Mieten | Wohnraum als Luxusgut Thema Wohnungsnot erreicht endgültig die Massenmedien

13. November 2012 | von

Seit Wochen berichtete „news.immobilo.de“ über die sich zuspitzende Problematik auf dem Wohnungsmarkt in vielen deutschen Groß- und Studentenstädten. Erst am Wochenende demonstrierten Tausende aufgebrachte Mieter in betroffenen Städten. Unbezahlbare Mieten, dreiste Makler und die Verdrängung sozial schwächerer Schichten halten nicht nur die Bürger in Atem, sondern waren am gestrigen Montag Thema bei „Hart aber fair“.

“Mieten, Makler, Nebenkosten – wird Wohnen zum Luxusgut?”, so lautete die Frage, die TV-Moderator Frank Plasberg am Montagabend in der Sendung „Hart aber fair“ mit seinen Gästen diskutierte. Dass die Thematik nicht nur ein Hype ist, der in den Medien kursiert, machte zu Beginn der Sendung die Hamburger Studentin Anna-Sophie Rolof klar.

Seit Wochen ist sie mit ihrem Freund verzweifelt auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung in der Hansestadt. Sie schilderte, dass Wohnungsbesichtigungen mit 50 Leuten in Hamburg an der Tagesordnung sind. Gerade Studenten und Menschen mit geringen Einkommen hätten meist schlechte Karten: Mehr als 30 Absagen erhielt die Studentin bereits. Falls sie bis in einer Woche keine Wohnung findet, heißt es für sie und ihren Freund: zurück zu den Eltern. Es könnte aber auch noch schlimmer kommen. Wer keine Verwandtschaft in der Umgebung hat, dem bleibt oft nichts anderes übrig als ein Feldbett in einer Notunterkunft zu beziehen.

Auf dem Podium saßen Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), Andreas Stücke (Vertreter für Eigentümerverband Haus und Grund), Jan-Marco Luczak (CDU-Experte für Mietrecht sowie Rechtsanwalt und Hausverwalter) und Eckard Pahlke (Vizepräsident des Deutschen Mieterbundes). Besonders die Fürsprecher der Hauseigentümer kamen dabei in Erklärungsnot. In vielen Ballungsräumen würde es inzwischen zugehen wie im Haifischbecken, so der Moderator.

Wohnungsnot als sozialer Sprengstoff

Auch der Vizepräsident des Deutschen Mieterbundes Eckard Pahlke äußerte sich mit Besorgnis. Gerade die jüngsten Demonstrationen in Hamburg und andern Städten hätten gezeigt, dass das Thema enormen sozialen Sprengstoff berge. In Hamburg würden viele Menschen inzwischen sogar wieder mit der Hausbesetzerszene sympatisieren. Dies sei ein Zeichen, wie ernst die Lage sei.

„Haus und Grund“ Vertreter Stücke versuchte, die zunehmende Teuerung der Mieten mit steigenden Energiekosten zu erklären, und weist eine Schuld der Hauseigentümer zurück. Es könne nicht die Rede von einem Haifischbecken sein. Auch Stücke räumte auf erneute Nachfrage jedoch ein, dass sich die Situation in den Ballungsräumen angespannt hätte. Auch dies sei die Schuld der Politik, die es in den letzten Jahren nicht geschafft hätte, genügend Anreize für Investoren zu schaffen.

Wohnen in guter Lage: Privileg oder Bürgerrecht?

CDU-Mietrechtsexperte Luczak trat mit dem Statement an, dass wer wirklich eine Wohnung suche, diese auch finde. Allerdings gebe es kein verbrieftes Recht auf Wohnen in den beliebtesten, zentralen Großstadtvierteln.

Renate Künast von den Grünen sieht das anders, in ihren Augen besteht ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum – auch in guten Lagen. Um diesen zu gewährleisten, schloss die Fraktionsvorsitzende auch Maßnahmen wie eine gesetzlich festgelegte Mietobergrenze in Ballungsräumen nicht aus.

Nicht nur für die Miete muss tief in die Tasche gegriffen werde: Maklercourtage und Energiekosten schlagen zusätzlich zu Buche

Auch die Themen Maklerqualifikation und -courtage kamen im Polittalk zur Sprache. So ergab die Zuschauerabstimmung, dass fast zwei Drittel aller Befragten für die Einführung des Bestellprinzips sind. Heist: Wer den Makler bestellt, soll ihn auch bezahlen.

Zum Schluss befragte Plasberg Energie-Experte Udo Sieverding zum Thema Energiekosten. Diese seien in den letzten Jahren so stark wie noch nie angestiegen. Nicht umsonst würde man bei den Nebenkosten inzwischen von der zweiten Miete sprechen, so Sieverding. Zu den Kosten für energetische Sanierungen würden oft auch allgemeine Instandhaltungskosten illegalerweise auf die Mieter umgelegt. Der Verbraucherexperte empfielt deswegen, sich bereits im Voraus rechtlich abzusichern.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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