Energie | Energetische Sanierung Wärmedämmung: Umweltschutz oder Gefahrenquelle?

27. November 2012 | von

Energetische Sanierungen werden dem Verbraucher als ökologisch sinnvoll und auf lange Sicht kostensparend verkauft. Was wirklich hinter dem Dämmen von Fassaden steckt und welche Gefahren bei den verwendeten Materialien lauern, damit beschäftigte sich am Montagabend die NDR-Sendung „Wärmedämmung – Der Wahnsinn geht weiter“.

Bereits vor einem Jahr berichtete „45 Min. Wahnsinn Wärmedämmung“ über die zum Teil enormen Sicherheitsrisiken, die durch neue Methoden der Wärmedämmung entstehen. Ein Jahr später hat die Politik immer noch keine Antworten auf die Sicherheitslücken gefunden. Ein zweiter Teil der Reportage zeigte gestern deswegen erneut die Missstände bei der Wärmedämmung auf. Hinter den Versäumnissen, die gesetzliche Lage zu verschärfen, könnte wie so oft die Industrie-Lobby stecken, mutmaßt die Sendung.

Wärmedämmstoff Styropor ist leicht entflammbar

Gezeigt wurde unter anderem, dass mit Styropor isolierte Fassaden viel zu schnell Feuer fangen, was im Brandfall verheerende Folgen haben kann. So auch bei einem Hausbrand im Mai dieses Jahres in Frankfurt am Main: Nachdem das sechsstöckige Wohnhaus Feuer gefangen hatte, stand innerhalb von wenigen Minuten die ganze Fassade in Brand. Der Grund: Das Gebäude war kurz zuvor mit Polystyrol – auch bekannt als Styropor – zur besseren Wärmedämmung verkleidet worden. Herumliegende Polystyrol-Platten hatten Feuer gefangen; im Nu brannten auch die umliegenden Gebäude und Fahrzeuge lichterloh.

Styropor-Isolierungen als tickende Zeitbombe

Verwendet wird Styropor zur Dämmung an Millionen Deutscher Hausfassaden. Kein Wunder, denn der in Deutschland am häufigsten verwendete Dämmstoff gilt bis heute als schwer entflammbar. Der Frankfurter Branddirektor Prof. Reinhard Ries hält diese Isolierungen allerdings für eine tickende Zeitbombe. Nach dem Brand in Frankfurt sagte er dem NDR, dass der Dämmstoff Styropor unbedingt überprüft werden müsse, das weitere Verbauen hält Ries für sehr fragwürdig.

Prüfungsanstalten lehnen Test ab

Eine solche Überprüfung schreibt prinzipiell die DIN-Vorschrift 4102 vor. Der NDR wollte im Vorlauf der gestrigen Sendung einen solchen Materialtest für Polystyrol durchführen lassen, erhielt von den zuständigen Instituten jedoch lediglich Absagen. Die Macher der Sendung vermuten, dass hinter dem Ablehnen der Prüfung die Abhängigkeit der Prüfungsanstalten von der Industrie steckt. Zudem halten ausgewiesene Brandschutzexperten die angewendeten Prüfverfahren für nicht ausreichend.

Interessensverbände unter Verdacht: Wer steckt wirklich hinter der Wärmedämmung?

Diskutiert wurde die Sicherheit von Polystyrol auch im Rahmen der Bauministerkonferenz mit dem Ergebnis, dass alles bleiben soll wie gehabt. Als dubios bezeichnet der NDR dabei, dass der Fachverband Wärmedämmverbundsysteme in einem Rundschreiben an seine Mitglieder bereits zwei Wochen vor der Konferenz darüber informierte, dass es keine Gesetzesänderungen geben werde und eine ausreichende Prüfung des Baustoffes Styropor stattgefunden habe.


Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
0

Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion

Dieser Beitrag wurde unter Energie abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.