Lehmhäuser: Doch nicht so gesund?

23. April 2012 | von

Lehm ist als Baustoff wieder in Mode gekommen. Gerade Menschen, die sich einem nachhaltigen Lebensstil verschrieben haben und auch so wohnen wollen, entscheiden sich oft für ein Lehmhaus. Doch eine aktuelle Studie zur radioaktiven Strahlung zeigt, dass Lehmhäuser die Gesundheit beeinträchtigen können.

In Fachwerkhäusern ist traditionell Lehm verbaut. Heute wird Lehm für den ökologischen Hausbau verwendet. Foto: Erika Hartmann/ pixelio.de

In Fachwerkhäusern ist traditionell Lehm verbaut. Heute wird Lehm für den ökologischen Hausbau verwendet. Foto: Erika Hartmann/ pixelio.de


Ein Haus aus Lehm birgt einige Vorteile. Für Hausstauballergiker ist es besonders geeignet, da sich durch den Lehm nicht so viel Staub bilden kann. Auch der Umwelt tut ein Lehmhaus gut: Beim Bau werden weniger Schadstoffe produziert und der Naturbaustoff lässt einen Abriss ohne viel Bauschutt zu. Spiegel Online berichtet nun allerdings von einer Studie des Helmholtz-Zentrum München, dass die Strahlenbelastung in einem Haus, welches komplett aus Lehm gebaut ist, den Richtwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überschreiten kann.

Chemische Vorgänge im Lehmhaus

Lehm beinhaltet einen Stoff, dem wegen der vielen positiven Eigenschaften des Baustoffs nur wenig Beachtung geschenkt wird. Es enthält den chemischen Stoff Thorium, zu dessen Zerfallsprodukten Thoron gehört, ein radioaktives Isotop des Edelgases Rodon. Die Halbwertzeit von Thorium liegt bei 14 Milliarden Jahren, ein Zeitraum, den vermutlich kein Haus überleben wird. Thorium hat zwar eine längere Halbwertzeit als Uran, ist allerdings auch weniger radioaktiv.

Nach Angaben von Spiegel Online wurde in dem getesteten Haus in Bayern zwei Wochen lang die radioaktive Strahlung gemessen. Nach Abschluss der Messungen wurde der Wert auf ein Jahr hochgerechnet. Nach dieser Studie würde eine Person, die sich zehn Stunden täglich in dem Haus aufhalten würde, einer zusätzliche Dosis von 1,6 Millisievert pro Jahr ausgesetzt sein. Die durchschnittliche Strahlenbelastung aus natürlichen Quellen in Deutschland beträgt 2,1 Millisievert pro Jahr. Auf Grund der Messbedingungen in dem Fachwerkhaus ist anzunehmen, dass der Wert höher liegen müsste. Spiegel Online erfuhr aus einem Gespräch mit der Forscherin Gierl, dass die Strahlenbelastung in einem vollständig aus Lehm gebauten Haus mit geringem Luftwechsel 4,6 Millisievert pro Jahr betragen würde. Die WHO hat einen Wert von 3,0 Millisievert radioaktiver Belastung in der Atemluft festgelegt, ab es wird eine Reduzierung der Strahlung empfohlen, da es sonst zu gesundheitlichen Schäden kommen kann. Das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken, steigt ab 3,0 Millisievert beträchtlich.

Lehmbau als Risiko?

Eigentlich stellt das Isotop Thoron keine gesundheitlichen Risiken dar. Dieses Radon-Isotop hat lediglich eine Halbwertzeit von 55 Sekunden und bildet sich normalerweise nur im Erdreich. Das bedeutet, dass es durch Bauweise und Strahlenschutzmaßnahmen gar nicht im Haus und damit bei den Bewohnern ankommt. Die Situation im Lehmhaus gestaltet sich allerdings anders, schließlich wird hier das Isotop durch die Vorkommnisse von Thorium im Lehm direkt in den Wänden des Hauses gebildet und kommt so auch in die Atemluft der Hausbewohner.

Bei der Bewertung des Risikos durch die Strahlung von Thoron sind die Forscher noch zu keinem Ergebnis gekommen, es werden noch weitere Experimente vom Helmholtz-Zentrum durchgeführt. Gebrannte Lehmziegel sind nicht gefährlich, durch die geschlossenen Poren können kaum radioaktive Isotope austreten. Würden die Forscher ein erhöhtes Risiko durch Lehmwände, Putz oder ähnliches feststellen, müssten die Bewohner zum Beispiel durch spezielle Lüftungssysteme vor den radioaktiven Isotopen geschützt werden.

Generell wird Lehm als Baustoff sich wohl trotzdem bewähren, da konventionelle Baustoffe neben ihrer Radioaktivität vor allem Giftstoffe enthalten, die die Gesundheit ebenfalls stark beeinträchtigen können.


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