Studie: Wohnumfeld beeinflusst Entwicklung der Kinder

19. Oktober 2010 | von

Wachsen Kinder in sogenannten Problemvierteln auf, haben sie einer aktuellen Studie zufolge im Allgemeinen schlechtere Entwicklungs- und Bildungschancen. Das Wohnumfeld kann für Heranwachsende selbst dann belastend sein, wenn das Familienleben intakt ist.

Dass es Kinder aus sozial schlechterem Umfeld allgemein schwerer im Leben haben, ist schon seit Langem ein weitverbreitetes Klischee. Doch laut einer repräsentativen Studie eines Kooperationsprojektes der empirica AG, des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Bertelsmann Stiftung, hat sich dieses Vorurteil in vielen Punkten bewahrheitet.

Wie die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, hat das Leben in Deutschlands sogenannten Problemvierteln tatsächlich negative Folgen auf die Entwicklungs-, Gesundheits- und Bildungschancen Heranwachsender. Kinder, die in den „besseren“ Gegenden aufwachsen, haben in Bezug auf Gesundheit und Bildung allgemein bessere Chancen, wie die Forscher feststellten. Ein gutes Umfeld kann sich auf Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Vierteln jedoch stabilisierend auswirken und ihnen neue Perspektiven bieten. „Kinder aus Problemvierteln wachsen ungesünder auf und haben von vornherein weniger Möglichkeiten, sich zu entwickeln und ihre Talente zu entfalten – das dürfen wir als Gesellschaft nicht akzeptieren“, kommentierte Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, die Ergebnisse der Studie.

Die Kooperationsstudie, deren Grundlage die Auswertung von Datensätzen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch-Instituts mit Informationen zur allgemeinen Wohngegend (Baustruktur, Mietpreisniveau und Bevölkerungsdichte) war, belegt, dass das Wohnumfeld auch die Mittelschicht in Deutschland teilt. Lebten Familien beispielsweise in Einfamilienhäusern aus dem mittleren bis hohen Preisniveau oder in einer Mietwohnung in einem mehrgeschossigen Haus, ergaben sich für das gesundheitliche Verhalten gravierende Unterschiede. Die Umgebung prägt zum Beispiel auch das Verhalten der Mütter: In Problemvierteln greifen der Studie zufolge schwangere Frauen viel häufiger zur Zigarette (24 Prozent), als in den gehobenen Wohngegenden.

Die Bewegungsentwicklung betreffend zeigen sich innerhalb der verschiedenen Wohnviertel ebenfalls deutliche Unterschiede: Kinder und Jugendliche aus Problembezirken bewegen sich (unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund) demnach weniger als Gleichaltrige aus besseren Gegenden. Kinder in den preisgünstigeren Wohnquartieren verbringen zudem viel mehr Zeit vor Fernseher (> 6,6 Prozent) und dem Computer (11,6 Prozent) und sind viel öfter übergewichtig als ihre Altersgenossen aus den wohlhabenderen Vierteln.


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