Verbraucherschützer bemängeln Tchibos „Energie-Konzepthaus“

11. Mai 2011 | von

Auf den ersten Blick scheint das „Energie-Konzepthaus“ der Hamburger Firma Tchibo ein gutes Angebot zu sein: das günstigste Einfamilienhaus ist ab 170.000 Euro zu haben. Doch für die Interessenten können ungeahnte Mehrkosten entstehen, bemängeln die Verbraucherschützer von der Stiftung Warentest.

Die Kaffeerösterei Tchibo hat ihr Angebot schon seit geraumer Zeit auch auf andere Angebote außerhalb des Kaffeebohnen-Business ausgedehnt. Neben dem Verkauf diverser Non-Food-Artikel in den Tchibo-Filialen will das Hamburger Unternehmen nun auch auf den Energiesparzug aufspringen. Wurden Kunden im letzten Jahr noch mit günstigem Öko-Strom aus Norwegen gelockt, versucht das Unternehmen nun mit dem Vertrieb eines energiesparenden Konzepthauses zu punkten.

In Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Bremen hat die Stiftung Warentest das Tchibo- „Energie-Konzepthaus“ zum Schutz für Verbraucher nun einmal genauer unter die Lupe genommen – und fand etliche Probleme.

Etliche Kostenfallen drohen

Vornehmlich bezüglich der Finanzierung und anfallenden Kosten stellten die Verbraucherschützer erhebliche Mängel fest, so lautet das Ergebnis auf der Internetseite der Stiftung Warentest. Das Angebot biete den Bauherren weder Kosten- noch Planungssicherheit. Auf diese Weise könne das eigentlich sensationell günstige Haus schnell zur unüberschaubaren Kostenfalle werden. Diese Erkenntnisse beruhen auf der Überprüfung der geltenden Vertragsbedingungen für das Tchibo-Konzepthaus.

Das Energiekonzept für das Schnäppchenhaus, so die Stiftung Warentest, sei abenteuerlich. Denn so sei beispielsweise für die Erdwärmeanlagen des Energiesparhauses eine Bohrtiefe von mindestens 60m vorgesehen. Der Haken daran liegt hierbei darin, dass unvorhergesehene Probleme auftreten können, die den Bauherren teuer zu stehen kommen können, da er allein die Risiken für etwaige Hindernisse trägt. Dazu zählen z.B. wenn der Bohrer auf Felsgestein oder auf Grundwasser trifft oder das zuständige Amt gar einer Bohrung an der vorgesehenen Stelle nicht zustimmt. Auch wenn auf Grund der äußeren Einflüsse dann eine andere Heizung eingebaut werden muss, trägt die Kosten der Eigentümer. Auch die Lage des Grundstücks kann zu Mehrkosten führen, beispielsweise wenn das zu bebauende Grundstück an einem Hang liegt. Und so läppern sich die Mehrkosten für den Bauherren.

Laut Tchibo-Vertrag soll der Bauherr außerdem ein Versicherungspaket abschließen, welches ihn vor einer Insolvenz des Bauunternehmers schützen soll. Dieses gebe es laut Stiftung Warentest jedoch gar nicht. Weiterhin sei erst nach Vertragsabschluss klar, welche Fenster, Türen, Dachziegel, Sanitäranlagen und Elektrogeräte zur Ausstattung des Hauses gehören. Die nötigen Malerarbeiten und Fußbodenbeläge gehen über dies extra und belasten das Budget des Bauherren zusätzlich. Laut Vertag soll bereits bei Vertragsabschluss, also ohne dass von Seiten der Baufirma auch nur eine einzige Leistung erbracht wurde, eine Anzahlung von 2% erfolgen, welches eine unwirksame Vertragsvereinbarung darstellt.

Tchibo lenkt ein

In Reaktion auf die Ergebnisse der Stiftung Warentest räumte die Kaffeerösterei gegenüber Spiegel Online ein, den Vorwürfen nachgehen zu wollen. Unternehmenssprecher Arndt Liedtke betonte jedoch, dass das Tchibo-Konzepthaus auf einem schlüssigen Konzept basiere, welches vorab mit den Unternehmenspartnern ausgiebig geprüft wurde. Die Baufirma Hein von Heiden, mit der Tchibo die Zusammenarbeit pflegt, habe außerdem jahrelange Erfahrung im Hausbau. Sollten sich jedoch nach Prüfung der Vorwürfe der Stiftung Warentest neue Erkenntnisse ergeben, „werden wir den Vertrag anpassen“, so Liedtke.

Vor knapp einem Jahr versuchte sich bereits der schwedische Möbelriese IKEA als Fertighausbauer. Mit der Tochterfirma Boklok (Wohne clever) sollten an verschiedenen Standorten Häuser im nordeuropäischen Stil und zu günstigen Preisen an den Mann gebracht werden. Nachdem die Eigenheime auf Grund des großen Interesses noch per Los verkauft werden sollten, erlahmte der Run bald merklich – weil die Stiftung Warentest erhebliche Mängel bei Häusern und dem Vertragswerk fand. IKEA musste nachbessern und wagte nun fast ein Jahr später einen erneuten Anlauf.


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