Mieterhöhungen: jeder vierte Berliner will umziehen

19. Januar 2011 | von

Steigende Mieten werden auch in Berlin zu einem ernstzunehmenden Problem. Inzwischen denkt fast jeder vierte Hauptstädter über einen Umzug in eine günstigere Wohnung nach. Das ruft die Politik auf den Plan: Der Spitzenkandidat der Linken will die hohen Mieten zum Wahlkampfthema der Senatswahl machen – obwohl seine Partei die Privatisierung der Wohnungsgesellschaften mitzuverantworten hat.

Jahrelang galt Berlin als das El Dorado der Mieter. Im Vergleich mit den anderen deutschen Millionenstädten waren die Mieten selbst in beliebten Szenekiezen geradezu paradiesisch niedrig. Doch seit geraumer Zeit scheint sich die Lage zu verändern: In etlichen Stadtteilen wie Prenzlauer Berg oder Friedrichshain ziehen die Mieten deutlich an, heftige Mieterhöhungen wie in Berlin Buch sorgen für Schlagzeilen. Vom Münchener Mietniveau ist Berlin zwar noch weit entfernt, die Entwicklung sorgt bei den Berlinern inzwischen aber für einiges Kopfzerbrechen.

Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der „Berliner Zeitung“ zufolge denken knapp 23 Prozent der Berliner Haushalte, die in den letzten drei Jahren von einer Mieterhöhung betroffen waren, über einen Umzug in eine günstigere Wohnung nach. Da fast jeder zweite Haushalt in diesem Zeitraum von einer Mieterhöhung betroffen war, sind die Zahlen nicht zu vernachlässigen, zumal bei 28 Prozent die Mieterhöhung mit bis zu zehn Prozent recht deutlich ausfiel. Sieben Prozent der Betroffenen mussten gar bis zu 15 Prozent mehr für ihre Wohnung zahlen, für acht Prozent wurde es noch teuerer.

Diese Entwicklung ruft angesichts der in diesem Jahr anstehenden Abgeordnetenhauswahl zunehmend die Politik auf den Plan. So kündigte der derzeitige Wirtschaftssenator und Spitzenkandidat der Linken Harald Wolf an, die steigenden Mieten zum Wahlkampfthema zu machen. Das ist nicht ohne Geschmäckle, schließlich regiert seine Partei seit 2002 in Berlin mit und hat in dieser Zeit die Privatisierung von über 100.000 kommunalen Wohnungen mitzuverantworten. Dass die neuen Wohnungseigner dabei das Wohl der Mieter und stabile Mieten im Auge haben, war allerdings kaum zu erwarten.


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