Wohnen | AAL Pilotprojekte Assistiertes Leben: Pilotprojekte in Deutschland

12. Februar 2013 | von

Assistenzsysteme gehören zu den neuesten Trends für altersgerechtes Wohnen. Allerdings steckt die Technik noch in den Kinderschuhen. Mit der staatlichen Förderung einiger Pilotprojekte wird nun versucht, verschiedene Ansätze des Ambient Assisted Living (AAL) zu testen und auf Praxistauglichkeit zu überprüfen.

Der Alltag ist für Senioren nicht immer einfach – oft genug ist das ein Grund, den Lebensabend in einem Altenheim zu verbringen, in dem rund um die Uhr für die Bewohner gesorgt wird. Viele Betroffene würden es jedoch bevorzugen, in den eigenen vier Wänden zu bleiben und dort so selbstständig wie möglich zu leben. Das bietet den Senioren nicht nur ein großes Stück Lebensqualität und Selbstbestimmtheit, es spart auch Kosten: Je mehr Mitglieder der älteren Bevölkerung anstatt in einer Pflegeeinrichtung im eigenen Heim leben, desto weniger Ausgaben fallen zur gesundheitlichen Versorgung an. Und diese spielen angesichts der zunehmenden Alterung der Gesellschaft eine immer größere Rolle.

„Vitalig“ vernetzt Gesundheitsdienstleister

Senioren ein langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen, das ist das Ziel eines gemeinsamen Pilotprojektes der Deutschen Telekom und der AOK Rheinland/Hamburg. Im niederrheinischen Ort Goch soll Telekommunikationstechnik 100 Teilnehmern das Leben komfortabler gestalten. Die Senioren werden im Rahmen des Projektes mit Bildtelefonen und speziell konfigurierten PCs ausgestattet, die sie zu Hause vor allem im medizinischen Bereich unterstützen sollen.

All-in-One-PC mit nützlichen Anwendungen.

All-in-One-PC mit nützlichen Anwendungen. Foto: screenshot http://www.aerzteblatt.de

Das Projekt „Vitalig“, mit dem sich die Telekom in Zukunft als Gesundheitsdienstleister positionieren will, umfasst ein neu entwickeltes Videotelefonie-System. Mit diesem haben die teilnehmenden Senioren die Möglichkeit, sich beispielsweise mit Gesundheitsdienstleistern zu vernetzen – mehrere Ärzte und Apotheken, ambulante Pflegedienste und außerdem ein Sanitätshaus in der Region sind über die Kommunikationsplattform verbunden. Das Pilotprojekt ist zunächst auf zwei Jahre angesetzt und bietet neben der medizinischen Kommunikationshilfe auch ein Mittel gegen Vereinsamung: Auch Angehörige können sich ein entsprechendes Gerät bestellen.

Einfache Bedienbarkeit hat oberste Priorität

Das System ist dabei so konzipiert, dass es von den Teilnehmern so einfach wie möglich zu bedienen ist. Auch wer sich im Umgang mit technischen Geräten schwer tut, wird in der Handhabung nicht eingeschränkt. Es handelt sich bei Vitalig um einen „All-in-One-PC“ mit Touchscreen, der nur die wirklich notwendigen Funktionen bietet – das wurde bewusst so konzipiert. Einen Zugang zu einem Internetbrowser oder anderen Anwendungen gibt es nicht und auch normale Telefongespräche können über die Plattform nicht geführt werden. Damit sollen der Respekt vor der Technik und die Hemmschwelle für die Senioren möglichst gesenkt werden.

"Smart Senior": Vitaldaten auf dem Bildschirm prüfen: Foto: Telekom

„Smart Senior“: Vitaldaten auf dem Bildschirm prüfen: Foto: Telekom

Um mit den anderen Teilnehmern des Kommunikationsprojekts Kontakt aufzunehmen, muss schließlich nur der Bildschirm berührt werden. Mehrere Schaltflächen bieten dann die Möglichkeit zur Kommunikation mit den Dienstleistern oder angeschlossenen Familienmitgliedern. Auf einmalige Berührung baut das Gerät auch selbstständig die Videoverbindung auf. Bisher ist auch ein simples Shop-System in das Projekt integriert, mithilfe dessen direkt in Apotheken oder im Sanitätshaus Waren bestellt werden können – im weiteren Verlauf des Pilotprojekts sollen weitere Anbieter wie etwa Getränkelieferanten hinzukommen.

Der Ort Goch im Kreis Kleve wurde für das Modell ausgewählt, weil hier zum einen bereits viele Dienstleistungen für Senioren angeboten werden – so etwa ein städtisches Seniorentelefon sowie Dienstleister, die Senioren beim Schneeräumen unterstützen. Eine solche auf Senioren abgestimmte Infrastruktur ist für den Erfolg eines solchen Projektes notwendig. Zum Anderen ist der Bedarf in Goch besonders hoch: Wie Kalkulationen der AOK ergeben haben, wird im Kreis Kleve 2030 ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein.

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