Starker Algenbefall an Hausfassaden gibt Grund zur Sorge

16. Mai 2011 | von

Hauseigentümer und Wohnungsunternehmen entdecken zunehmend einen hohen Algenbefall an ihren Hausfassaden. Das glibberige Grün ist jedoch nicht nur ein ästhetisches Problem, es geht auch oft mit einem starken Schimmelbefall einher, welcher ein großes gesundheitliches Risiko darstellt.

In Deutschland sterben jährlich 2.500 Menschen an den Folgen einer Schimmelpilzinfektion. Schimmel wächst oft dort, wo eine relativ hohe Feuchtigkeit vorhanden ist – und das ist oft genug in Wohnung und Haus. Bei Hausfassaden, die mit Platten aus Polystyrol, Polymethan, Glas und Steinwolle saniert wurden, kommt es verstärkt zu erhöhtem Algenbefall – mit der Folge, dass die Algen in den Wärmedämmungen der Häuser die ungeliebten Pilze anziehen.

Hauseigentümer und Wohnungsunternehmen sehen sich immer mehr mit einem starken Algenbefall ihrer Hausfassaden konfrontiert. Die sogenannte Grünalge „Fritschiella“, welche normalerweise nur auf Waldböden wächst, lagert sich an gedämmten Wänden und kann binnen kürzester Zeit den Putz und die Wärmedämmung eines Hauses zerstören. Da kommen die von der Bundesregierung vorgebenden Klimaschutzziele zur Gebäudesanierung den Eigentumsbesitzern recht ungelegen, denn die strengen Vorgaben sind mit hohen Kosten verbunden. Hinzu kommt, dass frisch sanierte Wände innerhalb eines Jahres mit einer Algenschicht überzogen sind und das Haus marode erscheinen lassen, welches zukünftige Mieter deutlich abschrecken dürfte.

Neben dem ästhetischen Problem droht auch eine gesundheitliche Gefahr durch den starken Algenbefall. „Wo die winzigen pflanzenartigen Lebewesen wachsen, tummeln sich automatisch auch Schimmelpilze“, erläutert der Leipziger Bauingenieur und Chemiker Peter Rauch gegenüber „welt.de“. Schimmelpilze benötigen deutlich weniger Feuchtigkeit als Algen, da diese erst bei einer Umgebungsfeuchte von 92 Prozent wachsen. Die Konsequenz daraus: Liegt erst einmal ein Algenbefall vor, ist auch mit einer deutlich höheren Pilzkonzentration an der Hausfassade zu rechnen. Das gesundheitliche Risiko an Schimmelpilzinfektionen zu erkranken ist somit sehr hoch und kann im schlimmsten Fall gar bis zum Tod führen.

Die Ursachen des Algen-und Schimmelbefalls sind unklar

Über die Ursachen des Algen- und Schimmelbefalls gehen die Expertenmeinungen stark auseinander. Die einen haben die hohe Feuchtigkeit in den Wänden als Grund ausgemacht, die anderen hingegen sprechen von einer zu starken Wärmedämmung, welche keine Wärme speichern kann.

„Algen und Schimmelpilze wachsen überall dort, wo es feucht ist.“, äußert sich Peter Seelig, Geschäftsführer des Gesamtverbands Dammstoffindustrie (GDI) gegenüber „welt.de“ und sieht in den Fehlkonstruktionen der Häuser die Ursache für den Schimmelbefall.
Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB ist jedoch gegenteiliger Meinung und sieht die Ursache für einen starken Algen- und Schimmelbefall in der Wärmedämmung. Demnach können die stark gedämmten Fassaden keine Sonnenwärme speichern und werden nicht durch die Innenluft erwärmt. Algen und Pilze würden laut dem Experten Ulrich Schiffler, Bremer Architekt und Bausachverständiger, durch die Feuchtigkeit, welche in der Luft kondensiert, auf der dünnen Putzschicht des Hauses einen guten Nährboden vorfinden. Zudem kann Kondenswasser, die Fassade eines Hauses stark angreifen und diese erheblich beschädigen. „Wenn das Wasser im Winter in winzige Löcher in der Struktur eindringt und gefriert, kann es mit den Jahren erst den Putz und später die darunter liegende Dämmung sprengen.“, sichert Ulrich Schiffler „welt.de“ zu.

Die Baustoffindustrie versucht bislang mit Farben und Putzen, die pilztötende Fungizide und algenschädliche Biozide enthalten, lästigen Schimmel und glibberigen Algen den Kampf anzusagen.


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2 Kommentare zu Starker Algenbefall an Hausfassaden gibt Grund zur Sorge

  1. In Berlin kämpfen wir aufgrund steigender Grundwasserpegel seit längerem in diversen Bezirken mit diesem Problem.

  2. Gisbert sagt:

    Es gibt ja kaum noch ein Haus älterer Jahrgänge, dass nicht irgendwelche offensichtlichen Mängel und probleme mit Algenbefall oder sonstigem zu kämpfen hat. Es gibt definitiv Möglichkeiten, dem entgegenzutreten, aber dafür müssten sich so einige Hausbesitzer erst einmal aufraffen und manchem müsste fast schon eingehämmert werden, dass das mehr als nur gesundheitsschädlich ist. Ein paar Ignoranten laufen da draußen ja leider imme rnoch rum.

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