„Impulse für den Wohnungsbau“: Lieber Abreißen als Sanieren

24. März 2011 | von

Für mehr als jedes zehnte Haus in Deutschland gilt: Die Sanierung würde mehr kosten als ein Abriss und Neubau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“. Das Energiezeugnis fiel um einiges milder aus: Lediglich vier Prozent der Wohngebäude, die vor Ende der 1970er gebaut wurde, haben noch gar keine Modernisierung zugunsten des Energiesparens erfahren.

Die Baulobby frohlockt: In Deutschland müsste aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten fast jedes zehnte Haus abgerissen werden, weil eine Sanierung nicht mehr lohnt. Denn während die deutschen Hausbesitzer alte Gebäude weitestgehend energetisch saniert haben, wäre eine barrierefreie Modernisierung gegenüber Abriss und Neubau bei einem Großteil nicht rentabel.

Dies ergab eine bundesweite Studie zur Altbausubstanz in Deutschland, die das Bündnis aus Verbänden der Bau- und Immobilienbranche sowie der IG BAU und dem Deutschen Mieterbund „Impulse für den Wohnungsbau“ in Auftrag gegeben hat. Dafür nahm die Kieler „Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen“ (ARGE-SH) nahezu 36,2 Millionen Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in kleineren Mehrfamilienhäusern unter die Lupe. Im Fokus der Untersuchung „Wohnungsbau in Deutschland 2011 – Modernisierung oder Bestandsersatz“ standen die Flexibilität des Grundrisses und damit die Möglichkeiten der Barrierefreiheit – vor allem in Hinblick auf familien- altersgerechtes Wohnen – und der Energieverbrauch.

Energiezeugnis: gut

In puncto energetischer Sanierung kann die Studie ein positives Ergebnis vorweisen: Nur vier Prozent der alten Wohngebäude wurden überhaupt noch nicht energetisch saniert. Dagegen ist schon jede sechste Wohnung ist in Sachen Energiesparen weitgehend modernisiert. Der Bundesvorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Klaus Wiesehügel, führt dies auf die effizient nutzbaren Förderungen in diesem Bereich zurück und verweist auf die Programme des staatlichen Kreditinstituts für Wiederaufbau (KfW). Wiesenhügel plädiert weiterhin dafür, steuerliche Anreize für den energetischen Wohnungsbau zu schaffen, die Fördergelder zu erhöhen und zu verstetigen.

Barrierefreiheit: mangelhaft

Geht es um die Modernisierung von Altbausubstanz, sieht es dagegen finster aus. Die Studie ergab, dass für jedes zehnte Haus ein Abriss und Neubau rentabler sei als eine Vollsanierung. Dem Spiegel zufolge stehen durchschnittlichen 1075 bis 1350 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bei einem Neubau im Schnitt rund 270 Euro mehr Kosten pro Quadratmeter bei einer vergleichbaren Vollsanierung gegenüber. Vor allem Barrierefreiheit kann in den meisten alten Wohngebäuden gar nicht mehr ohne horrende Kosten errichtet werden. Dies ist vor allem im Hinblick auf die alternde Gesellschaft fatal. Laut Einschätzung von Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), braucht Deutschland bis zum Jahr 2025 knapp zwei Millionen altersgerechte Wohnungen. Im Moment seien nicht annähernd genug altersgerechte Wohnungen gebaut. Siebenkotten bemängelt, dass alte Menschen nicht deshalb auf Pflegeheime angewiesen seien dürften, nur weil barrierefreies Wohnen und ambulante Betreuung in ihren eigenen vier Wänden nicht möglich sei. In Deutschland muss langsam ein Umdenken stattfinden.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Bauen, News abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu „Impulse für den Wohnungsbau“: Lieber Abreißen als Sanieren

  1. Pingback: newerapublications.de » Blog Archive » „Impulse für den Wohnungsbau“: Lieber Abreißen als Sanieren – immobilo

  2. Pingback: „Impulse für den Wohnungsbau“: Lieber Abreißen als Sanieren – immobilo - Nachrichten heute

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.