Berlin: Neubauprogramm mangelhaft

30. November 2011 | von

Der Koalitionsvertrag des Berliner Senats sieht vor, in dieser Legislaturperiode 30.000 Neubauten zu errichten. Investoren und Makler schlagen Alarm: Bei einer so geringen Anzahl seien steigende Mieten unumgänglich.

Investoren und Makler kritisieren den Berliner Senat: Die im Neubauprogramm geplanten 30.000 Wohnungen seien nicht ausreichend, um den Druck vom Berliner Wohnungsmarkt zu nehmen. Rot-Schwarz hatte diese Regelung jüngst im Koalitionsvertrag verankert. Für Immobilienexperten jedoch steht fest: Die geplanten Neubauten können die Situation nicht verbessern, als Folge werden demnächst die Mieten erneut ansteigen.

Die Erklärung ist einfach: Die Anzahl an neu gegründeten Haushalten liegt fast doppelt so hoch wie die Zahl der geplanten Wohnungen. Der Gedanke, den Neubau anzukurbeln, sei zwar löblich, reiche in diesem Maße allerdings nicht aus. „30 000 neue Wohnungen decken nicht den Bedarf der neu in Berlin entstehenden Haushalte“, bestätigt Jörg Schwagenscheidt, Geschäftsführer bei der Wohnungsbaugesellschaft GSW, gegenüber den Potsdamer Neusten Nachrichten. Die Aktiengesellschaft, ehemals Wohnungsbaugesellschaft des Landes Berlin, profitiert von der steigenden Nachfrage bei geringem Angebot, da so die Mieten steigen und somit auch der Aktienwert der GSW. Dabei kommen die Neu-Berliner nicht nur aus Deutschland, aus der ganzen Welt scheint man zur Zeit in die deutsche Hauptstadt ziehen zu wollen.

Berliner investieren vermehrt in Eigentum

Die Zahlen des Immobilienverbands Deutschland (IVD) sprechen Bände, im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Umsatz mit Wohnhäusern verdoppelt. 1,8 Milliarden Euro wurde in Berlin mit 860 Mietgebäuden umgesetzt, 8.000 Eigentumswohnungen im Wert von 1,3 Milliarden Euro haben den Besitzer gewechselt. Der Markt boomt, viele investieren, um von den hohen Renditen bei Vermietung zu profitieren oder bei Eigenbedarf die teuren Mietzahlungen zu umgehen.

Vor allem Haushalte, die sich Eigentum oder hohe Mieten nicht leisten können, dürften bald vor einem Problem stehen. Experten prognostizieren, dass der Trend der steigenden Mieten wohl auf mehrerer Jahre anhalten wird. Allein in diesem Jahr ist der Mietzins um 3,3 Prozent in durchschnittlichen Wohnlagen und sogar um 4,8 Prozent in begehrten Vierteln gestiegen. Die Idee des Senats, den Neubau anzukurbeln, ist also unterstützenswert. Den Bau günstiger Mietshäuser will man dadurch beschleunigen, dass landeseigene Grundstücke billiger oder gar kostenlos den Bauträgern überlassen werden. Baugesellschaften wie der börsennotierte schwedische Baukonzern NCC zeigen sich begeistert: „Wenn wir das Grundstück umsonst bekommen, dann können wir Wohnungen für Mieten von 5,80 Euro pro Quadratmeter und Monat bauen“, so Deutschlandchef Nils Olov Boback. Damit läge man nur minimal über dem Durchschnitt des Mietspiegels. Zum Vergleich: Bisher musste man beim Neubau mit Mieten ab 8 Euro rechnen.

Bauträger, Makler und Wohnungsgesellschaften profitieren

Vorteil von den steigenden Mieten haben allerdings die Bauträger, Makler und Wohnungsgesellschaften: Wenn die Kosten für Mietobjekte hoch sind, denken mehr Berliner über Eigentum nach. Der historische Tiefstand bei Zinsen für das Baugeld tut sein übriges. Der rot-schwarze Senat weiß die Euphorie zu bremsen: Die Erhöhung der Grunderwerbsteuer trifft gerade die privaten Haushalte, die sich mit mittleren Einkommen sowieso schwer damit tun, das erforderliche Eigenkapital für den Grunderwerb aufzubringen.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Bauen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.