SEB wird ehemaliges Daimler-Quartier nicht los

19. Dezember 2011 | von

Das ehemalige Daimler-Quartier am Potsdamer Platz in Berlin erweist sich für die skandinavische Bank SEB als Ladenhüter. Die Eigentümer wollten das Grundstück im Herzen der Hauptstadt für 1,48 Milliarden Euro veräußern, potenzielle Käufer boten maximal rund eine Milliarde Euro. Das hat auch Folgen für die Anleger, denn nun kann SEB nicht wie geplant ihren eingefrorenen Immobilienfonds SEB Immoinvest wieder eröffnen.

Immobilien am Potsdamer Platz, eine der Top-Adressen in Berlin, dürften sich verkaufen wie warme Semmeln, könnte man meinen. Die skandinavische Bank SEB wurde jüngst eines besseren belehrt: Die Besitzer des ehemaligen Daimler-Quartiers mussten zunächst das nur mäßige Kaufinteresse am Grundstück verdauen, jetzt wird klar, dass potenzielle Käufer auch nicht bereit sind, die angepeilten 1,48 Milliarden Euro zu zahlen. Wie die Montagausgabe der „Berliner Morgenpost“ aus Verhandlungskreisen verlauten ließ, wurden nur rund eine Milliarde Euro für das Grundstück geboten. Mit dem eingenommenen Geld wollte die SEB ihren seit etwa eineinhalb Jahren eingefrorenen Immobilienfonds SEB Immoinvest noch in diesem Jahr wiedereröffnen. Dieser Plan wird sich bei einem Erlös von nur einer Milliarde nicht verwirklichen lassen.

Mit 6,3 Milliarden Euro gehört SEB Immoinvest zu den nationalen Schwergewichten unter den Immobilienfonds. Anleger hatten nach Ausbruch der Finanzkrise versucht, Beträge im Milliardenhöhe in kürzester Zeit abzuziehen, weshalb der Fonds wie elf andere eingefroren werden musste: Der SEB war es nicht möglich, auf einen Schlag genug Immobilien zu veräußern. Kann der Fonds nicht innerhalb einer Frist von zwei Jahren wieder eröffnet werden, wird er abgewickelt. Dieses Schicksal ereilte schon sechs der elf Immobilienfonds, denen es nicht möglich war, durch Immobilienverkäufe genügend Liquidität zu erlangen und so den Kapitalrückforderungen der Anleger gerecht zu werden.

SEB konnte bisher lediglich 14 Immobilien aus dem Fonds oberhalb der Buchwerte veräußern und somit 1,4 Milliarden Euro an Barmitteln erwirtschaften. „Die SEB kann die Anleger nur dann im Immoinvest halten, wenn es ihr gelingt, das Quartier zu verkaufen“, bestätigt auch ein Makler, der Einblick in die Verkaufsverhandlungen hat, gegenüber der Berliner Morgenpost. Da dies auch den Interessenten bekannt ist, versuchen diese, den Preis mit 1 Milliarde deutlich unter Buchwert zu drücken. Wegen der Euro-Krise seien viele Banken momentan auch nur eingeschränkt in der Lage, großen Immobilienfinanzierungen zu stemmen, so Experten. Damit schränkt sich die Anzahl der Interessenten für Objekte am Potsdamer Platz auf nur wenige Staatsfonds und große Altersvorsorgeeinrichtungen aus den USA und Europa ein.

Die SEB hatte das Areal Ende 2007 von Daimler für rund 1,4 Milliarden Euro gekauft. Das Quartier beherbergt unter anderem das Hotel Grand Hyatt, das Musicaltheater und das Cinemaxx-Kino.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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