Smart Meter: mangels attraktiver Stromtarife nur wenig Sparpotential

7. März 2011 | von

Zeitlich gestaffelte Stromtarife, mit denen sich die bei Neubauten vorgeschriebenen Smart Meter effektiv nutzen lassen, sind derzeit noch Mangelware und kaum wettbewerbsfähig. Zu diesem Urteil kam das Verbraucherportal Verivox in einer Untersuchung. Verbraucher müssten viel Aufmerksamkeit investieren, um überhaupt signifikant sparen zu können.

Seit 1. Januar 2010 müssen die sogenannten Smart-Meter, „intelligente Stromzähler“ zum zeitgenauen Messen des Stromverbrauchs, in Neubauten installiert werden. Seit Anfang dieses Jahres sind nun auch die Stromversorger verpflichtet, entsprechende zeitvariable Stromtarife anzubieten. Nur mit passenden Stromtarifen lässt sich das Potential der Smartmeter optimal nutzen. Verbraucher können ihren Stromverbrauch so genau analysieren, steuern und nach Möglichkeit sparen, z.B. durch ein Verlagern verbrauchsintensiver Tätigkeiten in günstige Zeitzonen. Doch offenbar klemmt genau an diesem Punkt die Säge.

Zeitvariable Stromtarife lohnen sich für den Verbraucher nicht

Einer Untersuchung des Vergleichsportals Verivox zufolge lohnen sich zeitlich gestaffelte Stromtarife für den Verbraucher derzeit kaum. Wird das „Standardlastprofil“ eines privaten Musterhaushaltes mit einem Verbrauch von jährlich 4.000 kWh zugrundegelegt, lassen sich mit einem zeitvariablen Stromtarif durchschnittlich gerade einmal 18 Euro pro Jahr sparen. Dabei nicht eingerechnet sind die Kosten für den Einbau des „intelligenten“ Stromzählers, der mit Kosten von 80 bis 150 Euro zu Buche schlägt. Der Verbraucher zahlt demnach erstmal jahrelang drauf.

Auf eine mangelnde Angebotsvielfalt lässt sich das enttäuschende Ergebnis nicht zurückführen. Insgesamt 96 der 100 größten Grundversorger würden laut Verivox derzeit einen zeitvariablen Tarif anbieten. Doch die optimale Lösung ist noch nicht in Sicht. Derzeit experimentieren die Stromversorger mit unterschiedlichen Angeboten, erklärte Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. Zum Teil seien die Tarife für den Verbraucher einfach noch zu kompliziert. „So gibt es etwa Tarife mit sechs unterschiedlichen Zeitzonen oder ein Teil des Strompreises wird an den stundengenauen Spotmarkt der Strombörse gekoppelt“, so Reese weiter. Verbraucher müssten eine hohe Aufmerksamkeit aufbringen, um Sparpotentiale zu ergründen. Der Aufwand werde derzeit noch nicht ausreichend mit günstigen Preisen belohnt.

Um überhaupt signifikant sparen zu können, müssten Nutzer nach Ansicht von Verivox ihr Verbrauchsverhalten massiv umstellen und das tägliche Leben dem „Diktat des Stromzählers unterwerfen“, denn ein Großteil der Energie lässt sich nicht auf günstige Zeitzonen verteilen. So laufen Kühlschrank und Gefriergeräten rund um die Uhr und auch die TV-Unterhaltung wird wohl niemand aus Kostengründen auf die Nachtstunden verschieben, zudem das Programm um diese Zeit wohl kaum die Lieblingsserie bereithält. Gleiches gilt für Ofen oder Herd, die dem täglichen Rhythmus des Verbrauchers entsprechend eingesetzt werden. Bleiben noch Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine, die entspechend programmiert werden müssen, damit sie nachts automatisch anspringen. Werden so ca. 10 Prozent des Verbrauches (400 kWh) auf die günstigen Tarifzeiten verschoben, erhöht sich die Einsparung auf durchschnittlich 44 Euro jährlich.

Anbieterwechsel bietet größere Sparpotentiale

Deutlich mehr lässt sich immernoch durch einen simplen Anbieterwechsel sparen, und das ganz ohne angepasstes Verbrauchsverhalten. Noch immer vertrauen große Teile der Bevölkerung auf den Tarif des Grundversorgers, der in den meisten Fällen deutlich teurer ist als alternative Angebote. Verivox zufolge lässt sich bei den 100 ausgewerteten Angeboten durchschnittlich 70 Euro pro Jahr durch einen Wechsel zum günstigsten Anbieter sparen.



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2 Kommentare zu Smart Meter: mangels attraktiver Stromtarife nur wenig Sparpotential

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