. Bis 2050 sollen alle Gebäude auf einen CO2-freien Energieverbrauch umgestellt sein. Hauseigentümer befürchten nun eine Kostenexplosion.

Aus den Reihen der Eigenheimbesitzer wird immer mehr Kritik an dem Energiekonzept der Bundesregierung laut. Diese plant in den nächsten 40 Jahren die Umstellung aller Gebäude in Deutschland auf einen Energieverbrauch ohne CO2-Emission. Ziel soll neben einer besseren allgemeinen Sanierung auch eine Selbstversorgung der Gebäude durch eigens produzierte Wärme und Strom sein.

Welche Kosten diese Sanierungsvorschriften für Hausbesitzer bedeuten könnten, haben Fachleute des Branchenverbandes „Haus & Grund“ belegt. Die Experten errechneten anhand eines 120 Quadratmeter großen Einfamilienhauses aus den 70er Jahren die Kosten für eine energetische Sanierung, die sich auf mindestens 70.000 Euro belaufen würden. Andreas Stücke, Generalsekretär des Verbandes warnte eindrücklich vor schwerwiegenden verfassungsrechtlichen Problemen, die daraus resultieren könnten. „Der Zwang zu unwirtschaftlichen Maßnahmen verstößt gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes“, so Stücke zu welt-online. Für viele der rund 15 Millionen privaten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer wären diese zusätzlichen Kosten kaum tragbar.

Beim Deutschen Mieterbund (DMB) stoßen die Pläne der Bundesregierung auf grundsätzliche Zustimmung, jedoch werden konkrete Maßnahmen, Regelungen und Vorgaben für die Ausgestaltung und Umsetzung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms gefordert. Bis 2020 sollen bislang nur die am schlechtesten isolierten Gebäude saniert sein. Erfüllen Eigentümer die Ziele vorzeitig, bekommen sie staatliche Förderungen zugesprochen. Dennoch geht das Konzept dem Mieterbund noch nicht weit genug: „Mir fehlen aber konkrete ordnungspolitische Vorgaben, Regelungen zur Kontrolle und zum Vollzug und eindeutige Aussagen zu Fördermaßnahmen, wie zum Beispiel die künftige finanzielle Ausgestaltung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms“, kritisierte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. In seiner derzeitigen Form „bleibt das Konzept der Bundesregierung für die Gebäudesanierung halbherzig und vage“, so Siebenkotten weiter.

Die Bundesregierung sieht die energetische Sanierung zum Einen als Schlüssel zur Modernisierung der Energieversorgung, zum Anderen aber auch als wichtigen Faktor, um die angestrebten Klimaschutzziele zu erreichen.

Auch Patrick Döring, Bauexperte der FDP-Fraktion bestärkte die Sanierungspläne: „Mit einem langfristig angelegten Sanierungsfahrplan schaffen wir endlich verlässliche Rahmenbedingungen und Planbarkeit für die Eigentümer über Jahre.“ Döring fordert mehr Gelder für das Sanierungsprogramm, denn letztendlich hätten schließlich sowohl Mieter als auch Vermieter von einem sinkenden Energieverbrauch einen Nutzen.


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3 Kommentare zu Energiekonzept: Hausbesitzer befürchten hohe Sanierungskosten

  1. A.H. Amselfelder sagt:

    Was für Konsequenzen wird dieses Merkelsche- Energiekonzept haben (laut Presse haben viele Parlamentarier über dieses Vorhaben gejubelt – jubeln Sie auch?):
    1) Häuser, die sich wirtschaftlich nicht mehr zu sanieren lohnen, würden einen rapiden Preisverfall haben, bis hin zur Unverkäuflichkeit. Dies dürfte schätzungsweise ca. 50% des deutschen Hausbestandes ausmachen.
    Dies ist schlimmer als der 2. Weltkrieg (was die Vernichtung von Sachwerten in der BRD betrifft).
    Ganze Stadtviertel könnte man abreißen. Vielleicht ist das ja insgeheim gewollt – aufgrund des geringen Nachwuchses und der geringen Einwanderung.
    2) Wenn Sie ein älteres Haus besitzen und noch eine größere Restschuld haben, werden sie evtl. Probleme mit Ihrer Bank bekommen. Denn ggf. sinkt der Wert Ihres Hauses unter den Wert der Hypothek. Ihr Haus wäre z.B. mit 180% Prozent verschuldet. Die Bank würde Sonderzahlungen fordern oder zusätzliche Sicherheiten. Können Sie die aufbringen?
    3) Die erhoffte Zinssenkung durch eine Anschlussfinanzierung (sogenannte 60% Finanzierung mit günstigerem Zinssatz) wäre futsch!
    4) Sie haben Ihr Haus vielleicht zur Alterssicherung gekauft, um es hinterher zu verkaufen und sich z.B. eine altengerechte Wohnung zu kaufen oder einen Altersheimplatz damit finanzieren zu können – Pustekuchen! Sie können von Glück reden, wenn Sie für Ihr altes Haus, das sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr sanieren lässt, überhaupt noch etwas bekommen.
    5) Sie haben ein Haus gekauft, um ihren Kindern oder Enkeln etwas zu vererben? Die werden das Erbe wahrscheinlich ausschlagen (müssen), denn ein älteres Haus zu sanieren, soll nach Berechnung von Fachleuten ca. 600 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter kosten. Das sind bei einer Hausgröße von 170 Quadratmetern bis zu stolze 204.000 Euro. Haben sie so viel Geld angespart? Oder bekommen Sie z.B. als Rentnerin oder Rentner eine Hypothek über so einen hohen Betrag mit 30 Jahren Laufzeit???
    Diese Seite des Energiekonzeptes, wenn es denn so umgesetzt wird, ist
    Deutschlands 11. September!!!
    Merkel – was tust Du dem Deutschen Volke an???

  2. dirk sagt:

    die sanierung ist teuer für energiekonzepte aber lohnt sich im verbrauch

  3. SiskaB sagt:

    Die Kosten für eine Sanierung können wirklich sehr in die Höhe springen, erst recht dann, wenn alles durch Fachhandwerker gemacht werden muss. Auf http://www.hausbau-eigenheim.org/ unter dem Stichwort „Sanieren“ habe ich sehr gute Tipps gefunden, wie einige der fälligen Sanierungsarbeiten in Eigenregie gemacht werden können um so Kosten einzusparen, die dann in andere wichtige Projekte des Eigenheims und der Altersvorsorge investiert werden könne.

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