News | Jahresrückblick Diese Themen bewegten 2012 die Immobilienwelt: von Wohnungsmangel bis Energiewende

30. Dezember 2012 | von

Steigende Mieten, knapper Wohnraum, dreiste Makler und Verdrängung: 2012 das Jahr der Wohnungsnot

Berlin

Foto: www.webXvideo.de / pixelio.de

Wenn es ein Thema gab, das 2012 die Schlagzeilen beherrschte, dann waren es wohl die explodieren Mieten in deutschen Groß- und Studentenstädten. Würde in der Immobilienbranche ein Unwort des Jahres gewählt, so wäre auch das vermutlich schnell gefunden: Wohnungsnot. Ob dies ein Schreckgespenst ist, das lediglich in den Medien kursiert oder bereits ein reales Problem, das für sozialen Sprengstoff sorgt, darüber sind sich die Experten allerdings auch zum Ende des Jahres noch nicht einig.

Während der Deutsche Mieterbund eine Deckelung bei Neuvertragsmieten fordert, weigert sich Bundesbauminister Ramsauer (CSU) noch immer von Wohnungsnot zu sprechen. Dass tatsächlich ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfragen, vor allem im günstigen Preissegment herrscht, hat auch die Bundesregierung inzwischen anerkannt und im Dezember mit der Verabschiedung einer Mietbremse bei Bestandsmieten reagierte. Diese dürfen demnach nur noch um 15 statt bislang 20 Prozent innerhalb von drei Jahren steigen.

Unter der Oberfläche brodelt es schon länger: So begann das Jahr mit massiven Protesten in Berlin wegen der Räumung besetzter Häuser wie „Liebig 14“ im Bezirk Friedrichhain und der Schließung des Kunsthaus Tacheles in Mitte.

Aber nicht nur an der Spree demonstrierten die Bürger gegen hohe Mieten, Luxussanierungen und die Verdrängung der Altmieter. Auch in Deutschlands zweitgrößter Stadt Hamburg zog das Thema Tausende Mieter auf die Straße. Dort forderte das Bündnis „Schlaflos in Hamburg? Mietenwahnsinn stoppen!“ die Landesregierung auf, etwas gegen die Missstände zu tun. Scheinbar mit Erfolg: Im Oktober kündigte der Hamburger Senat an, im Bundesrat das sogenannte „Bestellprinzip für Makler“ durchsetzen zu wollen. Heist: Wer den Makler bestellt, soll ihn auch bezahlen.

Betroffen von Mangel an bezahlbarem Wohnraum sind neben deutschen Großstädten auch Studentenhochburgen wie Freiburg im Breisgau in Baden-Würtemberg und Regensburg in Bayern. Dort wurden in diesem Jahr wieder Notunterkünfte für jene Studenten errichtet, die zum Semesterstart noch keine Bleibe gefunden hatten. Auch Bundesminister Ramsauer hat sich zum Ziel gesetzt, die Probleme der Studenten zu bekämpfen und kündigte im November an, leer stehende Kasernen zu Studentenheimen umfunktionieren zu wollen.

Nun könnte der Eindruck entstehen die Bundesregierung würde sich ausschließlich für die Interessen der Mieter einsetzten. Dies ist jedoch offenkundig nicht der Fall, wie der Mieterbund kritisiert. Grund für den Tadel war dabei die im Bundestag am 13. Dezember verabschiedete Mietrechtsnovelle. Die beschlossenen Neuregelungen würden zu drastischen Mietrechtsverschlechterungen führen, kritisierte der Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, den Beschluss.

Umstrittenen sind vor allem zwei Punkte des Gesetzes, die Abschaffung des Mietminderungsrechtes bei energetischen Sanierungen und der sogenannte „Schutz vor Mietnomaden“, der Vermietern künftig schon bei Zahlungsverzug das Recht einräumt, dem Mieter fristlos zu kündigen. Gekippt werden könnte das Gesetz jetzt noch durch ein Veto des Bundesrats.

