Deutsche wollen im Alter zuhause wohnen

18. Januar 2011 | von

Die Deutschen wollen auch im Alter selbstbestimmt und am liebsten in der eigenen Wohnung leben. Doch das Angebot seniorengerechter Wohnungen kann mir der Nachfrage nicht Schritt halten: Noch immer werden zu wenige Wohnungen altersgerecht gebaut oder saniert.

Altersheim – nein Danke. Auf die Rundumbetreuung in einem Heim würden zwei Drittel der deutschen Mieter und Eigentümer ab 50 Jahren liebend gerne verzichten und stattdessen den Lebensabend selbstbestimmt in den heimischen vier Wänden verbringen. Knapp die Hälfte würde, wenn es notwendig wäre, die Wohnung oder das Haus altersgerecht umbauen. Lediglich ein Drittel der Befragten würde für altersgerechtes Wohnen auch im hohen Alter nochmal umziehen. Das ergab eine von Verbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie dem Deutschen Mieterbund (DMB) in Auftrag gegebene repräsentative Emnid-Umfrage.

Damit die Selbstständigkeit gewahrt bleiben kann, würden 57 % zusätzliche Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Erst, wenn die Selbstständigkeit verloren geht, würde eine große Mehrheit von 80% nochmals umziehen wollen.

Infrastruktur und Hilfen sind entscheidend

Dass im Alter nicht mehr alles so leicht von der Hand geht, darüber sind sich die Befragten im Klaren. Daher ist eine gute Infrastruktur mit Geschäften, Ärzten und öffentlichen Verkehrsmitteln in unmittelbarerer Nähe für 94 % der Befragten besonders wichtig, um die Selbstständigkeit zu wahren. Noch wichtiger ist nur noch die Möglichkeit, Hilfen und Unterstützung im Haushalt und bei der Pflege in Anspruch zu nehmen.
Auch die Ausstattung der Wohnung mit altersgerechter Technik oder Kommunikationsmitteln wie einem Hausnotruf ist den Befragten wichtig, genauso wie die barrierearme Erreichbarkeit der Wohnung durch einen Fahrstuhl oder Treppenlift. Auch innerhalb der Wohnung ist die gute Erreichbarkeit zum Beispiel der Dusche für 81 % ein entscheidendes Kriterium.

Doch eine gute Infrastruktur macht nicht alle Defizite wett. Sind die körperlichen Gebrechen zu einschneidend, wäre 77% der Befragten die Inanspruchnahme ambulanter Pflege wichtig. Unterstützung bei der Hausarbeit (69 %), bei kleineren Reparaturen (66 %), bei Einkäufen (66 %), bei Behördengängen (63 %), bei der Körperpflege (62 %), bei Arztbesuchen (60 %) sowie gemeinsame Unternehmungen (59 %) stehen bei Senioren hoch im Kurs.

Für einen solchen Service sind die Deutschen auch bereit, zusätzliche Kosten auf sich zu nehmen. Im Schnitt würden sie 280 Euro für ihre Selbstständigkeit investieren.

Verbände fordern Anreize für altersgerechten Neu- und Umbau

Problematisch könnte sich dabei der bisher nur spärlich vorhandene altersgerechte Wohnraum erweisen. Bislang entspricht nur ein Bruchteil der des Wohnraumes den Ansprüchen des Alters. Die Verbände fordert die daher Politik auf, „mehr Anreize zu schaffen, damit private Unternehmen in bezahlbaren altersgerechten Wohnraum investieren.“

„Es kann nicht sein, dass die Schere zwischen Aufgabe und Unterstützung immer größer wird“, so Walter Rasch, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. Es sei ein Mix aus Förderung und Anreizen, zum Beispiel durch die Fortführung des KfW-Programms ‚Altersgerecht umbauen’, notwendig.


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