„Graue Wohnungsnot“: zu wenige altersgerechte Wohnungen für Berlins Zukunft

28. September 2010 | von

Altersgerechte Wohnungen werden auch in Berlin künftig Mangelware sein. Das belegt eine Regional-Untersuchung zur „Wohnsituation im Alter“. Den Berechnungen zufolge bedarf es schon in 15 Jahren knapp 90.000 seniorengerechte Wohnungen.

Mit dem Alter ändern sich auch die Wohnbedürfnisse: das Treppen steigen fällt schwerer oder der Einstieg in die Badewanne erweist sich als problematisch. Dementsprechend seniorentauglich sollten die Wohnungen dann auch ausgestattet sein.

In der Untersuchung der „Wohnsituation im Alter“ haben sich Verbände der Bau-und Immobilienwirtschaft mit der IG BAU in der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossen, um den Wohnbedarf älterer Menschen für die Kommunen in Deutschland ermittelt. Wie aus einer Untersuchung des Pestel-Instituts zum Thema „Wohnen im Alter“ hervorging, gibt es jedoch eindeutig zu wenige barrierefreie Wohnungen für Senioren.

Anhand von Bevölkerungsmodellrechnungen der Untersuchung „Wohnungsmangel in Deutschland“ aus dem Vorjahr hat das Institut individuell für jeden Kreis sowie für jede kreisfreie Stadt ein Szenario zur künftigen Entwicklung aufgebaut. Das mit der Studie beauftragte Pestel-Institut kam schließlich zu dem Ergebnis, dass es in Berlin künftig einen hohen Bedarf an altersgerechten Wohnungen geben wird.

Den Berechnungen des Instituts zufolge wird es in Berlin bis zum Jahr 2025 etwa 33 Prozent mehr Haushalte mit Menschen über 70 Jahre geben wird. Geht man davon aus, dass jeder Fünfte der dann 436.590 Senioren-Haushalte eine barrierefreie Wohnung benötigt, müssen bestehende Wohnungen dringend saniert bzw. neue Wohnungen gebaut werden. „Es kann nicht sein, dass ältere Menschen nur deswegen ins Heim müssen, weil sie zu Hause keine altengerecht ausgebaute Wohnung haben“, so Matthias Günther vom Pestel-Institut. Barrierefreie Wohnungen sollten zum Beispiel mit schwellenfreien Duschen, breiten Türen, durch die ein Rollstuhl oder Rollator passt, den älteren Menschen das Leben erleichtern. Müssten Senioren mit körperlichen Einschränkungen mangels barrierefreier Wohnungen in Pflegeheimen wechseln, wäre dies aus Sicht der Betroffenen sowie auch aus der Sicht der Angehörigen fatal, da aufgrund der hohen Preise für die Pflegeheime viele Familien das Geld nicht aufbringen können, um den Heimplatz zu bezahlen. Letztendlich muss dann die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen.

In Berlin besteht auch ein hoher Bedarf an energetischer Sanierung

Das Pestel-Institut hat in der Untersuchung in Berlin ebenfalls einen großen Nachholbedarf bei der energetischen Gebäudesanierung festgestellt. In Bezug auf den hohen Anteil älterer Bausubstanz wurde ermittelt, dass 22 Prozent aller Wohngebäude noch aus der Nachkriegszeit (bis 1960) stammen. Diese bedürfen umgehend einer energetischen Sanierung. Auch dieses Projekt wird eine umfangreiche Aufgabe darstellen.

Die Situation in Städten wie Berlin spricht für die Notwendigkeit von Förderprogrammen wie die der KfW-Banken. Ronald Rast, Koordinator der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ berichtete der Berliner Morgenpost dazu: „Der Bund müsse dringend mehr Anreize schaffen, damit private Investoren stärker in energieeffizienten, altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum investieren“.


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