Studie: Energetisches Sanieren kann sich für Mieter und Vermieter lohnen

14. Dezember 2010 | von

Energetisches Sanieren im Bestand kann sich doch für alle Seiten lohnen. Damit Mieter, Vermieter und Umwelt gleichermaßen profitieren, bedarf es allerdings einiger entscheidender Voraussetzungen.

Der Plan der Bundesregierung, die energetische Sanierung von Gebäuden in Deutschland massiv voranzutreiben, hat Mieter- und Eigentümerverbände in diesen Tagen ordentlich auf Trab gehalten. Während der Nutzen für Umwelt und Natur durch die Einsparung von Energie noch von keiner Partei in Zweifel gezogen wurde, gab es bei der Frage, wer durch die entstehenden Sanierungskosten besonders belastet wird, äußerst konträre Positionen.

Während der Mieterbund schimpfte, dass die Mieter von einer Sanierung nicht profitieren würden und sogar noch draufzahlen müssten, weil die Ersparnis bei den Nebenkosten deutlich geringer ausfiele als die zu erwartenden Mieterhöhungen, jammerten die Vermieterverbände, dass ausschließlich Mieter von geringeren Nebenkosten profitieren. Die Eigentümer hätten die riesigen Investitionssummen zu stemmen und könnten diese nur zu einem geringen Teil auf die Mieter umlegen, während diese undankbarerweise auch noch die Miete während der Bauarbeiten mindern. Dabei lässt die Vermieterlobby freilich unter den Tisch fallen, dass energetisch topmoderne Immobilien eine deutliche Wertsteigerung erfahren und auch die Mieten steigen. Zudem könnte es angesichts steigender Energiepreise zukünftig deutlich schwieriger werden, für Energieschleudern überhaupt noch einen Mieter zu finden.

Warmmietenneutrales Sanieren ist nach Ansicht der dena möglich

Mitten in diese verhärteten Fronten platzt jetzt die Deutsche Energie-Agentur (dena) mit einer Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass sich energetisches Sanieren von Mehrfamilienhäusern doch für beide Seiten finanziell lohnen kann – und zwar gleichzeitig.

Der Energiebedarf von ohnehin sanierungsreifen Gebäuben könne laut dena um bis zu 75 Prozent gesenkt werden, ohne dass es Mehrbelastungen für Mieter oder Vermieter gebe. Würde sogar die von der Bundesregierung avisierte Energieeinsparung von 80 Prozent bis 2050 erreicht, müssten die Mieten nur leicht steigen. Entwickeln sich die Preise für Energie im gleichen Tempo wie derzeit weiter, wäre auch diese Variante ohne negative Auswirkungen auf die Warmmiete, so die dena.

Effizienzhaus 55 kann sich lohnen – bei weiter steigenden Energiepreisen.

Wenn die Gebäude auf den aktuellen Neubaustandard Effizienzhaus 100 saniert werden, kann bis zu 60 Prozent der bisher benötigten Energie eingespart werden, während sich der Aufwand für die verbesserte Energieeffizienz auf 80 Euro je Quadratmeter beläuft. Wird auf den besseren Standard „Effizienzhaus 70“ saniert, kostet das zwar 158 Euro pro Quadratmeter, die Energieeinsparung steigt gleichzeitig aber auf durchschnittlich 75 Prozent. Der Vermieter kann so seine Sanierungskosten decken, ohne den Mieter zusätzlich zu belasten. Zwar steigt die monatliche Kaltmiete in diesem Modell um 0,82 Euro pro Quadratmeter, die Energiekosteneinsparungen belaufen sich jedoch auf 0,92 Euro pro Quadratmeter. Die Warmmiete würde sich also nicht erhöhen.

Etwas anders ist der Fall bei einer Sanierung zum hocheffizienten „Effizienzhaus 55“ gelagert. Dort würden die Mehrkosten der Sanierung die Einsparungen für Energie und Wärme derzeit übersteigen und zu einer Erhöhung der Warmmiete führen, angesichts der Energie-Preisspirale würde sich die Investiton zukünftig dennoch lohnen.

Damit diese Rechnung funktioniert, sind allerdings einige Veraussetzungen notwendig. So müssen die Gebäude wahre Energiefresser mit einem jährlichen Energiebedarf für Heizung und Warmwasser von 225 Kilowattstunden pro Quadratmeter sein. Sprich: Es muss sich um stark sanierungsbedürftige Häuser aus Vorkriegszeiten bis zu Bauten aus den 70er Jahren handeln, als Energieeffizienz ein ähnlich drängendes Thema war wie Geburtsprämien für Akademiker.

Zufrieden mit dem Ergebnis der Studie zeigt sich Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Die Studie zeigt, wie wir schnell und sozialverträglich ein erstes Etappenziel bei der Sanierung der Wohngebäude in Deutschland erreichen können“, so Köhler. „Bei den sowieso anstehenden Gebäudesanierungen muss die Energieeffizienz in den Mittelpunkt gerückt werden. Für die Erreichung der Ziele der Bundesregierung ist die Aufstockung der Fördermittel auf vier bis fünf Milliarden Euro jährlich erforderlich.“


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