Sind Mietnomaden ein Phantom?

2. Dezember 2010 | von

Sind Mietnomaden ein massenhaftes Problem für Vermieter oder lediglich ein Einzelphänomen? Eine Untersuchung der Uni Bielefeld legt den Schluss nahe, dass es zumindest deutlich weniger sind, als angenommen. Vermieterverbände und Mieterbund interpretieren das Ergebnis dennoch gänzlich unterschiedlich.

Mietnomaden sind ein ernstes Problem für jeden Vermieter: Sie zahlen keine Miete und hinterlassen, wenn sie denn mal aus der Wohnung sind, oft sanierungsreife Bruchbuden. Das kann für den Wohnungseigentümer im Einzelfall existenzbedrohend sein, ein Massenproblem lässt sich daraus dennoch nicht ableiten, wie die im Auftrag des Bundesbau- sowie des Bundesjustizministeriums durch die Universität Bielefeld erstellte Studie unter dem Titel „Mieterschutz und Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau – Mietausfälle durch sogenannte Mietnomaden“ deutlich macht.

Demnach wurden seit dem Jahr 1966 lediglich 400 Fälle von Mietnomadentum dokumentiert. Von einem von den Vermieterverbänden an die Wand gemalten Teufel mit rund 15.000 bis 30.000 Fällen jährlich ist demnach weit und breit keine Spur. In den letzten fünf Jahren gab es gar nur 200 nachgewiesene Mietnomandenfälle. Im Rahmen der Studie hatten sich zwar insgesamt 1.500 Vermieter wegen Problemen mit Mietnomaden gemeldet, nicht in jedem Fall seien jedoch die Kriterien eines „Mietnomaden“ erfüllt worden, wie Haufe.de berichtet. Nur, wer mit Beginn des Mietverhältnisses nie Miete gezahlt hatte, die Mietzahlungen nach drei Monaten eingestellt hat oder die Mietkaution nicht geleistet hat, zählt laut Studie als Mietnomade.

So eindeutig die Zahlen auch sind, bei den Verbänden fällt das Fazit gänzlich unterschiedlich aus. Mieterbund-Präsidente Dr. Franz-Georg Rips sprach von einem „peinlichen Ergebnis für die Koalition und die Bundesregierung“. Diese sei der Mär der Vermieterlobby aufgesessen, die von „zigtausend Mietnomaden in Deutschland“ sprachen, und hätte Mietrechtsänderungen „ohne irgendwelche belastbaren Informationen zum Ausmaß dieses ‚Problems‘“ auf den Weg gebracht. Da ein nennenswertes Mietnomadenproblem in Deutschland nicht existieren würde, seien Mietrechtsänderungen zur Bekämpfung der Mietnomaden überflüssig und sollten zurückgenommen werden, so Rips weiter.

Komplett anders sehen das die Eigentümervertreter von Haus und Grund. Das Ergebnis überträfe die schlimmsten Erwartungen, kommentierte Haus & Grund-Präsident Rolf Kornemann das Ergebnis. „Der Mietbetrug habe mittlerweile offensichtlich Dimensionen angenommen, die der Gesetzgeber nun nicht länger ignorieren könne“, so Kornemann weiter. Die Bundesregierung solle nun zügig Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, um den Mietbetrug einzuschränken.


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2 Kommentare zu Sind Mietnomaden ein Phantom?

  1. Waltraud Rupp sagt:

    Zu Ihrem Artikel Mietnomaden : Nur 400 Fälle dokumentiert!

    Wir befinden uns gerade in einem Mietnomadenfall. Die Mieterin zahlte 6 Monate keine Miete, ließ eine hochwertige 4 Zimmer-Maisonette total vermüllt, verdreckt einschließlich vermüllten Kellerraum zurück. Wir werden auf unsere Kosten sitzen bleiben. Müssen auf eigene Kosten Wohnung entmüllen, säubern, renovieren sämtliche Möbel ,Kleidung ,Hausrat ect. aus der Wohnung entfernen. Kosten und Mietenverlust ca 15.000 €.

    Im Monat November hatten wir in einer anderen Wohnung ebenfalls das gleiche Problem.

    Sind also schon alleine 2 Fälle die wir für Ihre Statistik melden können. Ihre Veröffentlichung der erwähnten 400 bekannten Fälle ist bestimmt NICHT treffend.

    Die Wohnungen befinden sich in 61267 Neu-Anspach / im Hochtaunus.

  2. Pingback: BLN.FM | Bundesregierung dreht an der Mietschraube

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