Mangel an altersgerechten Wohnungen kostet Milliarden

4. Januar 2011 | von

Der demografische Wandel lässt die Zahl der Pflegebedürftigen im nächsten Jahrzehnt deutlich steigen. Der deutsche Wohnungsmarkt ist darauf allerdings nur unzureichend vorbereitet, warnen Experten. Wegen des Mangels an altesgerechten Wohnungen drohe eine „graue Wohnungsnot“.

Auf bis zu 2,9 Millionen könnte die Zahl der Pflegefälle bis zum Jahr 2020 ansteigen – 500.000 mehr als derzeit. Experten schlagen angesichts solcher Zahlen Alarm: Die Wohninfrastruktur in Deutschland ist auf ein solches Szenario nur unzureichend vorbereitet, warnt der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten.

Die zur Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ zusammengeschlossenen Verbände wie der Deutsche Mieterbund, die IG Bauen-Agrar-Umwelt und den Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft fordern deshalb deutlich gesteigerte Anstrengungen zum Bau von altersgerechten Wohnungen, die Betroffenen eine ambulante Behandlung in den eigenen vier Wänden ermöglichen.

Seniorengerechte und barrierearme Wohnungen bleiben Mangelware

Auch die Sozialkassen werden nach der Meinung des IG BAU-Bundesvorsitzenden Klaus Wiesehügel nicht verschont bleiben. Aufgrund der drohenden Wohnungsnot für Senioren und Pflegebedürftige müssten viele in Pflegeheime ziehen, die eigentlich noch Zuhause leben könnten. Nicht nur dass dies die Lebensqualität der Betroffenen einschränkt, diese Entwicklung wird auch erhebliche Kosten verursachen. Schon jetzt ist ein Pflegeheim um 1.500 Euro im Monat teurer als die ambulante Pflege, erläutert Wiesehügel und spricht inzwischen schon von der „grauen Wohnungsnot“. Insgesamt werden 245.000 der zusätzlichen 500.000 Pflegefälle im Jahr 2020 ins Heim müssen. „Allein für diese zusätzlichen stationären Pflegekosten müssten dann rund 4,4 Milliarden Euro pro Jahr aufgebracht werden“, so der Koordinator der Kampagne Ronald Rast.

Graue Wohnungsnot wird zur sozialen Frage

Bis zum Jahr 2020 wird die Zahl der Über -80-jährigen von 3,7 Millionen auf fünf Millionen steigen. Daher ist laut Wiesehügel jetzt schon das Handeln der Politiker gefragt: „Wie sozial Deutschland tickt, das entscheidet sich nicht zuletzt daran, ob wir den Pflegebedürftigen ihre eigenen vier Wände und damit auch ihr vertrautes soziales Umfeld lassen oder nicht“.

Einen Lösungsansatz sieht die Kampagne in der Schaffung von steuerlichen Anreizen im Wohnungsneubau und einer besseren Förderung des altengerechten Wohnungsbaus.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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