Allgemeines | Barrierefreiheit Treppenlift: Die Geschichte eines verkannten Helfers

15. Februar 2013 | von

Sie erleichtern vielen Senioren und anderen körperlich eingeschränkten Menschen erheblich den Alltag: Treppenlifte. Aus einigen Haushalten sind sie kaum mehr wegzudenken, geben sie doch Betroffenen die Möglichkeit, sich frei und selbstbestimmt zu bewegen, ohne dabei in einem Stockwerk „gefangen“ zu sein. Heute kann zwischen den unterschiedlichsten Lifttypen gewählt und die Modelle individuell an ihre Nutzer angepasst werden. Doch seit wann gibt es die praktischen Alltagshelfer eigentlich?

Mit dem Einbau von Aufzügen begann die Geschichte der Treppenlifte.

Mit dem Einbau von Aufzügen begann die Geschichte der Treppenlifte. Foto: Sommaruga Fabio / pixelio.de

Seinen historischen Ursprung hat der Treppenlift zum Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Erfindung des Aufzugs. Bis zu diesem Zeitpunkt war es üblich, sehr häufig – im schlimmsten Fall täglich – tausende von Treppenstufen auf- und abzusteigen. Die Beförderung von einem Stockwerk ins nächste wurde schließlich durch die Einführung von Aufzügen erheblich erleichtert, sodass es heutzutage nicht mehr denkbar ist, dass etwa Angestellte 30 Etagen zu Fuß hochsteigen müssen, um in ihre Büros zu gelangen. Die Technik von Personenaufzügen wurde bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts immer weiter verbessert und schließlich flächendeckend in neu gebaute Hochhäuser, besonders in Bürogebäude, integriert. Zwar gab es damals noch keine Treppenlifte im heute bekannten Sinne, doch ihre Wurzeln liegen in ebendieser Zeit – denn sie funktionieren nach einem ganz ähnlichen Prinzip wie Fahrstühle, indem sie Personen und Lasten von einer Etage in die nächste befördern können.

Treppenlifte als Fahrstuhlersatz

Nachdem das System Aufzug zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert in gewerblichen sowie in privaten Gebäuden boomte, stieg auch zunehmend der Bedarf an Treppenliften – aus einem einfachen Grund: In vielen Treppenhäusern war schlichtweg kein Platz für einen Aufzug. Hier konnten die Gebäude von dieser Zeit an mit Treppenliften ausgestattet werden, damit in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen das Treppensteigen vermeiden konnten – ein großer Schritt Richtung Barrierefreiheit. Besonders in kleineren Häusern lohnte sich die Anschaffung eines Treppenlifts im Vergleich zur aufwendigen Installation eines Aufzugs mehr. Letztere hätten in den meisten Fällen hohe Umrüstkosten mit sich gebracht.

Alltagsgerät statt Luxusgut

In der Form, wie sie heute bekannt ist, entstanden Treppenlifte schließlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg, etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine Entwicklung der Qualität ist dabei deutlich zu erkennen: Handelte es sich bei den ersten Modellen noch um nur wenig belastbare Holzkonstruktionen, wurden die Lifte im Laufe der Zeit technisch immer anspruchsvoller gebaut. Auf die Praktikabilität folgte schließlich auch der Komfort: „Luxuriöse“ Ausrüstung wie beispielsweise Lederpolster wurde erst später zum Bestandteil eines Treppenlifts, sodass das Gerät letztendlich auch massenkompatibel war. Innerhalb der letzten Jahrzehnte entwickelte sich der Treppenlift dann auch von einem Luxusgut, das sich nur der obere Rand der Gesellschaft leisten konnte, zur Lebenshilfe für jedermann. Dank der Förderungen durch moderne Pflegeversicherungen ist es nun den meisten Bedürftigen möglich, zu günstigen Konditionen einen Treppenlift zu erwerben.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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Ein Kommentar zu Treppenlift: Die Geschichte eines verkannten Helfers

  1. Lisa sagt:

    Der Beitrag ist wirklich interessant. Mir hat vor allem der historische Teil gefallen.
    Treppenlifte sind eine wunderbare Lösung für Ältere, die nicht mehr so gut gehen können.

    Gruß
    Lisa

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