Energiearmut: Strom für viele unbezahlbar

17. Mai 2012 | von

Hunderttausende Haushalte in Deutschland sind nicht mehr in der Lage, ihren Strom zu zahlen – verschlimmert haben die Situation die steigenden Preise durch die Energiewende. Energiearmut ist damit kein Randphänomen mehr.

Energiepreise steigen

Vor allem im Winter werden die hohen Energiepreise zu spüren sein, dann heißt es Schal und Wollpullover statt Heizung. Foto: istockphoto

Steigende Energiekosten werden zunehmend zum Problem für viele Verbraucher, immer mehr können das Geld für ihre Stromrechnung nicht mehr aufbringen. „Früher war Energiearmut ein Randphänomen, doch mittlerweile ist es für viele ein Alltagsproblem geworden“, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Klaus Müller, der „Welt am Sonntag“. Nach seinen Angaben haben inzwischen 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung große Probleme damit, die Energiekosten zu finanzieren. Am stärksten betroffen seien Geringverdiener und Rentner. Hartz IV-Empfänger stünden etwas besser da, weil die Sozialbehörden üblicherweise zumindest die Heizkosten übernähmen.

Medienberichten zufolge ergab eine Umfrage der Verbraucherschützer bei Versorgern, dass bei rund 600.000 Haushalten jährlich wegen offener Rechnungen der Strom abgedreht wird. Vor allem aufgrund des starken Ausbaus erneuerbarer Energien hatten sich die Strompreise im Jahr 2011 um rund zehn Prozent erhöht und auch im ersten Halbjahr 2012 setzt sich der Aufwärtstrend fort. Nach jüngsten Angaben des Verbraucherportals Toptarif haben seit Januar rund 420 Grundversorger ihre Preise um durchschnittlich 3,5 Prozent angehoben, das bedeutet je nach Haushaltsgröße eine jährliche Mehrbelastung von 20 bis 60 Euro, in manchen Regionen sogar von mehr als 150 Euro. Im Mai und Juni wird der Strom bei 30 Unternehmen sogar um 4,9 Prozent teurer.

Die Schuld für die zunehmende Energiearmut gibt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, der Bundesregierung. „Schwarz-Gelb hat stromintensive Betriebe bei den Netzentgelten massiv entlastet – dieser Einnahmeausfall treibt die Kosten für Verbraucher und Mittelstand in die Höhe“, sagte Künast in der „Welt am Sonntag“. „Hier werden soziale Schieflagen bewusst organisiert.“ Der FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, wirft Medienberichten zufolge der CDU vor, das Problem der steigenden Energiepreise kleinzureden. Damit Strom bezahlbar bleibe, seien neue Kohle- und Gaskraftwerke notwendig sowie eine dauerhafte Kontrolle der Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.



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