Passivhauszwang verteuert Hamburger Wohnneubauten

5. November 2010 | von

Nach dem Willen des Senats sollen Wohnneubauten im Hamburg zukünftig nur noch nach dem Passivhausstandard gebaut werden. Das bremse den notwendigen Neubau und verteuere das Wohnen, warnen die Wohnungsverbände. Ein Gutachten zieht zudem den Nutzen der Energiesparmaßnahmen in Zweifel.

Hamburg leidet seit geraumer Zeit unter einem knappen Wohnraumangebot. Günstige Wohnungen sind rar und auch der dringend notwendige Wohnungsneubau bleibt Jahr für Jahr hinter den Erwartungen zurück. Beides könne sich in Zukunft noch verschlimmern, wenn der Senat an den geplanten Regelungen zum Passivhausstandard festhalte, warnten der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und der Bund freier Wohnungsunternehmen (BFW) unisono auf einer gestern abgehalteten Pressekonferenz.

Würde der umstrittene Passivhausstandard zur Pflicht bei Neubauten erklärt, würden sich die Kosten gegenüber herkömmlichen Neubauten um 30 Prozent erhöhen, wie aus einer gemeinsam von beiden Verbänden in Auftrag gegebene Studie hervorgeht. Dies würde den Wohnungsneubau in Hamburg bremsen und das Wohnen zur Miete verteuern, erklärte VNW-Verbandsdirektor Dr. Joachim Wege auf der Pressekonferenz. „Die notwendige Mieterhöhung wäre 5-mal höher als die Einsparung bei den Heizkosten“, so Wege weiter.

Dies geht aus dem Gutachten „Passivhaus, Effizienzhaus & Co. – Aufwand, Nutzen und Wirtschaftlichkeit“ der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen hervor. Würde der Passivhausstandard bei Neubauten eingeführt, hätte das eine deutliche Verteuerung der Baukosten zur Folge. Betragen die Baukosten für einen Quadratmeter nach EnEV noch 1.390 Euro, wären es beim Passivhausstandard schon 1.821 Euro je Quadratmeter. Die Folge: Jeder Cent, der bei der Heizkostenrechnung gespart wird, schlage mit fünf Cent bei den Bauskosten zu.

Klimaschutz mit Augemaß

Wege fordert daher einen Klimaschutz mit Augenmaß. Sein Verbandskollege Andreas Ibel vom BFW-Landesverband Nord pflichtet dem bei. Statt starrer Vorgaben sollen wirtschaftlich vertretbare Lösungen gefunden werden. Die Energieeinsparpotenziale der Passivhäuser seien umstritten, „der Beitrag der Wohnungswirtschaft zum Klimaschutz sollte nicht überbewertet werden“, so Ibel weiter. Stattdessen habe das Nutzerverhalten einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch. Dieser liege bei unsanierten Altbauten oft niedriger und bei Neubauten oft höher als allgemein angenommen.

Zwangsregelungen wie nun in Hamburg seien nach Ansicht der Verbände beim Klimaschutz kontraproduktiv. Statt „Kleinstaaterei“ solle eine gemeinsame Lösung mit dem Bund gefunden werden, der mit dem ebenfalls verabschiedeten Energiekonzept „hinsichtlich der Reduktion des Primärenergiebedarfs bis 2050 das gleiche Ziel wie Hamburg verfolgt“, so Wege.


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