Mieten | Sozialwohnungen Sozialwohnungsmangel in Deutschland

30. August 2012 | von

Circa vier Millionen Sozialwohnungen fehlen in Deutschland, der Bestand sinkt zudem rapide. Verbände fordern einen „Masterplan für den sozialen Wohnungsbau“.

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt sind derzeit circa 1,6 Millionen Sozialwohnungen verfügbar, der Bedarf beläuft sich einer aktuellen Studie des Pestel-Institutes auf 5,6 Millionen Sozialwohnungen – eine Diskrepanz von vier Millionen Wohnungen. Das fehlende Angebot an Sozialwohnungen verschlechtert die Wohnungsmarktsituation für Geringverdiener zusätzlich, weil der derzeitige Immobilienboom insbesondere in den Großstädten für steigende Preise sorgt.

Matthias Günther, Leiter des Pestel-Institutes, spricht von einer drastischen Verschlechterung des Angebotes an Sozialwohnungen in den letzten Jahren. Pro Jahr seien durchschnittlich 100.000 Sozialwohnungen vom Markt genommen worden. Er fürchtet, dass die Grenze von 1,5 Millionen Sozialwohnungen schon Ende dieses Jahres unterschritten werden könnte.

Zahl der Sozialwohnungen sinkt rasant

Gab es Ende des Jahres 2010 in Deutschland noch rund 1.660.000 Sozialwohnungen, waren es im 2002 noch fast 800.000 Wohnungen mehr. In Baden-Württemberg beispielsweise hat sich die Zahl der mietpreisgebundenen Wohnungen in den acht Jahren sogar halbiert, 2010 standen insgesamt noch 65.000 Sozialwohnungen zur Verfügung. In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl von circa 840.000 auf 540.000 Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung. Ähnlich sieht es in anderen Teilen Deutschlands aus.

Kommunen fehlt das Geld

Die schlechte finanzielle Situation der Kommunen führt dazu, dass der soziale Wohnungsbau weiterhin vernachlässigt wird. Die Linken-Abgeordnete Caren Lay plädiert deshalb für eine Neuauflage des sozialen Wohnungsbaus, um eine Wohnungsnot zu verhindern. Auch Institutsleiter Günther fordert mehr sozialen Wohnungsbau. Insbesondere Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner hätten einen großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Bund, Länder und Kommunen müssten deshalb dieses Problem zusammen angehen. Der Neubau von Sozialwohnungen müsste schnell angekurbelt werden, sagt Günther in einer Pressemitteilung des Deutschen Mieterbundes.

Um das zu erreichen, hat sich eine Wohnungsbauinitiative aus Deutschem Mieterbund, der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Architekten und Ingenieure und dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel zusammengeschlossen. Die Wohnungsbauinitiative fordert strengere Kontrollen für das Geld, welches die Länder vom Bund für den sozialen Wohnungsbau bekommen, außerdem müssten die Finanzmittel aufgestockt, statt gekürzt werden, wie es die Bundesregierung ab 2014 plant.

Im Jahr müssten 130.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden, um den momentanen Stand zu halten, um den Abwärtstrend abzufangen müssten allerdings zusätzliche 40.000 bis 50.000 Sozialwohnungen jährlich gebaut werden.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter Mieten abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.