Freier Fall der Immobilienpreise in Spanien, niedrige Bauzinsen und Kaufwut auf dem deutschen Immobilienmarkt: 2012 das Jahr der Euro-Finanzkrise

Euro

Foto: Nico Meier / pixelio.de

Nicht nur die Finanzminister, auch der Immobilienmarkt wurde 2012 durch die Euro-Krise in Atem gehalten. Was den Finanzexperten Europas sorge bereitete, verlieh dem deutschen Immobilienmarkt hingegen Aufwind. Die Bausparkassen vermeldeten bereits im Januar Rekordergebnisse. Angesichts des drohenden Wertverlustes sahen viele Anleger ihr Geld 2012 in Wohneigentum am Besten investiert. In die Stabilität des deutschen Immobilienmarktes vertrauten aber nicht nur Bürger der Bundesrepublik, sondern auch ausländische Investoren. So brachten vor allem viele Griechen, Spanier und Italiener ihr Geld hierzulande ins Trockene. Besonders stark stieg die Nachfrage an Eigentum dabei in Großstädten, allen voran Berlin. Nahezu ein Drittel aller Immobilienkäufe wird hier inzwischen von ausländischen Investoren getätigt.

Neben kleineren Investitionen wurden in der deutschen Hauptstadt in diesem Jahr gleich mehrere große Immobiliendeals unter Dach und Fach gebracht. Der Immobilienkonzern TAG kaufte im November über 11.000 Immobilien der ehemaligen Treuhandtochter TLG – einige der Ost-Wohnungen befinden sich in Berlin. Den Zuschlag für die restlichen DDR-Immobilien der TLG bekam knapp ein Monat später der US-amerikanische Finanzriesen Lone Star. Zu den verkauften Immobilien gehören unter anderen auch die Kulturbrauerei im Bezirk Prenzlauer Berg, das Cubix-Kino am Alexanderplatz und das Gebäude der Stasi-Unterlagenbehörde in Mitte. Der US-Investor legte dafür fast 1,4 Milliarden Euro auf den Tisch.

Weniger hohe Preise erzielten hingegen Immobilien in Spanien. In dem von der Finanzkrise besonders angeschlagenen Land fielen die Eigentumspreise fast ins Bodenlose: Nachdem in den Boomjahren besonders an den Küsten Spaniens überall Häuser aus dem Boden schossen, überschwemmten in diesem Jahr immer neue Objekte den Immobilienmarkt und drückten die Preise nach unten. Dabei ist ein Ende des Abwärtstrends bislang nicht in Sicht.

Explodierende Stromkosten, Solarförderung und energetische Sanierung: 2012 das Jahr der Energiewende

windkraft

Foto: andi-h / pixelio.de

Bereits 2011 beschlossen war die Energiewende 2012 bereits Dauerthema in den Medien. So sollten die Solarförderungen im Januar zunächst restlos gestrichen werden, was auf eine derartige Empörung in der Branche stieß, dass sogar eine Verfassungsklage in Erwägung gezogen wurde. Obwohl es zu Letzterer nicht kam, lenkte die Regierung schließlich ein und einigte sich mit den Ländern auf eine Abmilderung des Subventionsstopps.

Kosten verursachte die Energiewende aber nicht nur beim Staat, sondern auch bei den Bürgern. Zum Ende des Jahres kündigten fast alle großen Stromanbieter in Deutschland für 2013 drastische Preissteigerungen an. Mit einer Preissteigerung von 13 Prozent ist einer von ihnen der schwedische Konzern Vattenfall – der sowohl auf dem Berliner als auch Hamburger Strommarkt führend ist.

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass auch die deutschen Stromnetze noch nicht zur Genüge auf die Energiewende vorbereitet sind. Kurzerhand beschloss das Kabinett deswegen noch vor Weihnachten einen Gesetzesentwurf, der den Bau dreier großer Stromautobahnen von Nord nach Süd auf den Weg bringen soll.

Und auch in Sachen energetischer Sanierung wurde die schwarz-gelbe Regierung 2013 tätig: Ganz konsequent war der Kurs der Koalition aber auch hier nicht. Zunächst wurde im Juni beschlossen, das Förderungsvolumen von 1,5 Milliarden auf eine Milliarde abzusenken, um dann im Dezember einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der eine erneute Anhebung vorsieht. Das Budget soll jetzt wieder um 300 Millionen Euro angehoben werden. Das ist dem Handwerk immer noch zu wenig, um der Investitionszurückhaltung zu begegnen. Die Interessensvertretung der Branche fordert deswegen weitere Zuschüsse für Hausbesitzer, die ihr Eigentum energetisch auf Vordermann bringen wollen.

Besonders die politischen Debatten zum Ende des Jahres versprechen auch für 2013 spannende Immobilienthemen. In diesem Sinne wünscht die news.immobilo-Redaktion allen Lesern einen guten Rutsch und freut sich, Sie auch im kommenden Jahr über alle wichtigen Ereignisse informieren zu dürfen!


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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