Passivhaus in Hamburg-Wilhelmsburg: Wohnen mit Algenfassade

12. April 2012 | von

Ein modernes Wohnhaus auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau leistet einen Beitrag zur Aufwertung Wilhelmsburgs – und zu einer energieeffizienten Zukunft. Hinter einer lebenden Algenfassade entstehen 15 neue Wohnungen.

Das Passivhaus in Wilhelmsburg wird mit Algenreaktoren betrieben. Foto: SSC GmbH / Dr. Martin Kerner

Das Passivhaus in Wilhelmsburg wird mit Algenreaktoren betrieben. Foto: SSC GmbH / Dr. Martin Kerner

Efeuranken waren gestern – ein neuartiges Bauprojekt in Hamburg-Wilhelmsburg präsentiert den Trend von morgen: die Algenfassade. Was bislang nur unter Wasser zu sehen war, findet sich jetzt am „Algenhaus“ auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau (igs 2013). Mit dem Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) zeigen die Investoren Otto Wulff Bauunternehmung GmbH und SSC Strategic Science Consult GmbH, wie Wohnungsbau mit Biomaterial verknüpft werden kann. Das fünf Stockwerke hohe Haus ist, Informationen des Abendblatts zufolge, nach Angaben der Investoren „weltweit das erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade als Teil eines ganzheitlich regenerativen Energiekonzepts“.

Die Idee: In Glaspaneelen werden Mikroalgen gezüchtet, die sich vermehren und durch Fotosynthese und Solarthermie Biomasse und Wärme produzieren. Aus der Wärme wird Heizenergie für die Innenräume gewonnen, die Biomasse wird ebenfalls energetisch verwertet und zu Biogas umgewandelt. Zudem bietet das Dach des Algenhauses die Möglichkeit zur Gewinnung von Strom über Fotovoltaik. Darüber hinaus hat das kubische Gebäude zwei unterschiedliche Fassaden: Südwest- und Südostfassade sind mit den Glaspaneelen bestückt, die vorgeblendeten Bioreaktorfassaden erzeugen dabei die Energie für den Bau und dienen gleichzeitig zur Lichtsteuerung und Beschattung des Gebäudes.

Das ungewöhnliche Gebäude vereint also ein Energiekonzept der Zukunft mit einem einzigartigen Design. Die Algen sorgen nicht nur für das Beheizen der Wohnungen, sondern sind auch interessant anzusehen: Durch ihr regelmäßiges Wachstum ist die Biomasse in ständiger Bewegung und die Fassade verändert ihre Farbe. Anfang 2013 werden 15 Mietparteien in das Haus mit der Algenwand freigegeben, die Wohnungen werden 50 bis 120 Quadratmeter groß sein. Das ungewöhnliche Wohnen hat jedoch seinen Preis: Die Netto-Kaltmiete wird bei zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter liegen – der Wilhelmsburger Durchschnittsmietpreis liegt bei rund 6,50 Euro pro Quadratmeter.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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